Altstadt
Grau, bunt und durcheinander: Ist Solothurns Pflaster «kein Flickenteppich»?

Anderswo sind die Gassen und Plätze der Altstadt akribisch erfasst – Solothurn behält sein Strassenpflaster pragmatischer im Auge.

Wolfgang Wagmann
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Strassenpflaster in der Stadt Solothurn
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Strassenpflaster in der Stadt Solothurn

Wagmann Wolfgang

Wer in der Altstadt näher auf den Boden sieht, stellt fest: Alles war und ist möglich. Graues, buntes oder rotes Pflaster, Asphalt mit Trottoir und dann die Steine: halbbogenförmig, gerade oder sogar strahlenförmig erlegt - wie auf der bekanntesten «Spielwiese» der «Pflästerlis-Politik»: dem Friedhofplatz.

Zuletzt wurde man wieder auf Solothurns Pflaster mit dem Aussanden am Kronenstutz aufmerksam; der letzte grosse gestalterische Kraftakt war vor kurzem die Pflästerung in der Vorstadt. Ein Konzept wie St. Gallen (vgl. Kasten) kennt Solothurn nicht. Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, betont aber: «Der aktuelle Zustand und die verbauten Pflästerungen sind uns gut bekannt. Die verschiedenen verbauten Materialien haben wir in einem Kataster erfasst. Wir wissen also, wo welche Steinart auf welcher Fläche verbaut wurde.»

Wo es eine «Konzeptstudie Altstadt» gibt

Seit 2012 kennt St. Gallen eine 71 Seiten starke «Konzeptstudie Altstadt». In ihr sind akribisch alle Altstadtgassen und ihre Bodenbeläge erfasst. Tenor: Die frühere, verkehrsbezogene Aufteilung des Strassenraums mit Trottoirs soll aufgegeben werden, die Pflästerung in zurückhaltenden Farben mit Naturstein, bevorzugt Quarzsandstein, erfolgen. Auch wird Kritik und Änderungspotenzial bei Porphyr-Pflästerungen der achtziger Jahre laut, wie sie auch Solothurn damals grossflächig in der neuen Fussgängerzone realisiert hatte. St. Gallens Konzeptstudie verstand sich als Arbeitsgrundlage für anstehende Sanierungen. Sie bleibt nicht auf die Bodenbeläge beschränkt, sondern macht auch konkrete Vorschläge zur Möblierung und Bepflanzung des öffentlichen Raums. (ww)

Die Pflästerungen stehen unter Beobachtung

«Aktuell sind wir daran, den Pflästerungskataster mit dem Zustand zu erweitern. Im März und April haben wir den Zustand erhoben und die Resultate werden wir ebenfalls grafisch darstellen.» Als erste Sofortmassnahme habe man das Pflaster ab Baseltor bis zum Ritterquai aussanden lassen. «Weiter haben wir einen Unterhaltsplan entwickelt, der sicherstellt, dass die Pflasterflächen mindestens alle fünf Jahre auf ihren Zustand hin untersucht und die nötigen Unterhaltsmassnahmen geplant und budgetiert werden. So können wir die Lebensdauer der Pflästerungen deutlich verlängern», glaubt Lenggenhager.

Die geschichtliche Aufarbeitung auch in Solothurn wäre sicher machbar. «Um eine gleichwertige Konzeptstudie wie in St. Gallen zu erarbeiten fehlen dem Tiefbau zurzeit jedoch die personellen Ressourcen oder finanziellen Mittel», so Lenggenhager – ausser die Bearbeitung würde extern vergeben. Doch mittel- bis langfristig stünden auch keine Erneuerungen oder Umgestaltungen von Altstadtgassen an.

Trotz der höchst unterschiedlichen Erscheinungsformen – die Bilder oben reichen für eine Gesamtbilanz nicht aus - könne «von einem Flickenteppich in Solothurn nicht die Rede sein. Der Zustand wird sich als Folge des Unterhaltskonzepts verbessern.» Lenggenhagers Fazit: «Die verschiedenen verbauten Gesteinsarten entsprechen vermutlich nicht dem Standard. Die verschiedenartigen Pflasterflächen gehören aber zur Solothurner Altstadt und prägen neben den barocken Gebäuden auch das Erscheinungsbild.»