Denn es gleicht eher einem hochnotpeinlichen Verhör, da Schnautz bekennen muss, bei seinen Chefbeamten sei es gar nicht zu einer Lohnerhöhung gekommen. «Wir wurden nur in höhere Lohnklassen eingestuft.» Die Lohnfrage wird zwar gnadenlos gestellt, doch auch «11 Minuten» kann keine Antwort auf diese stadtbewegende Frage liefern. Immerhin packt die Redaktion die heissen Politeisen allesamt an. Es gibt Verhaltenstipps zur «Gemeine Steuer», denn diesmal erfolgt die erste Mahnung schon vor dem Vorbezug 2013. Martialisch auch die Bewältigung des Fusionsthemas: «Operation Willküre» sieht gleich die militärische Option gegen fusionsrenitente Nachbargemeinden vor.

Grufti-Partys im Kofmehl

Die sonstige Stärke von «11 Minuten», die Fotomontage, wird diesmal fast ganz vernachlässigt – es geht offenbar auch mit Originalbildern oder man stellt die darauf befindlichen Personen an Strände, wo sie noch nie waren. Amüsant unter den längeren Texten auch die Innensicht auf die Kulturfabrik Kofmehl, die nicht nur aussen rasch altert. Die Oldies auf der Bühne werden kräftig durch die Mangel gedreht. So sollen beim Auftritt von Shaggy sogar ein Sauerstoffgerät und ein Doppelgänger zum Einsatz gekommen sein. Einige Lacher holt sich auch das Kurzfutter in den Randspalten – leider immer noch nicht nur von lokaler Provenienz. Zum Beispiel: «Empörung bei den Sängerknaben: Chor muss neben Chor.»

Unterhaltsam das Lotto-Motto, welche Fasnachtsgruppe heuer mit was antritt. Die Schanzennarren, so vermutet man, könnten als Piraten (höchste Wahrscheinlichkeit), als Piratten oder Primaten die Stadt unsicher machen. Pech hatte die Redaktion allerdings bei den Hüslisängern: Diese erklärten ihren Rücktritt just ein Mü nach dem Redaktionsschluss.

Das einzige nicht bezahlte Inserat dagegen ist in Variationen fast auf jeder Seite den Mödeli von «Cristina’s» gewidmet, während der Verkauf des Hotels Krone mit einer ganzseitigen Zeichnung unter dem Titel «VenduChinoise» gewürdigt wird.

Die Personenauswahl ist begrenzt

Summa summarum eine ganz runde Sache dieser Jahrgang von «11 Minuten», aber die Themenpalette entspricht dem zu Erwartenden, der glossierte Personenkreis kreist allzu sehr um die immer gleichen Lupis. Wohl ein Problem, mit dem die Bezahl-Zeitungen von Honolulu genauso konfrontiert sind. Doch lassen wir uns nächste Woche überraschen.

«11 Minuten» gibts bei: Pizzeria Sternen, Blumen Studer, Le Coiffeure, Kerzen Jeger, Jägerstübli, Bruno Walter Architekten, Chicken Chaotikum, Chuchilade, Cantina del Vino, Max Kaeser, Restaurant zum Fritz, Linea Bertoli.