Solothurn

Glücklich, Teil der Geschichte zu sein: «Wiehnachtsreis» durch die Stadt begeistert

Seit 15 Jahren führt die Weihnachtsreise an einem Sonntag vor Weihnachten durch die Solothurner Altstadt. So auch dieses Wochenende. Die Geschichte rund um das Christkind und den bösen Herodes mit Soldaten und Tieren lockte die Leute scharenweise in die Stadt.

Historisch lässt sich nichts beweisen. Doch die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland, aus denen die Tradition drei Könige gemacht hat, ist in der biblischen Weihnachtsgeschichte fest verankert und fasziniert die Menschen auch nach 2000 Jahren immer noch. War es ein Komet, eine bestimmte Planetenkonstellation oder bloss eine Intuition, die die Weisen auf den Aufgang eines Sterns aufmerksam machten, der sie zuerst nach Bethlehem und dann zu einer armseligen Krippe mit einem neugeborenen Kind führte? Wir wissen es nicht.

Sterndeuter standen damals hoch im Kurs. Man nannte sie auch Magier und glaubte ihnen. Jeder Mensch hat seinen Stern. Wenn man geboren wird er-scheint er am Himmel und wenn man stirbt, erlischt er, so die Vorstellung damals. Wie viele es genau waren, die sich auf den Weg nach Bethlehem machten, verrät die Bibel nicht, und sie nennt auch keine Namen. Erst im 6. Jahrhundert erfährt man, dass sie Caspar, Melchior und Balthasar geheissen haben sollen.

Seit 15 Jahren führt die Reise durch die Stadt

In der reformierten Stadtkirche machen sich Peter Meier, Ernst Hirschi und Joel Equagoo bereit für eine Reise der besonderen Art. Sie führt wie seit 15 Jahren am dritten Adventssonntag durch die Altstadt von Solothurn und nennt sich «Wiehnachtsreis». Dort, in der Stadt, stehen zahlreiche Menschen am Strassenrand und warten. Viele haben ihre Handys gegen das Bieltor gerichtet, wo der Einzug der Heiligen Familie und ihrer Entourage stattfinden soll.

«Ich bin dankbar, dass ich die Botschaft unter die Menschen bringen kann», sagt Peter Meier. Und: «Ich freue mich jedes Jahr riesig auf diesen Augenblick.» Draussen sind inzwischen Farina und Dahib, zwei Kamele aus dem Arche-Hof in Huttwil, mit ihren Begleitern angekommen. Obwohl sie als friedfertige Tiere bekannt sind, bleiben sie fest in deren Hand. Bald wird man erfahren, dass sie die grossen Stars der Weihnachtsreise sind und von den Kindern gestreichelt werden dürfen.

Auch Joel Equagoo ist glück-lich, dass er in wenigen Minuten Teil einer Geschichte sein darf, an die er selbst mit ganzem Herzen glaubt. «Man kann die Rolle nur spielen, wenn man überzeugt ist, dass alles wirklich passiert ist.»

Die Beteiligten freuen sich jedes Jahr

Dankbar, dass er die Erinnerung an die Anfänge des Christentums als einer der Weisen aus dem Morgenland weitertragen kann, ist auch Ernst Hirschi, der zuerst als Hirt bei der Weihnachtsreise mitgewirkt hat. «Ich freue mich immer auf den Tag», sagt er und seine Augen glänzen.

Inzwischen ist in der Stadt fast kein Durchkommen mehr. Die drei Weisen folgen ihrem Stern und landen, weil sie den neugeborenen König in Jerusalem vermuten, erst einmal bei Herodes, der sein Zelt auf der St.Ursentreppe aufgeschlagen hat. Auch wenn man einen Stern vor Augen hat, ist man vor Irrwegen nicht gefeit. In der Menschenmenge auf dem Kronenplatz wird es still. Herodes treibt mit den drei Sterndeutern ein falsches Spiel. Er schickt sie auf die Suche nach dem Neugeborenen. Sein Plan: das Kind ermorden lassen, ehe es seinem Thron gefährlich wird.

Herodes denkt, doch Gott lenkt die Geschichte. Sobald die Magier Jerusalem verlassen haben, leuchtet der Stern wieder auf und geht ihnen voran nach Bethlehem. Auf dem Märetplatz finden sie keinen Palast und keinen Prinzen, sondern ein lebendiges Kind in einem Futtertrog. Nicht nur die drei Weisen strahlen. Auch auf den Gesichtern der Zuschauer zeichnet sich ein Lächeln ab.

Maria hält das Kind im Arm und Josef nimmt die mitgebrachten Geschenke entgegen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. «Das ist wunderschön», sagt eine Frau, und ein Mädchen sagt: «Papi, erzähl mir noch mehr von dieser Geschichte.»

Im Evangelium tauchen die drei Weisen aus dem Morgenland nicht mehr auf. Um sie entwickelt sich aber ein Kult, der offensichtlich noch heute Hunderte zu faszinieren vermag.

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