Solothurn
Glücksmomente im Stadttheater dank Weltklasse

Mit einer Konzertmuschel wurde das Stadttheater Solothurn zum Konzertsaal. Ein wunderbares Mozart-Erlebnis für die Ohren und die Augen.

Silvia Rietz
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Pianistin Claire Huangci und Dirigent Matthias Bamert nehmen den langanhaltenden Applaus entgegen. Bruno Stephani

Pianistin Claire Huangci und Dirigent Matthias Bamert nehmen den langanhaltenden Applaus entgegen. Bruno Stephani

Die Eröffnungsfeierlichkeiten im Stadttheater brachten Glücksmomente zuhauf: Nach der umjubelten «King Arthur»-Premiere brillierten Claire Huangci und Matthias Bamert mit Mozart; das Sinfonie Orchester Biel Solothurn konzertierte erstmals auf der Bühne; Stadtpräsident Kurt Fluri und Intendant Dieter Kaegi freuten sich auch über die Chance, den ältesten Barocktheatersaal des Landes für Konzerte zu nutzen.

«Es stimmte einfach alles»

Ermöglicht wird dies durch eine von der Gemeinde Feldbrunnen-St. Niklaus finanzierte Konzertmuschel. Deren erstmaliger Einsatz liess auch Gemeindepräsidentin Anita Panzer vor Freude strahlen. Genau so die Besucherinnen und Besucher in den bis auf den letzten Platz besetzten Rängen. Publikum zieht man entweder mit den richtigen Namen oder mit dem richtigen Programm an. Fehlt es an berühmten Dirigenten oder am Weltklasse-Solist, müssen die Leute übers Repertoire in den Saal geholt werden. Im Stadttheater stimmte einfach alles: Mit Wolfgang Amadeus Mozart stellte die Gala Kompositionen eines Publikumsmagnets ins Zentrum, mit Matthias Bamert gastierte einer der renommiertesten Dirigenten der Schweiz in Solothurn und mit Claire Huangci eine der international interessantesten Pianistinnen der jungen Generation. Gemeinsam gestalteten sie Mozarts Klavierkonzert Nr. 25, C-Dur, KV 503 zum elektrisierenden Höhepunkt. Dabei erwies sich Claire Huangci einmal mehr als eine überaus expressive Musikerin, die jedoch aus einer für ihr Alter unglaublichen Ruhe und Tiefe heraus gestaltet, Zwischentöne hörbar macht. Mit erlesenem Klangsinn, intim, technisch makellos, brilliert sie in rasanten Passagen und gleitet doch immer wieder ins seelentiefe Erzählen. Ihr stehen manuelle Sicherheit mit den sprichwörtlich «schnellen Fingern» zu Gebote. Impulsiv in Tempo und Dynamik, setzt sie diese Qualitäten jedoch nie zum oberflächlichen Brillieren ein. Viel wichtiger sind dieser Mozart-Interpretin die grossen, weitgeatmeten Bögen, der natürliche Fluss der Musik. Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn dankte der Pianistin mit grosser Spielfreude und Matthias Bamert mit Bravour.

Claire Huangci avancierte zum Publikumsliebling und begleitete, gemeinsam mit dem Orchester, auch die Konzertarie «Ch’io mi scordi di re». Diese wurde von der Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis gesungen. Sie kolorierte Mozarts Bearbeitung von Rezitativ und Rondo «Ch’io mi scordi di te? – Non temer, amato bene» KV 505 aus «Idomeneo» von lyrischer Zartheit und kraftvollen Spitzentönen. Trotz souveränem Vortrag fehlte der mit Partitur singenden Marie-Claude Chappuis letztlich ein Quäntchen Brillanz und Ausdruckstiefe. Ingredienzien, mit denen Matthias Bamert und das Orchester bei der (auswendig dirigierten) Prager-Sinfonie beglückten. Unter Maestro Bamert erklingt Mozart zügig und fesselnd. Er kennt keine Posen. Da klingt nichts akademisch oder aufgedonnert, sondern trotz straffen Tempi beseelt und liedhaft.

Ein wunderbares Mozart-Erlebnis für die Ohren und die Augen. An der Wiedereröffnung des Stadttheaters gab es mit der neuen Konzertmuschel (Seitenwände und Deckenpaneelen aus Holz), und den Musikerinnen und Musikern auch einen ungewohnten Anblick auf der Bühne. Für George Vlaiculescu, seit 38 Jahren Geiger im Orchester, eine einzigartige Erfahrung: «Erstmals formierten wir uns nicht im Orchestergraben unten, sondern oben auf der Theaterbühne. Die Akustik ist hervorragend und nicht mehr so trocken wie einst. Früher dominierte Stoff im Theatersaal, heute ist vieles aus Holz. Dies und die Konzertmuschel haben zum ausgewogenen Klang beigetragen.» Genossen habe er auch die Zusammenarbeit mit einem der berühmtesten Dirigenten der Schweiz, dessen Gedächtnis und Inputs einzigartig seien. Das Publikum schloss sich seiner Einschätzung an, feierte Bamert – und das Orchester – mit frenetischem Applaus. Glücksmomente, reflektiert vom Strahlen der Menschen auf der Bühne und im Parkett.