Stadtkirche Solothurn

Glocken klingen zum Jubiläum - wie schon zur Einweihung vor 90 Jahren

Der feierliche Glockenaufzug zur Einweihung im Jahre 1925.

Der feierliche Glockenaufzug zur Einweihung im Jahre 1925.

Vor bald 90 Jahren wurde die von Armin Meili entworfene reformierte Kirche eingeweiht. Damals standen die Kirchenglocken im Zentrum: Das tun sie auch zum aktuellen Jubiläum.

«Friede sei ihr erst Geläute», die Verszeile aus Friedrich Schillers «Lied von der Glocke» wurde vor knapp 100 Jahren zum Baumotto der geplanten Stadtkirche. 1917, mitten in den Unsicherheiten des Ersten Weltkriegs, sehnte man sich nach diesem Frieden – so gab Architekt Armin Meili auch deswegen seinem Projektentwurf für den Bau einer neuen Kirche diesen Titel und Wunsch mit auf den Weg. Acht Jahre später erklangen zur Einweihung jene Schiller’schen Glocken zum ersten Mal im Kirchenturm: Am 30. August 1925, also vor 90 Jahren, fand der erste Gottesdienst in der neuen reformierten Stadtkirche statt – zum Klang der hiesigen Glocken, die aus der Giesserei Rüetschi in Aarau stammen.

Das kleine Jubiläum 90 Jahre später wird die reformierte Kirchgemeinde nun auch zum Anlass nehmen, sich in einer Veranstaltungsreihe der Baugeschichte der Stadtkirche zu widmen. «Damals wie heute fällt den Glocken eine wichtige Rolle zu», sagt Pfarrerin Alexandra Flury-Schölch. Innerhalb der anstehenden Festivitäten, die am 30. August mit einem Festgottesdienst beginnen und am 25. Oktober ebenso feierlich enden, will man das Bewusstsein für die Funktion der Glocken in der breiten Bevölkerung stärken.

«Die Menschen sollen die Glocken neu entdecken: Braucht es sie? Bedeuten sie eher Lärm oder Heimat? Sind sie störend? Zu welchem Anlass läutet welche Glocke?» Flury-Schölch verweist dabei auch auf die Anwohner, die sich am «Gebimmel» stören. «Viele würden es vermissen, wenn es nicht mehr da wäre», meint sie. Und wie das Nebeneinander möglich ist, habe sie in Jerusalem erlebt: «Dort waren die Geräusche von Kirchenglocken neben dem Muezzin zu hören.» Viele kennen ausserdem die geltende Läutordnung der Stadtkirche nicht: «Als die Kirchenglocken der Stadt damals während des Golfkrieges zum Friedensgeläut klangen, wussten viele gar nicht, was der Anlass für das Geläut war.»

Besonders auffallen werden übrigens die Glockenklänge, die für Donnerstag geplant sind. Dabei werden diese nämlich via Tonaufnahme aufgezeichnet, quasi als Auftakt und Vorbereitung für die Feierlichkeiten ab dem 30. August.

Vielseitiges Jubiläumsprogramm

Kernteil der Veranstaltungsreihe zu 90 Jahre Stadtkirche ist eine Ausstellung, die Einblicke in die Kunst des Glockengiessens gewährt und auf die sechs klingenden «Ladies», die den Stadtkirchen-Turm zieren, fokussiert. Diverse Rahmenanlässe folgen im Laufe der darauffolgenden Wochen. Am 4. September werden durch die «Kinoorgel» begleitete Stummfilme zu sehen sein. Am 20. September bestreitet Urs Aeberhard ein Orgelkonzert, das sich am Einweihungskonzert vor 90 Jahren orientiert. Damals galt: «Eintritt mindestens Fr. 1.– zu Gunsten des Kirchenbaus». Am 24. Oktober finden Turmbegehungen zu den sechs Glocken statt, gleichentags und selbenorts werden Eric Nünlist und Sylvia Stampfli Turmmusik anhand einer Installation mit Seilzügen erzeugen, gefolgt von anderen musikalischen Darbietungen. Zur Jubiläumsreihe zählen auch Glockenpredigten, die ab 1. November bis 6. Dezember zu hören sein werden.

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