Solothurn
Gleich 14 Autos rasselten in die «Bussenfalle» an der St. Niklausstrasse

Grosse Augen bei der Stadtpolizei Solothurn: Die erste Radarkontrolle an der St. Niklausstrasse überführte fast im Minutentakt TemposünderInnen, welche die neu eingeführte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h überschritten. In einer Stunde waren es zuletzt 14 statt der üblichen drei, vier.

Wolfgang Wagmann
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Radarkontrolle auf der St.Niklausstrasse
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Nur die Autos, die Richtung Stadt unterwegs sind, werden gemessen.
Viele haben zu viele km/h auf dem Tacho.
Wer zu schnell unterwegs ist, wird wenig später von der Polizei angehalten.

Radarkontrolle auf der St.Niklausstrasse

Wolfgang Wagmann

11.30 Uhr – die Stunde Null in der Tempo-30-Zone St. Niklausstrasse. Hinten in der Einmündung der Frank-Buchser-strasse warten vier uniformierte Beamte der Radargruppe mit zwei Dienstwagen auf die fälligen Temposünder. Es werden etliche Sünderinnen unter ihnen sein, in der kommenden Stunde. Vorne auf dem südlichen Trottoir der St. Niklausstrasse stehen zwei weitere Stadtpolizisten. In Zivil. Kariertes Hemd und schwarze «Dechlichappe».

Wachtmeister Pirmin Wüest richtet die Laser-Pistole stadtauswärts auf die St. Niklausstrasse. «Wir haben kein anderes Radargerät, und auch die Pistole wird von der Kantonspolizei zur Verfügung gestellt.» Dass die Autos kurz vor der Kreuzung mit Fussgängerstreifen abbremsen, weil sie Kinder passieren lassen müssen oder in die Obere Sternengasse abbiegen, kümmert ihn nicht gross. Das Lasergerät erfasse fehlbare Lenkerinnen und Lenker viel weiter vorne bis auf über 100 Meter Distanz. «Wir werden hier überhaupt nicht wahrgenommen», meint er im Schatten einer grossen Hainbuche. «Aber es ist auch nicht unser Ziel möglichst Viele zu erwischen. Wir wollen präventiv wirken.»

Knapp «das Billett» behalten

Nach wenigen Augenblicken ist es soweit. «Der rote Mini!» Einer der Uniformierten tritt auf die Strasse hinaus, winkt die fehlbare Person am Steuer mit deutlich mehr als 40 km/h hinauf in die Frank-Buchserstrasse. Bis dieser Fall registriert ist, kann Wüest keine weiteren Temposünden ahnden. Davon profitieren einige gar Eilige – sie kommen diesmal ungeschoren davon. So auch ein oranges Lastwägeli des städtischen Werkhofs, das mit gefühlten 40 km/h unterwegs ist.

Doch regelmässig tappen weitere Autos in die Radarfalle. Einige müssen schon mit Ordnungsbussen von 250 Franken rechnen. Ein Jeep-Fahrer mit BE-Nummer knackt schliesslich den Rekord: Mit gemessenen 55 km/h behält er sein «Billett» nur dank der 3 km/h gewährten Toleranz. Mehr gibts bei der Laserpistole nicht. «Und wer hier 25 km/h zu schnell fährt, ist seinen Führerschein auf der Stelle los», erklärt Wüest.

Strasse wirkt «zu schnell»

Am Vormittag habe man eine Stunde lang an der ebenfalls auf 30 km/h gesetzten Langendorfstrasse gemessen. Dort seien es viel weniger Autos mit Geschwindigkeitsübertretungen gewesen. «Normal sind rund vier Fahrzeuge in der Stunde.» Dass es hier gleich 14 werden, hat für Pirmin Wüest einen Grund: Die St. Niklausstrasse sei optisch zu breit, eben «zu schnell.»

Verengungen, Parkplätze, oder zumindest Velostreifen beidseits zur optischen Verengung findet er «eine gute Idee». Dagegen seien «Berlinerkissen» nicht mehr «so in». Bestätigt wird seine Aussage: «Velofahrer verhindern zu schnelles Fahren.» Dennoch versucht ein Lastwagen mit Baumaterial, vor den Augen der Polizei gerade noch vor dem Inseli ein Trio Pedaleure zu überholen – ein riskantes Manöver.

Nachmittags bestätigt Stapo-Kommandant Peter Fedeli die 14 Übertretungen, davon eine mit Anzeige an der St. Niklausstrasse. «Wir werden weitere Messungen auch an andern Orten vornehmen.» Und klar ist für ihn: Sollten die Resultate ähnlich ausfallen, müssten Massnahmen ergriffen werden.

So umgesetzt, «wie es aus fachlicher Sicht nicht empfohlen wird»

Gegen die Einführung von Tempo 30 auf der St. Niklausstrasse hatten sich nicht nur mehr als 20 Quartierbewohner bis vor Bundesgericht vergeblich gewehrt, sondern auch die Sektion Solothurn des Touringclubs der Schweiz (TCS). In seinem monatlich erscheinenden Magazin für Mobilität widmet der TCS nun im Solothurner Teil ein grösseres Kapitel seiner Maiausgabe Tempo 30. Unter dem Titel «Objektiv schlechte Tempo-30-Zonen» nimmt Autor Georges Heri in einem bebilderten Artikel insbesondere die St. Niklausstrasse aufs Korn, wirft aber auch die Zonen der Weststadt in den gleichen Topf. Speziell moniert er, dass es seit der Einführung dort zwei Unfälle mit Schwerverkehr gegeben habe, was vorher nicht der Fall gewesen sei.

Zur St. Niklausstrasse hält der TCS-Autor lakonisch fest: «Diese Zone ist genau so umgesetzt worden, wie es aus fachlicher Sicht ausdrücklich nicht empfohlen wird.» So habe man mit Rücksicht auf den Bus keine bauliche Massnahme umgesetzt, die das Tempo eigentlich wie erforderlich eindämmen sollten. Dies wohl auch aus Kostengründen, mutmasst Heri, der aber auch keine «Berliner Kissen» als Lösung sieht, seien diese doch «anerkannte Lärm- und Abgas-Emmissionsverursacher.»
Zwar würdigt er, dass der Rechtsvortritt wie erforderlich eingeführt worden sei – wobei der Autor genau in diesem Punkt nicht genau hingeschaut hat: In der Einmündung der Frank-Buchserstrasse zur St. Niklausstrasse wurde «kein Vortritt» zum Schutz der Schulkinder aus dem nahen Fegetzschulhaus beibehalten. Auch glaubt Heri, dass in Tempo-30-Zonen gar nicht die erwünschte Temporeduktion und damit erhöhte Verkehrssicherheit eintrete, sondern nur 7 km/h langsamer als bei Tempo 50 gefahren werde. In seinem Artikel spricht sich der Autor für «punktuelle» Tempo-30-Zonen bei Kindergärten, Schulhäusern und Altersheimen aus, gesteuert durch Ampeln, die in den «gefährlichen Zeiten» Tempo 30 anzeigen sollen. Genervt zeigt sich zudem der Artikelverfasser auch darüber, dass der TCS-Vorschlag eines Kreisels an der Kreuzung St. Niklaus-Strasse-Herrenweg keine Gnade gefunden hatte. «Das Stadtbauamt behauptete, dass dafür zu wenig Platz sei. Eine reine Schutzbehauptung, die keiner objektiven Prüfung standhält», so Heri. Und weiter: «Die Kreuzung bleibt, wie sie ist, und sie bleibt ein Unfallschwerpunkt.» Letzteres stimmt, weil seit der Aufhebung des dortigen Stopp-Signals mehrmals Unfälle mit Vortrittsmissachtungen passiert sind. Nicht ganz richtig informiert zeigt sich der Autor aber, wenn er behauptet, die Kreuzung bleibe so wie sie ist. Sie wird noch mit baulichen Massnahmen entschärft – aber auf einen Kreisel verzichtet man tatsächlich. (ww)