Die «Krone». Wenn gefeiert wurde, die grosse Kulisse gefragt war, dann rückte in Solothurn stets die «Krone» ins Blickfeld. Manchmal streifte das Haus auch der Hauch der Weltgeschichte. So als Napoleon Ende November 1797 das vorbereitete Diner im Kronen-Saal verschmähte und nur rasch ein Glas Wasser vor dem Gasthof trank. Um rasch weiterzureisen, weg von den Patriziern in Bern und Solothurn, die dem General gar nicht gut gesonnen waren.

Sie wussten warum. Drei Monate später, am 2. März 1798, marschierten die französischen Truppen in Solothurn ein. Und abends feierten die Besatzer im Kronen-Saal mit fraternisierenden Solothurnern und vor allem deren holden Weiblichkeit eine rauschende Ballnacht. Napoleon hat die Rechnung für das verschmähte, aber vorbereitete Nachtmahl über 1165 Louis d’Or nie beglichen. Dafür eine wesentlich höhere ans alte Solothurn gestellt, das hohe Kriegsentschädigungen leisten musste.

Gekrönte Häupter als Gäste

Seit 1418 ist die «Krone» auch als Pilgerherberge oder St. Ursen-Pinte aktenkundig. Nach mehreren Umbauten und Vergrösserungen erhielt der Haupttrakt 1772 seine heutige barocke Form, während der südlich angebaute Leist-Flügel ständig aufgestockt wurde. Der Pisoni-Bau sah nun grosse Feste, wie 1777 die Erneuerung des Bündnisses mit Frankreich zu St. Ursen. Im 19. Jahrhundert stiegen unter der legendären «Krone»-Wirtin Domenica Brunner gar gekrönte Häupter im ersten Haus von Solothurn ab. Der Kronprinz von Preussen wie seine Majestät Wilhelm III. tauchten im «Krone»-Gästebuch auf – angereist war der König mit 13 Wagen und 51 Pferden.

Jahrzehntelang war das Haus dann im Besitz der Familie Huber, ehe es 1909 an das Wirte-Ehepaar Nussbaumer ging. Dieses sah sich mit Problemen konfrontiert, die spätere Besitzer ebenfalls verfolgen sollten: Es gab mehr Investitionsbedarf als Mittel vorhanden waren. 1942 ging das Traditionshaus an einige Industrielle, die eine AG gründeten. Und das Ensemble für 2 Mio. Franken so umbauten, wie es sich in weiten Teilen vor der jetzigen Rundumsanierung präsentierte.

Eine schillernde Ära

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts sah viele rauschende Feste und gesellschaftliche Höhepunkte in der «Krone»: der legendäre Kronenball am Fasnachtsdienstag, an dem tout Soleure die Uslumpete zum Aschermittwoch zelebrierte, Bruderschaftsessen und viele Sitzungen der Rotarier, der Philanthropischen Gesellschaft Union oder der Kardinalgesellschaft, Auftritte der Schnitzelbänke und der Narrenzunft Honolulu.

Dazu Hochzeiten, den Casino-Ball im Herbst oder gefeierte Opernstars nach Auftritten am Classic Openair von Dino Arici. 1978 ging die «Krone» gar in die Hollywood-Filmgeschichte ein: Im Spionage-Thriller «Brass Target» spielte neben Max von Sydow oder Sigfrit Steiner auch Sophia Loren mit. Der italienische Filmstar drehte eine Schlüsselszene in einer «Kronen»-Suite – im Streifen selbst allerdings wird Solothurn anonymisiert und ist nirgends erwähnt.

Aber auch Sportgeschichte schrieb die «Krone»: Noch heute munkelt man, dass die 1954 dort einlogierten WM-Favoriten aus Ungarn das für sie ungewohnte Luxus-Leben in Solothurn mit der Finalniederlage und dem «Wunder von Bern» für die deutsche Mannschaft bezahlt haben.

Verkauf und Verkauf

Dabei wurde das Haus nicht jünger, und nach über 40 Jahren wollte die Von Roll ihr Prestigeobjekt in der Solothurner Altstadt abstossen. Sie fand 1995 einen Käufer im Hotelier-Ehepaar Dörfler. Zwar war mit Gregory Dörfler bereits die nächste Generation in den Betrieb eingetreten, doch verstarb 2008 Hotelier Gerry Dörfler unverhofft. Wohl hatten Dörflers einige Investitionen vorgenommen, doch zunehmend zeigte sich ein riesiger Investitionsstau über weite Gebäudeteile, der von privaten Besitzern kaum mehr zu stemmen war. Im Mai 2012 verkauften Marie-Thérèse und Gregory Dörfler das Ensemble an den Kanton und die Stadt Solothurn, die hälftig je 4,5 Mio. Franken dafür aufgebracht hatten.

Für Nebengeräusche sorgte weniger der Preis, als der Kauf an sich, der in verschiedenen Polit-Kreisen nicht als eine Kernaufgabe der öffentlichen Hand angesehen wurde. Doch fand sich mit dem der Credit Suisse Funds AG eine potente Baurechtsnehmerin für den geplanten Umbau. Dieser konnte erst 2015 unter der neuen Baurechtsnehmerin, der Swiss Prime Anlagestiftung, nach längerer Pause begonnen werden.

Für die längere Pause hatten Einsprachen eines Nachbarn gegen die Dachgestaltung des Leisttrakts und des Innenhofs gesorgt. Schon im Herbst 2012 allerdings hatte noch die vormalige Besitzerfamilie fast die gesamte Inneneinrichtung der «Krone» nach China verkauft. Und Ende 2015 schliesslich auch die «Kronen»-Garage in der Seilengasse, die nun die Swiss Prime Anlagestiftung bis Ende Jahr ebenfalls umbaut – mit neun zusätzlichen Hotelzimmern über der Autoeinstellhalle.

Quelle: Serie von Katharina Arni-Howald zur «Kronen»-Geschichte, 2012
in der «Solothurner Zeitung» erschienen.

Aus bescheidener Schenke wurde ein «Schloss»

Auch für Promis war das Hotel Krone «ein Juwel»