Ein stimmiges Bild, das Präsident Martin Tschumi verwendete, um das Vereinsjahr 2014 von «Pro Vorstadt» zu beschreiben: «Fleissige Matrosen» waren am Werk, um das Schiff auch durch unruhige Gewässer zu lenken, um dem Wellengang und den Piraten zu trotzen, sowie die günstigen Winde zu nutzen – «wir sind auf Kurs», las der «Kapitän» aus seinem «Logbuch» vor.

Umgemünzt auf die Aktivitäten der Vereinigung ist auch die Möblierung des Dornacherplatzes gemeint, die seit vergangenen August zum Verweilen einlädt. Die günstigen Winde waren die Helfer, Sponsoren und die Stadt, die das «Wohnzimmer im Freien» ermöglicht hatten. «Ein proppenvoller Platz am sonnigen Mittag macht Freude», so Tschumi vor einer «Schiffscrew» mit rund 30 Anwesenden.

Hoffnungen in Verkehrsregime

Die Freude trübten dafür die «Piraten», die durch Beschädigungen negativ auffielen – oder durch Sprayereien in der Blaue-Post-Unterführung. So spannend wie das alte Vereinsjahr, könnten auch die künftigen werden: Als «Paradies am Horizont» nannte Tschumi den Abschluss der Umgestaltung zwischen Dornacherplatz und Berntorstrasse. Gemeint ist in erster Linie die Trottoirverbreiterung auf der östlichen Strassenseite der Berntorstrasse und die einspurige Verkehrsführung für den BSU.

Tschumi zeigte sich guter Hoffnung, dass dieser Umbau erfolgreich zustande kommt. Jedoch: Auf Anfrage teilte Tiefbau-Chef Benedikt Affolter mit, dass für dieses Jahr nicht mit dem Abschluss der Arbeiten zu rechnen sei. Dafür verantwortlich seien auch laufende Fassadenarbeiten am Restaurant Sonne. Zudem müsse zuvor der Deckbelag für den Strassenverlauf zwischen Dornacherplatz, Rossmarktplatz und Berntorstrasse gemacht werden. «Dieser wird im Juli aufgetragen, vermutlich an einem Sonntag, wenn auch der BSU-Fahrplan weniger dicht ist», so Affolter. Bereits auf der Wengibrücke installiert ist ein Signalgeber für den öffentlichen Verkehr – anstelle einer regulären Lichtsignalanlage.

Durch Wegzüge und Todesfälle verzeichnet der Verein einen Rückgang um 6 auf 123 Mitglieder. Der Vorstand mit Martin Tschumi, Ursula Steiner, Ursula Tschanz und Thomas Schärer musste – da 2014 auf drei Jahre gewählt – nicht bestätigt werden. Geehrt wurde anlässlich der Generalversammlung Philipp Merkt, vormalig bei der Credit Suisse, der viele Hände für einen jeweiligen CS-Helfertag zu Diensten der Vorstadt mobilisiert hatte. Fürs aktuelle Vereinsjahr hat der Vorstand bereits ein weiteres Projekt zur Quartieraufwertung im Köcher: So soll in Anlehnung an die jahrzehntelange Tradition von «Solothurn in Blumen» ein ähnliches Verschönerungsprojekt lanciert werden. Pflanzen, Pflanzkisten und Fixierungseisen sollen zu günstigen Konditionen an Hausbewohner und Mieter abgegeben werden, damit diese ihre Fenstersimse begrünen. Die Aktion, die dem aktuellen Urban Gardening auf der Kreuzackerbrücke ähnelt, soll unter dem Titel «Die Vorstadt liegt am Blumenmeer» lanciert werden und am 20. Juni anlaufen.

Kassierin Ursula Steiner vermeldete im Betriebsergebnis Einnahmen von 10 144 Franken und Ausgaben von 11 744 Franken. Das Minus von 1600 Franken erkläre sich hauptsächlich durch Neuanschaffungen beim Weihnachtsmarkt.

Grosse Überbauungspläne

Dank für Vergangenes und Ermutigung für Neues äusserte Stadtpräsident Kurt Fluri. «Die Entwicklung der Vorstadt wäre ohne Euren Verein nicht möglich.» Und: Komme bei den aktuellen Fusionsverhandlungen die Frage auf, wie sich künftige Ortsteile in der neuen Gemeinde einbringen könnten, so nenne er jeweils exemplarisch den Verein Pro Vorstadt. Im Einzelnen lobte er die Möblierung als «geniale Idee» und wies – wohl auch aufgrund der positiven Gemeinderechnung – spendabel darauf hin, dass bei Unterhaltsauslagen auch die Stadt etwas beisteuern könne. Ebenfalls verlieh er seiner Freude Ausdruck, dass sich der Chästag-Verein auch durch den vorgefallenen Kassendiebstahls nicht entmutigen lasse und den Anlass am 3. September wieder durchführt.

Schliesslich wies er auf die Häuserzeile südlich des Dornacherplatzes hin – und damit auf grosse Überbauungspläne, mit denen die Stadt selbst zur Aufwertung beitragen könnte. 2014 vergab die Gemeinderatskommission an einen externen Auftraggeber das Mandat, für die betreffenden sechs Gebäude und sieben Parzellen Überlegungen für eine Gesamtüberbauung anzustellen. Auf Anfrage teilte Fluri mit, dass zu hoffen sei, über den Zeithorizont der nächsten fünf bis zehn Jahre eine solche Überbauung zu realisieren. «Die Nutzung des Dornacherplatzes würde gesteigert, wenn dieser von vier Seiten ideal bebaut ist.» Ein Vorbehalt bleibt voerst: Von den sieben Parzellen gehören vier der Stadt, hinsichtlich der drei weiteren stehe man in Verkaufsverhandlungen. «Die Frage ist nicht, ob diese Überbauung kommt, sondern nur, wieviel sie kostet.»