Die Tür führt in den wohl internationalsten Raum der Stadt Solothurn: den Backstage der Kulturfabrik Kofmehl. Woche für Woche gehen hier Musiker und Künstler aus aller Welt ein und aus. Auf der Bühne toben sie sich aus, im Backstage ziehen sie sich zurück.

Oder feiern einen erfolgreichen Auftritt bis in die Morgenstunden. Es ist ein Raum voller Geschichten. Auch der Skandale? Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll? Für die meisten Kofmehl-Besucher bleibt seine Tür stets verschlossen. Was im Backstage geschieht, bleibt im Backstage.

Heute gewährt nun Johnny Sollberger Einblick. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er im Kofmehl, absolviert hier im letzten Lehrjahr eine KV-Ausbildung. «Im Moment läuft sehr viel», sagt er. Im Dezember sei Hochsaison für Konzerte.

Im Büro stapeln sich Ordner, Broschüren, Flyer, Plakate. Fast täglich gehen derzeit Veranstaltungen über die Bühne. Das bedeutet: Viel Organisation, viel Administration, lange Arbeitstage. Wenn andernorts die Büros schliessen, geht es im Kofmehl erst richtig los. «Oft bleibe ich am Abend auch noch hier – freiwillig. Es zieht einen einfach hinein», sagt Sollberger. Und dann helfe man gerne mit.

Ein Holztisch aus Bali

Bei strengen Tagen braucht die Kofmehl-Crew zwischendurch auch mal Erholung. Und diese finden sie im Backstage – sofern er nicht gerade von Künstlern belagert wird. Zumindest tagsüber wird der Raum, dessen Tür sich links oberhalb der Bühne befindet, zum Pausen- und Aufenthaltsraum. Und dieser bietet einiges: Sofas, Bartheke, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Töggeli- und Flipperkasten, eine Playstation sowie das Herzstück – ein grosser Holztisch.

Ein Rundgang durch den Backstage-Bereich der Kulturfabrik Kofmehl

Ein Rundgang durch den Backstage-Bereich der Kulturfabrik Kofmehl

Genauer: ein Tisch aus Teakholz. «Eigentlich ist das ja ein Unsinn», sagt Pipo Kofmehl, der sich nun dazugesellt hat. Aber ein ehemaliger Kofmehl-Mitarbeiter sei für die Hochzeitsreise nach Bali gereist und habe dort einen Schreiner kennen gelernt.

Dieser zimmerte den Tisch. Das war vor zehn Jahren. Genauso wie damals steht der Tisch noch heute im Backstage – und blieb unversehrt. Eigentlich keine Selbstverständlichkeit, vergegenwärtigt man sich, welch Hardcore-, Punk- und Metalbands, welch Rapper und Rocker sich an diesem Tisch schon den einen oder anderen Drink gegönnt haben.

Backstage voller Blut

Geht es also nicht sonderlich wild zu und her, im Kofmehl-Backstage? «Das Klischee der wilden Backstage-Partys trifft heute kaum noch zu», sagt Kofmehl. Die Künstler seien braver geworden. Und wollen normalerweise auch keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Auch Sollberger hat nie einen Künstler erlebt, der zu arg über die Stränge geschlagen habe. Die Erlebnisse seien eher positiv. Etwa als die irische Band «The Dublin Legends» im Oktober auftraten, spielten sie nach dem Konzert im Backstage einfach weiter.

Also geht es hinter den Kullissen eher langweilig zu und her? «Nein», das nicht, sagt Kofmehl. «Aber wir schauen auch, dass sich die Künstler bei uns wohl fühlen.» Dann aber erinnert sich der Kofmehl-Chef doch noch an eine Gruppe, die etwas übertrieben habe: Die britische Band «Demented Are Go» verwendeten in ihrer Show Theaterblut. Und damit spritzten sie auch im Backstage herum. «Eine riesen Sauerei zum Putzen.» Böses Blut gab es deswegen aber nicht.