Solothurn
Gewerkelt, gespielt, diskutiert und musiziert am Hausfest im Alten Spital

«Letztes Jahr, als wir zum ersten Mal ein Hausfest durchführten, hat es geregnet, da kamen viel mehr Menschen ins Haus.» - Das Publikum erschien wetterbedingt eher spärlich, kam aber trotzdem auf seine Rechnung.

Katharina Arni-Howald
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Hausfest altes Spital
24 Bilder
Schääri, Stei, Papier!
Unter fachkundiger Anleitung schaffen es alle nach oben
Reise durch die Kulturen - Station Tibet
Reise durch die Kulturen -Traditioneller albanischer Tanz
Nur nicht runtergucken
Mittendrin statt nur dabei
Michi Reinhard von karTON am teleFON
Leidenschaftliches Töggelen
Kathrin Müller zeigt den Kindern, wie es aussieht, wenn man etwas verhüehneret hat und intensiv danach sucht
Kathrin Müller und Michi Reinhard von karTON freuen sich auf ihren Auftritt
Hausfest Altes Spital 2014
Hausfest Altes Spital 2014
Hausfest Altes Spital 2014
Hausfest Altes Spital 2014
Hausfest Altes Spital 2014
Hausfest Altes Spital 2014
Gebannt lauscht Gross und Klein der Geschichte von Kater Goldschwanz und dem Bären
Gemütliches Miteinander beim Jenga Spiel
Die Besucher des Boulder-Schnupperkurses werden in das Klettern ohne Sicherung in Absprunghöhe eingeführt
Der Verlierer muss ins Schneegestöber
Boulder-Schnupperkurs im unter den Dächern des Alten Spitals
Der Gewölbekeller des Alten Spitals bietet eine schöne Kulisse für Veronika Medici's Figurentehater
Auch das Kinderschminken darf am Hausfest nicht fehlen

Hausfest altes Spital

Tina Dauwalder

«Ich, du, es, sie oder wir»? Ausländer und oft auch Schweizer tun sich schwer mit der deutschen Sprache. Das hat auch die interkulturelle Laiengruppe mit professioneller Unterstützung erkannt, die unter dem Namen «Der Grosse Deutsch-Lern-Zirkus» zurzeit zwischen Biel und Solothurn hin und her pendelt und auch am Hausfest im Alten Spital seinen Auftritt hatte. Die Botschaft: Mit Beats, Sounds und Tanz lässt sich besser Deutsch lernen. Vorprogrammierte Abstürze, grammatikalische Konfusionen und kulturelle Komplikationen bringen das Publikum im Grossen Saal zum Schmunzeln, das am Samstag allerdings nur spärlich im Oberen Winkel anzutreffen ist.

Nach einem Sommer zum Vergessen zieht der warme Herbsttag die Menschen ins Freie, was Eva Gauch mit Bedauern zur Kenntnis nimmt: «Letztes Jahr, als wir zum ersten Mal ein Hausfest durchführten, hat es geregnet, da kamen viel mehr Menschen ins Haus.» Zum Jammern hat die Chefin über das Haus an der Aare allerdings keine Zeit. Ihre Präsenz ist immer wieder gefragt. In den verschiedenen Räumen wird gewerkelt, gespielt, diskutiert, Musik gemacht, zugehört und Neues entdeckt. Es werden T-Shirts gedruckt, Schriftbilder erstellt, Geschichten erzählt, Bilder gekauft, Masken, Schmuck und Bälle gebastelt und Kontakte mit anderen Kulturen hergestellt.

Tee mit Salz aromatisiert

Ein bisschen niedergeschlagen wirkt Jeanne Stricker vom Tibeter-Verein, der sich seit August in einem Lokal im zweiten Stock eingemietet hat, «weil es in der Region etliche Tibeter gibt». Die Schweizerin, die mit einem Tibeter verheiratet ist, hätte gerne ein bisschen mehr Gäste gehabt, «aber es geht allen gleich». Bei der Bestellung macht sie darauf aufmerksam, dass im Tibet der Tee mit Salz statt mit Zucker aromatisiert wird. «Es gibt dort keine Zuckerrüben, aber Salzseen.» Alles nur Gewohnheitssache. Immerhin haben sich die Zirkus-Darsteller für einen Augenblick im Vereinslokal niedergelassen, und in der kleinen Küche ist man damit beschäftigt, tibetanische «Momos» herzustellen, die ihre Abnehmer vor allem in der Wandelhalle finden. Dort wirbt auch der Spanierverein für eine Paella, die bereits beim Anblick den Gaumen kitzelt. Doch das Alte Spital zeigt sich an diesem Tag nicht nur im kulinarischen Bereich bunt. Auch junge Frauen in traditionellen Trachten ziehen immer wieder den Blick auf sich.

Interaktiver Hausrundgang

Einer der sich mit seiner Familie um das schöne Wetter draussen wenig kümmert, ist Daniel Oetterli mit seiner Frau Brigitte und den Töchtern Jona und Svenia. Die beiden Kinder baden unter dem Dach in einer Ladung Sagex, die das Team aus dem Alten Spital «Schneegestöber» nennt. «Ich halte mich beruflich immer draussen auf, deshalb stört es mich nicht, einmal drinnen zu sein», sagt Daniel Oetterli und seine Frau findet, dass es für die Kinder einmal etwas ganz anderes sei, in dieser Art Schaum zu baden statt in der Badewanne. Die Mädchen wühlen zusammen mit ihrem Vater in den aufgeblähten Kunststoffperlen und befördern hie und da ein Holzstück zutage, auf dem «Solothurn» steht. Aus den auf verschiedenen Stationen des interaktiven Hausrundganges zusammengetragenen Lösungswörtern müssen sie am Ende einen Satz bilden, der durchaus eine Liebeserklärung an Solothurn sein kann. Viel Zeit hätten sie beim Bouldern verbracht, wo die Kinder dreimal hoch geklettert seien, meint Vater Oetterli und findet abschliessend, dass die Entdeckungsreise durch das Begegnungszentrum «super» gewesen sei und gespickt mit «vielen guten Ideen».

Aus dem Grossen Saal, wo der Deutsch-Zirkus gastierte, ertönt nun eine melancholische Frauenstimme. Die Bühne ist wieder frei für Künstler aus anderen Sparten, bevor am Abend die Jugend die verschiedenen Räumlichkeiten in Besitz nimmt. Doch auch die Älteren werden nicht ausgegrenzt: Abends um 23 Uhr sorgt DJ Mike mit Funk, Oldies, Pop und Soul der Siebziger- und Neunzigerjahre für einen schwungvollen Ausklang.