Solothurn

Getanzt wird auch über die nur zur Hälfte geöffneten Wengibrücke

Die Vorstädter Chilbi in Solothurn mit Wetterglück: Die Bruderschaft Sanctae Margarithae begann um 7 Uhr mit 11 Böllerschüssen. Danach ging vieles so ab, wie es das Ritual seit langem vorschreibt.

161 Brüder und Gäste genossen an der Vorstädter-Chilbi herrliches Sommerwetter. Im Andenken an die Schlacht von Dornach von 1499 betteten Festprediger Rolf Reimann, pensionierter christkatholischer Pfarrer (Biel), wie Festredner Ueli Augsburger, Berner Regierungsrat und Finanzdirektor 1986 bis 1994 (Bern), ihre Ansprachen in Festgottesdienst und Bruderschaftsmahl.

Um sieben Uhr begann mit elf Böllerschüssen die Chilbi mit dem Tagwachtschiessen. Die Blaskapelle Konkordia Solothurn unter der Leitung von Franz Gamper – identisch mit dem Bruderschaftsobmann – erfreute beim Dornacherbrunnen mit einem Morgenständchen.

Domkapellmeister Konstantin Keiser durfte nicht nur erstmals das neue Harmonium in der Alten Spitalkirche erklingen lassen, sondern begleitete mit dem Domchor St. Urs zugleich den Festgottesdienst. Festprediger Rolf Reimann, 1970 in Solothurn zum Priester geweiht, stellte eine Verbindung zur grossen Chilbi in Frankreich her, dem Nationalfeiertag «14 juillet». Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bilden das Gleichgewicht im wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und kirchlichen Zusammenleben. «Wer singt, betet doppelt», sinnierte Zelebrant Anton Cadotsch zum Schweizerpsalm.

Oltner Bruderschaft ist dabei

Der Besuch des Vorstandes, der Gäste und Neubrüder bei der Schwesterngemeinschaft im Bürgerspital zu Spittelwein und Hirzenhörnli von Schwester Antonia ging der Pfannenprobe der Krebsensuppe und dem Besuch der Vorstadt-Tavernen voraus.

Zum rituell geprägten Mahl im Festsaal im Alten Spital lud die vorstädtische Obrigkeit nicht nur die Moritzen-Bruderschaft aus Dornach ein. Erstmals waren die St. Martins-Bruderschaft aus Olten sowie im Gegenzug zur Einladung an den Berner «Zibelemärit» die Stadtschützen Bern mit dabei. Die Totenehrung für die zehn seit der letzten Chilbi verstorbenen Brüder und Schwestern und das Chilbi-Protokoll von Cancellarius Patrick Schwaller leiteten zur vaterländischen Ansprache von Ueli Augsburger über. Dieser übernahm kurzfristig für Fritz Gantert, der zum zweiten Mal absagen musste, diesmal aus familiären Gründen.

1266 Franken für einen Tanz

Der SVP-Politiker wählte die weitverbreitete Meinung, «die in Bern machen sowieso, was sie wollen» als Einstieg. «Die Demut vor dem Volk kennen sie nur vor den Wahlen, ansonsten ist den Politikern ihr Broterwerb wichtiger, und beides verbindend reden sie von einer Win-win-Situation», sagte Augsburger. Der Chilbi-Tag soll auch zum Nachdenken anregen, denn mit der Schlacht von Dornach erfolgte die Loslösung vom Deutschen Reich.

Heute vermisst Augsburger den Widerspruch, einen Aufschrei, wenn die USA als demokratische Weltmacht anderen demokratischen Ländern ihren Willen aufzwingen. «Man darf nicht erwarten, etwas herausholen zu können, wenn man ihnen so in die Hände spielt», sagt der Berner.

Nach dem Verlesen des Schlachtberichtes und dem Bruderschaftslied überliess Obmann Franz Gamper das Mikrofon Bieter Daniel Ritschard – der Vortanz wollte versteigert werden. Nach 1266 ersteigerten Franken durfte Rolf Jenni mit seiner Gattin Nicole zu den Klängen der Gebrüder Reber den festlichen Zug durch die Gassen und auf den Brückenhälften – die Wengibrücke war wegen der Sanierung unbeflaggt und nur in der östlichen Hälfte betanzbar – in der «Minderen Stadt» anführen.

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