Immer mehr Touristen und Einheimische gönnen sich eine Stadtführung durch die malerischen Gassen der Altstadt. Sie lassen sich Geschichten erzählen über längst vergangene Zeiten, lernen den Charme der schönsten Barockstadt der Schweiz kennen und bestaunen Sehenswürdigkeiten, die oft auch im Verborgenen liegen.

Gut 1400 Stadtführungen verzeichnet Region Solothurn Tourismus pro Jahr. Um dieses Soll erfüllen zu können, steht dem Tourismusbüro ein gut ausgebildetes Corps von durchschnittlich 40 Stadtführerinnen und Stadtführern zur Verfügung. Alle drei Jahre wird ein neuer Ausbildungslehrgang angeboten. Das Ziel dieses Angebots ist, rund 15 Ausgewählten die Geschichte von Solothurn anhand ausgewählter Themen theoretisch näher zu bringen und durch einen Anschauungsunterricht am Objekt zu ergänzen. «Wir rechnen mit rund zwei Rücktritten pro Jahr», weiss die Verantwortliche Carina Ruchti, die im Rittersaal des Von-Roll-Hauses zusammen mit dem Direktor von Region Solothurn Tourismus, Jürgen Hofer, rund 40 Interessierte begrüssen konnte.

Tourismusdirektor Jürgen Hofer interviewt Claudia Sollberger, die von ihren eigenen Erfahrungen als Stadtführerin berichtet.

Tourismusdirektor Jürgen Hofer interviewt Claudia Sollberger, die von ihren eigenen Erfahrungen als Stadtführerin berichtet.

Wie diese bald feststellten, ist die Ausbildung vielversprechend, aber auch anspruchsvoll. Gesucht werden Persönlichkeiten mit ausgeprägtem geschichtlichem Interesse und Freude am Vermitteln von historischen und kulturellen Fakten und Zusammenhängen. Zum Anforderungsprofil gehören aber auch ein gepflegtes Auftreten, ein didaktisches und methodisches Geschick sowie die Verfügbarkeit während der Woche und am Wochenende, ein Wohnsitz in Solothurn und Umgebung und die Bereitschaft sich weiterzubilden. «Von Vorteil ist auch das Beherrschen einer oder mehrerer Fremdsprachen», wie Hofer betonte.

«Ich liebe Begegnungen!»

Wer allerdings hofft, von den Einkünften der schätzungsweise 30 bis 40 Einsätzen pro Jahr leben zu können liegt falsch. Es braucht eine gute Portion Idealismus, Motivation und Freude, um als Botschafterin oder Botschafter für die schönste Barockstadt tätig zu sein. All das beflügelte Claudia Sollberger vor drei Jahren Stadtführerin zu werden. «Ich liebe Begegnungen mit verschiedenen Menschen und bin glücklich, wenn ich den Gästen zeigen darf, was unsere schöne und lebendige Stadt alles zu bieten hat.» Bereichernd an dieser Aufgabe sei aber auch, dass man die Freiheit habe, die Führungen nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und kreativ zu sein.

Max Wild, selbst Stadtführer und Mitverantwortlicher für den Ausbildungslehrgang, liess durchblicken, dass Stadtführungen zwei Seiten haben und nicht immer ein «Honiglecken» sind. «Wir haben es nicht nur mit aufmerksamen Zuhörern zu tun, sondern auch mit Störefrieden, Gelangweilten, Besserwissern und neu auch mit unangenehm auffallenden Handy-Usern. Letzteres entlockte auch dem Tourismusdirektor ein Lächeln. «Am besten schenkt man ihnen nicht zu viel Aufmerksamkeit», war Jürgen Hofers Fazit.

«Soll ich oder soll ich nicht?»

Die Fragerunde drehte sich vorwiegend um die Verfügbarkeit, die einigen Kopfzerbrechen zu verursachen schienen und dem Anschein nach nicht mit allen Berufen zu vereinbaren sind. «Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich bewerben soll», gab eine Interessentin zu bedenken. Nebst der Verfügbarkeit müsse man sich trotz Freude an Kultur und Geschichte und der Begegnung mit Menschen bewusst sein, dass es sich um ein engagiertes Hobby mit viel Vorbereitungszeit handle. Sie war nicht die Einzige, die es sich zu Hause im stillen Kämmerlein noch überlegen wollte. So auch die junge Lehrerin, die gerne etwas anderes erleben möchte als den Schulalltag und das tägliche Vermitteln von Schulwissen.

Es dürfte interessant sein, wie viele Bewerbungsschreiben nun bei den Verantwortlichen von Region Solothurn Tourismus eingehen werden. Fest steht, dass die Organisation nicht nur in der Hochsaison von August bis Oktober alle Hände voll zu tun hat. Im laufenden Monat sind es bis zum heutigen Zeitpunkt gut 50 Stadtführungen, die von den derzeitigen Stadtführern abgedeckt werden müssen. Dabei handelt es sich vor allem um Teilnehmer an Jahresschlussessen, die nebst der Befriedigung des Gaumens auch kulturell etwas geniessen möchten.