Solothurn
Gesucht: Firmen, die sich für die International School engagieren

International School Fraisa-Chef Josef Maushart sieht einen wesentlichen Erfolgsfaktor der Privatschule in einer breiten Verankerung innerhalb der Solothurner Wirtschaft.

Elisabeth Seifert
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Die International School an der Zuchwilerstrasse in Solothurn: Die Schule hat jetzt drei Jahre Zeit, sich auf dem Solothurner Bildungsmarkt zu bewähren.

Die International School an der Zuchwilerstrasse in Solothurn: Die Schule hat jetzt drei Jahre Zeit, sich auf dem Solothurner Bildungsmarkt zu bewähren.

Hanspeter Bärtschi

Es geht vorwärts mit der Wiederbelebung der International School Solothurn AG (ISSO). Ein Radiospot wirbt um neue Schülerinnen und Schüler für die Privatschule an der Zuchwilerstrasse. Demnächst wird der neue Geschäftsführer oder die neue Geschäftsführerin bekannt gegeben. «Wir konnten aus über 40 Bewerbungen auswählen, darunter hervorragend qualifizierte Kandidaten», sagt Josef Maushart nicht ohne Stolz. Der Fraisa-Chef und Präsident des Industrieverbands Solothurn und Umgebung (Inveso) ist im März gleichsam über Nacht zum Retter der ISSO avanciert.

Als im Winter gleich 15 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Gründen die Schule verliessen, geriet diese in eine existenzbedrohende Schieflage. Dies, nachdem die Schule seit ihrer Gründung 2009 wirtschaftlich nie so wirklich auf Kurs gekommen war – trotz einer nicht unwesentlichen Unterstützung durch die kantonale Wirtschaftsförderung. Zurzeit zählt die ISSO 36 Schüler. Fürs nächste Schuljahr definitiv angemeldet sind bereits 31 Kinder und Jugendliche, «32 schaffen wir sicher, ich hoffe aber auf 35 Schüler».

Eigenkapital ist vollständig weg

Josef Maushart ist zuversichtlich, dass die Internationale Schule längerfristig Bestand haben wird. Der Weg in eine erfolgreiche Zukunft ist allerdings mit etlichen Stolpersteinen gepflastert. «Der Turnaround ist anspruchsvoll», weiss der Inveso-Präsident sehr genau. Neben ersten Marketing-Massnahmen und der Rekrutierung einer neuen Geschäftsleitung hat eine Treuhandfirma aus der Region in den vergangenen Wochen die Bücher der ISSO unter die Lupe genommen. Erleichtert ist Maushart darüber, dass die Buchprüfer «eine tadellos geführte» Administration vorgefunden haben. Auch die Entschädigungen für die beiden bisherigen Geschäftsführer seien eher tief angesetzt gewesen. Verwaltungsratshonorare wurden überhaupt keine gezahlt.

Andererseits haben die Treuhänder eine bereits leicht überschuldete Bilanz zutage gefördert. Und das heisst im Klartext: Das ursprüngliche Eigenkapital in der Höhe von 300 000 Franken ist vollständig aufgezehrt. Zunächst hatte Maushart noch gehofft, dass die bisherigen Aktionäre nur auf einen – wenn auch massgebenden – Teil des Aktienwertes verzichten müssen. «So wie sich die finanzielle Situation jetzt präsentiert, braucht es aber einen vollständigen Kapitalschnitt.» Anfang dieser Woche hat der Fraisa-Chef denn auch allen bisherigen Aktionären ein Schreiben mit einem entsprechenden Antrag verschickt. Alle Aktieninhaber, so Maushart, haben ihren Verzicht auf das eingebrachte Geld bereits explizit erklärt.

Ähnlich lautende Briefe gingen in diesen Tagen auch an die Geber von Darlehen. Neben den beiden bisherige Geschäftsführern Marianne und Andreas Boll, welche bereits den Verzicht auf ihr Darlehen von 60 000 Franken erklärt haben, trifft es den Kanton Solothurn. Dieser hat der Schule seinerzeit ein Darlehen von 120 000 Franken gewährt. Einen Teil davon hat die ISSO bereits zurückgezahlt, 80 000 Franken aber sind noch ausstehend – und werden es wohl auch bleiben. Ob der Kanton auf dieses Geld verzichten wird, ist zurzeit allerdings noch unklar. Den Entscheid wird die Regierung wohl Ende Juni fällen. Nur wenn die bisherigen Geldgeber auf ihre Forderungen verzichten, mache es für neue Kapitalgeber Sinn, in die bestehende Schule zu investieren, so Maushart.

Aktionariat soll demnächst stehen

Gleichzeitig mit dem Kapitalschnitt steht die Rekapitalisierung der International School Solothurn AG an. Um auf der sicheren Seite zu stehen, soll die ISSO neu mit einem Eigenkapital von 500 000 Franken ausgestattet werden. «Damit haben wir eine gute Basis und genügend Reserven, um die nächsten Jahre die Qualität der Schule zu garantieren und weiter zu entwickeln.» Erklärtes Ziel des Inveso-Präsidenten ist es dabei, die Schule in der Wirtschaft möglichst breit zu verankern. Rund 20 Firmen hat er diese Woche als potenzielle Neuaktionäre angeschrieben. «Die Idee ist es, mindestens zehn Firmen zu finden, die sich mit je 30 000 Franken beteiligen.» Mit im Boot sind bereits die beiden Solothurner Unternehmer Ivo Bracher (Bonainest AG) sowie Adrian Flury (Arthur Flury AG), die sich beide schon bisher an der ISSO beteiligt haben. Maushart selber will 200 000 Franken aus der privaten Familien-Holding einbringen. Zudem hat er der Schule bereits ein Darlehen von 100 000 Franken gewährt, um kurzfristig die Liquidität sicherzustellen. Bis Ende nächster Woche bereits soll das neue Aktionariat stehen; so zumindest lautet das durchaus ehrgeizige Ziel. Die Generalversammlung ist für Anfang Juli vorgesehen, einschliesslich der Wahl des Verwaltungsrates.

Den Investoren aus der Wirtschaft hat der Inveso-Präsident dabei nicht einfach die Rolle als Geldgeber zugedacht. «All jene, die nicht im Verwaltungsrat vertreten sind, sollen sich innerhalb einer Begleitgruppe aktiv einbringen können.» Zudem sind auch die Personalabteilungen der Firmen aufgefordert, die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden anzumelden. Maushart: «Mein wichtigstes Ziel ist es, die sich wandelnden Bedürfnisse der Eltern schnell zu erkennen und mit dem Angebot der ISSO best möglich abzudecken.» Diese Einbindung der Wirtschaft erachtet der Fraisa-Chef als wesentlichen Erfolgsfaktor der Schule.

Drei Jahre will Maushart der neu aufgestellten ISSO jetzt Zeit geben, um sich auf dem Bildungs-Markt zu bewähren. «In diesen Zeitraum muss die Schule den Nachweis erbringen, dass ein echter Bedarf dafür besteht und dass sie kostendeckend arbeiten kann.» Eine anspruchsvolle Vorgabe. Zu schaffen sei dies mit 50 bis 55 Schülern pro Jahr. Das Potenzial der Schule sieht er bei 70 his 100 Schülern.