Solothurn

Gesichtsmasken aus dem Atelier: Wie eine Schneiderin versucht die Krise zu überbrücken

Christine Schönbächler ist Schneiderin in Solothurn. Zur Überbrückung der Krise verkauft sie Gesichtsmasken.

Christine Schönbächler ist Schneiderin in Solothurn. Zur Überbrückung der Krise verkauft sie Gesichtsmasken.

Die verbleibenden Aufträge reichen der Schneiderin Christine Schönbächler noch bis Anfang April. Danach weiss sie nicht mehr weiter. Auf Empfehlung einer Ärztin verkauft sie nun aber Gesichtsmasken aus Leinen.

Das sei nicht ihre liebste Arbeit, sagt sie. «Ich würde schon lieber an einem schönen Seidenrock arbeiten.» Sie schmunzelt. Christine Schönbächler ist Schneiderin mit einem Atelier in der St. Urbangasse in Solothurn, der «Création Christine». Normalerweise widmet sich die 59-Jährige dort massgeschneiderter Damen- und Herrenmode. Wegen dem Virus aber steht im Atelier die Zeit seit dem 17. März still. Mindestens einen Monat lang. «Wenn mir letztes Jahr jemand gesagt hätte, dass das geschehen wird, hätte ich ihm nicht geglaubt.» Gemeinsam mit ihrer Lehrtochter Andrea Hufschmid näht Schönbächler nun Gesichtsmasken. Eine sinnvolle Überbrückung der ausserordentlichen Zeit, wie sie findet. Obwohl sie ihr eigentliches Handwerk vermisst.

Auf die Idee brachte sie eine Kundin. Sie sei Ärztin und habe ihr empfohlen Gesichtsmasken zu nähen. Die würden nun dringlich gebraucht. Kurz darauf schaltet Schönbächler mit der Hilfe von Familie und Freunden einen Onlineshop auf: gesichtsschutz.ch. Die Masken, die sie dort vertreibt, sind wiederverwendbar und bestehen aus doppellagigem Leinenstoff. «Leinen ist sehr strapazierfähig, langlebig und bei mindestens 60 Grad waschbar. Das tötet die Keime ab», sagt sie. Es sind also offiziell keine medizinischen OP-Masken. Dafür braucht es eine Zertifizierung. Schönbächler habe aber ein Muster ihrer Masken an ein Testlabor in Spiez geschickt, um sie auf ihre Tauglichkeit zu testen. Eine Antwort ist noch hängig.

«Mit diesen Preisen kann ich nicht mithalten»

Ein Dreierpack der Leinenmasken von Schönbächler ist ab 59 Franken erhältlich. Das brachte ihr bereits zynische Kommentare auf Facebook ein: Zu teuer finden die Nutzer. Es bringe ohnehin nichts. «Ich brauche doppellagiges, wertvolles Leinen», verteidigt die Schneiderin ihre Preise. Und schliesslich seien sie alle handgemacht und das brauche Zeit. «Ich möchte in dieser Übergangszeit einfach etwas Gutes machen.» Und das kleine zusätzliche Einkommen könne sie im Moment gut gebrauchen. Zurzeit herrsche aber ohnehin Stillstand in der Maskenproduktion. Der erhoffte Absatz erweist sich schwieriger als erwartet. «Unserer Gesellschaft sind solche Masken fremd», erklärt sich Schönbächler den Umstand. 100 habe sie bisher produziert. 60 davon habe ein lokales Sicherheitsunternehmen abgenommen. Etwa 40 sind weiterhin auf Lager. Auch wegen der wieder steigenden maschinellen Produktion von medizinischen Gesichtsmasken gehen ihre Produkte zunehmend unter. «Mit diesen Preisen kann ich nicht mithalten.»

So arbeitet sie gemeinsam mit ihrer Lehrtochter an Aufträgen, die noch vor der Krise eingegangen sind. Viele Bestellungen von Hochzeits- oder Sommerkleidern sind jedoch storniert worden. Neue kommen keine rein. Mit den Aufträgen, die ihnen geblieben sind, werden die beiden noch voraussichtlich bis anfangs April beschäftigt sein. Wie es danach weitergeht, weiss Schönbächler auch nicht. Alle Fixkosten laufen weiter ebenso wie ihre Verpflichtung gegenüber ihrer Lernenden. Selbst wenn die Krise überwunden ist, werde es lange dauern bis wirklich Normalität einkehrt, befürchtet die Schneiderin. Sie versucht trotz der allgemeinen Situation optimistisch zu bleiben. «Ich nehme alles, so wie es kommt.»

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