«Ich finde, heute nach all den Jahren, nehmen wir das alles lockerer, sind freier und entspannter. Wir profitieren von unserer grossen Bühnenerfahrung und noch immer trägt uns die Leidenschaft fürs Singen.» Das sagt Margreth Biberstein, die Zweitjüngste der vier singenden Schwestern und fügt an, dass Lampenfieber beim Auftritt auch nach 40 Jahren immer noch mit dabei ist.

Wir treffen uns in ihrer Weingalerie am Klosterplatz 9 in Solothurn. Hier ist eine von ihnen jeden Mittwoch-, Donnerstag- und Freitagnachmittag und am Samstag über den Mittag anzutreffen. Hier gibt es feine Weine und Destillate aus dem Tessin, «und zwar nur von kleinen Winzern, die wir persönlich kennen», betont Ruth, die Älteste. Beim Gespräch mit dabei ist auch Marie-Louise. Die Jüngste, Dorli, konnte sich leider berufsbedingt nicht frei machen.

Geschwister Biberstein: Solothurner Lied

Geschwister Biberstein: Solothurner Lied

Ja, wie schafft man es, 40 Jahre lang gemeinsam und ohne Meinungsverschiedenheiten eine Bühnenkarriere durchzuziehen? Ruth, welche die organisatorischen Fäden in der Hand hält, holt aus. «Ich denke, das hat damit zu tun, dass wir Schwestern sind. Wir haben schon als Mädchen gerne gesungen. Unsere Mutter munterte uns auf mit dem Satz: ‹Chumm, mir wei chli liede›».

In einem Bauernhof in Hubersdorf sind die vier zusammen mit zwei Brüdern aufgewachsen. «Bei uns ging es neben der Arbeit immer gesellig zu», erinnert sich Margreth. Ihre Mutter und ihr Vater seien sehr offene und tolerante Persönlichkeiten gewesen.

Mit dem Singen zu Hause habe eigentlich alles angefangen, berichten die drei. Zunächst kamen Freunde oder Verwandte in den Genuss ihrer Gesangskünste. «Da hat uns unser Vater dann schon mal gerufen, wenn irgendwo ein spontanes Fest oder ein Geburtstag stattfand. ‹Meitschi, chömet cho singe›», hiess es dann.

Doch bei einem Jekami-Wettbewerb in der Ostschweiz 1976 seien sie dem Trio-Eugster-Mitglied Alex aufgefallen und der nahm die vier unter seine Fittiche. «Das hat uns natürlich sehr viel gebracht», berichtet Marie-Louise. 1979 wurde eine erste Langspielplatte produziert. Es wurden immer mehr Auftritte, die Bühnen entsprechend grösser.

«Bis heute das grösste war unser Auftritt beim Grand Prix der Volksmusik im Hallenstadion Zürich 1988», erklärt Ruth. Mit ihrem von Carlo Brunner komponierten und produziertem und von Charles Lewinsky getexteten Hit «So en Tag» landeten die Geschwister Biberstein auf dem 3. Platz.

Geschwister Biberstein - So ein Tag (1988)

Geschwister Biberstein - So ein Tag (1988)

Die Familien waren wichtig

Ein international beachteter Erfolg, und doch wechselten die vier nie ganz ins Profilager. Warum eigentlich? «Ich hatte da schon einen dreiwöchigen Buben zu Hause», sagt Margreth. Und Dorli sei frisch schwanger gewesen. «Wären wir Männer gewesen, hätten wir das eher probiert», sagt Ruth. «Doch uns war ein harmonisches Familienleben halt auch sehr wichtig.»

Trotzdem haben die Geschwister Biberstein im Lauf ihrer Bühnenkarriere vieles erlebt und so manche Reise getätigt. In Mallorca, Melbourne, auf Kreuzfahrten sind sie aufgetreten und überall im deutschsprachigen Raum unterwegs.

«Wie oft haben wir uns über Strassenkarten gebeugt, um die richtige Ortschaft zu finden», sagen sie heute und lachen. Jede von ihnen sei etwas anders im Temperament, betonen sie. Doch alle vier stehen sehr gerne auf der Bühne. Ruth moderiert die Auftritte, Margreth steht schon mal auf einen Tisch und führt eine Polonaise zwischen den Bierkrügen an. Marie-Louise und Dorli sind eher die ruhigeren Pole. «Man erlebt vieles als Stimmungskanone», schmunzelt Margreth. Ihre Schlagfertigkeit und ihr gesunder Humor hätten ihr schon oft geholfen.

Noch nie verleidet

Bei aller guter Laune, die sie mit ihren Liedern verbreiten wollen, sei ihnen aber die Qualität ihres Gesanges immer das Wichtigste gewesen.

«Da haben wir die Messlatte immer hoch angesetzt.» Auch ihrem Stil, Schweizer Mundartschlager, Melodien aus Schweizer Filmen und Musicals und viele traditionelle Lieder, seien sie immer treu geblieben. «Uns ist das nie verleidet und unser Publikum hört diese Sachen halt am liebsten».

Der Terminplan der vier ist dieses Jahr ziemlich angefüllt. Sie heben ihre Auftritte in Alters- oder Pflegeheimen hervor, wo sie sehr gerne hingehen. «Es ist jedes Mal schon ergreifend, wenn an Demenz leidende Personen sich plötzlich an alte Melodien erinnern und beginnen, mit uns zu singen», berichtet Ruth. «Und im Dezember gibt es Weihnachtskonzerte mit Fernando von Arb.»

Und was wünschen sie sich noch für ihre Karriere? Dass es noch lange so weitergeht, sagen sie einhellig. Marie-Louise setzt noch hinzu: «Ich würde gerne mal bei einer Drei-Seen-Fahrt auf der ‹Siesta› auftreten. Wer weiss, vielleicht kommt so was mal zustande».

Der nächste Auftritt steht jedenfalls schon dieses Wochenende an: An der Gwärbschau-Bärgschau auf dem Montpelon in Gänsbrunnen, werden die Geschwister ihr Können zeigen.