Solothurn
Geschenk-Boutique Novum hört auf, bevor es zu spät ist

Mit «Novum» verschwindet ein weiteres Traditionsgeschäft in der Solothurner Altstadt. Ende Mai ist Schluss.

Wolfgang Wagmann
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«Novum», die Geschenk-Boutique am Friedhofplatz ist ab Ende Mai Geschichte.

«Novum», die Geschenk-Boutique am Friedhofplatz ist ab Ende Mai Geschichte.

Wolfgang Wagmann

«Do chönnt me äuwä no es Schnäppli mache!» Die zwei Damen mittleren Alters haben die Beschilderung «Totalausverkauf» und «20 Prozent» sehr wohl bemerkt. Doch nach wenigen Minuten verlassen sie die Geschenkboutique Novum am Friedhofplatz ohne Einkauf.

Der Laden ist aber an diesem trüben Nachmittag gut frequentiert. «Seit ich runtergeschrieben habe, mache ich gute Umsätze», erzählt Geschäftsinhaberin Marianna Höhle. Doch vorher war es eben anders gewesen. Und darum gibt sie nach 12 Jahren in Solothurn ihr Geschäft auf Ende Mai auf. «Lieber rechtzeitig als zu spät», wie sie etwas bitter anmerkt.

«Und dann kam der Euro»

Angefangen habe es im Dezember 2014. Da seien die Umsätze schon spürbar rückläufig gewesen. «Und dann kam der Euro», erinnert die Geschäftsfrau an die Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses Mitte Januar 2015. Dieser Faktor sei einer, dass das letzte Jahr so schlecht gelaufen ist und sie sich zum Aufhören entschlossen hatte. Sie wisse von Bekannten in der Innerschweiz, die regelmässig zum Einkaufen nach Deutschland fahren würden. «Dabei sparen die doch gar nichts», ereifert sich Marianna Höhle.

Was ihr auch zusetzt: Die Leute kämen ins Geschäft, schauten sich die Produkte an, um sie dann im Internet zu bestellen. Und: «Die Jungen haben andere Interessen», verweist sie auf das schwindende Interesse an traditionellen Einrichtungsartikeln wie hochwertiger Glasware und der zunehmenden Sorge, überhaupt noch etwas im Laden zu haben, was die Kundschaft anspricht. Da sind Kunden, wie der Herr «in Schale», der angesichts des heftigen Regens einen der zwei letzten «Knirpse» im Geschäft erwirbt, ein schwacher Trost.

«Solothurn ist schön»

An Erfahrung fehlt es Marianna Höhle wahrlich nicht. 29 Jahre war sie im Detailhandel als selbstständige Geschäftsinhaberin tätig, 16 Jahre davon zuvor in Biel. Nein, auch am Standort Friedhofplatz liege es nicht, der sei schon okay, genauso wie der Mietzins für die rund 90 Quadratmeter Verkaufsfläche, meint die «Novum»-Betreiberin. «Auswärtige Kundinnen betonen immer wieder, wie schön doch Solothurn sei und wie viele interessante, kleine Lädeli es hier gebe.» Doch neben der rückläufigen Umsatzentwicklung sieht sie einen weiteren Grund, das Handtuch zu werfen: Der Aufwand, das Geschäft überhaupt am Laufen zu halten, sei enorm geworden.

Zwar müsse sie noch zehn Jahre auf das Pensionsalter warten, doch selbstständig geschäften, «das will ich nicht mehr», ist sich Marianna Höhle sicher. Etwas machen, das werde sie sicher noch, doch vorerst einmal gelte es, die Geschäftsaufgabe sauber zu regeln, denn betroffen sind auch zwei Mitarbeiterinnen. «Und es gibt noch so viel Kundschaft mit Gutscheinen», macht sie auf ein weiteres Problem aufmerksam.

Um ein weiteres muss sie sich allerdings nicht mehr gross kümmern: Nach ihrem Auszug wird sich an ihrem Standort «Lila» einmieten. Das kleine Geschäft an der Goldgasse verkauft «Schöne Dinge» – wie es die jetzige Mieterin mehr als ein Jahrzehnt am Friedhofplatz getan hat.

«Ja früher», seufzt die Noch-Geschäftsfrau, «da hat es hier einige sehr gute Jahre gegeben.»

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