Stadt Solothurn
Geschäft bietet Behinderten Raum für Produktion und Verkauf ihrer Produkte

Mitten in der Stadt Solothurn wird eine Geschäft eröffnet in dem 13 Behindertenorganisationen ihren Schützlingen Arbeit und Tagesstruktur anbieten. Die Bewohner können dort ihre Produkte produzieren, ausstellen und auch verkaufen.

Wolfgang Wagmann
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Das Projektteam von «Heimart» (v. l.) Eliane Lorétan (Solothurnisches Zentrum Oberwald), Peter Schnetz (Leiter Werkstatt Solodaris), Rita Flury (Discherheim) und Patrick Marti (Geschäftsleiter Rodania).

Das Projektteam von «Heimart» (v. l.) Eliane Lorétan (Solothurnisches Zentrum Oberwald), Peter Schnetz (Leiter Werkstatt Solodaris), Rita Flury (Discherheim) und Patrick Marti (Geschäftsleiter Rodania).

Wolfgang Wagmann

Geschäftiges Treiben herrschte diese Tage an der Ecke Stalden - Gerberngasse. Die zweistöckige Lokalität wurde zu einem ganz besonderen Geschäft eingerichtet: 13 Behindertenorganisationen bieten ihren Schützlingen in «Heimart» Arbeit und eine Tagesstruktur an. Peter Schnetz, Leiter der Solodaris-Werkstätte, erinnert sich an die Anfänge: «Vor fünf Jahren starteten wir mit der Weihnachtsausstellung Heimart in der Säulenhalle, letztes Jahr war sie bereits auf 17 Aussteller angewachsen.

Sie machen mit

Folgende 13 Institutionen unterstützen das Ladenprojekt Heimart auch finanziell: die Alte Schmitte Lohn, die Sozialtherapeutische Einrichtung Bueche Lostorf, das Blumenhaus Buchegg, die Stiftung Arkadis in Olten, das Netzwerk Grenchen, Pro Infirmis Aargau-Solothurn, die Sonnhalde Gempen, die Haushaltungsschule Theresiahaus des Seraphischen Liebeswerks Solothurn und die Stiftung Cerebral in Bern. Sie alle gehören zur Insos Schweiz und der Solothurner Kantonalgruppe der Insos, die 3000 Menschen mit einer Behinderung Arbeit, eine Tagesstruktur sowie ein Zuhause bieten und ihnen ermöglichen, eine Integrationsmassnahme oder eine Berufliche Massnahme zu absolvieren. Die Arbeitsgruppe Insos Ladenprojekt besteht aus Patrick Marti, Geschäftsleiter Rodania Grenchen, Rita Flury, Gruppenleiterin Beschäftigung im Discherheim Solothurn, Res Mader, Leiter Werkstätte Solothurnisches Zentrum Oberwald in Biberist, und Peter Schnetz, Leiter Wärchstatt Wyssestei der Solodaris Stiftung Solothurn. (ww)

Wir dachten bald einmal, es wäre cool, wenn so etwas ganzjährig möglich würde.» Also steckten Vertreter der verschiedensten Behindertenorganisationen ihre Köpfe zusammen (vgl. Kasten), um ein geeignetes Lokal in der Vor- oder Altstadt zu suchen.

Das Ziel: Es sollte einen gemeinsamen Auftritt von Heimbewohnern vom Montag bis Samstag ermöglichen. «Wir haben über zwei Jahre lang gesucht, bis wir hier am Stalden ein geeignetes Ladenlokal gefunden hatten», so Schnetz.

Integrieren statt kasernieren

«Unsere Institutionen sind peripher gelegen. Wir wollen diesen Schritt für die Integration unserer Bewohner machen und damit Berührungsängste zu behinderten Menschen abbauen», zeigt Patrick Marti, Geschäftsleiter Rodania, die Motivaation auf, das Projekt «Heimart» zu wagen.

«Jede Institution hat 5000 Franken beigesteuert, um das erste Geschäftsjahr abzusichern. Dazu wollen wir 200 000 Franken möglichst mit Spenden generieren, um die Investitionen decken zu können.»

Beispielsweise in den Einbau eines Lifts oder eines Behinderten-WCs, die das Haus erst behindertengerecht machen.» Denn eines ist für Marti klar: «Das Behindertengleichstellungsgesetz wurde zwar angenommen, aber verglichen mit anderen Ländern sind wir noch nirgends. So ist die ganze Grossstadt Barcelona behindertengängig.»

Verkauf, Ausstellung, Produktion

Betreut durch eine vierköpfige Ladengruppe werden im Parterre rund zehn Personen von Solodaris die Produkte der Institutionen, vor allem Geschenkartikel, verkaufen. «Solodaris trägt zwei Drittel des gesamten Projekts», erklärt Peter Schnetz, die anderen zwölf beteiligten Institutionen werden im Obergeschoss jeweils einen Monat lang mit bis zu acht Personen in der Produktion arbeiten.

Er weiss: «Die Leute sind stolz auf ihre Arbeit.» Oben stehe auch eine Küche mit Aufenthaltsraum für die Beschäftigten zur Verfügung, während unten eine Teestube Kontakte zwischen den Ladenbesuchern und-betreibern ermöglicht. Auch Ausstellungen seien geplant, dazu Aperos, Vorträge, Musikabende oder Spielnachmittage für Grosseltern mit ihren Enkeln.

Ein Hauslieferdienst für Gewerbetreibende und Kunden sowie eine Reparaturwerkstatt für defekte Gegenstände komplettieren das «Heimart»-Angebot. Dabei greifen die Initianten auch auf ihre breite Erfahrung an verschiedenen Messen wie der HESO und MIA oder an den Wochen- und Monatsmärkten zurück.

Eine Konkurrenz zum städtischen Gewerbe sehen weder Peter Schnetz noch Patrick Marti - im Gegenteil: Die Initianten sind überzeugt, dass «unser Einsatz an diesem Standort positive Auswirkungen auf die Stadt hat.»

Geöffnet Montag bis Freitag von 9 bis 18.30 Uhr, Samstags von 9 bis 16 Uhr

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