Im Büro von Willy Reinmann schrillt das Telefon in regelmässigen Abständen. Es lässt kaum vermuten, dass die Zeiten für den Geschäftsführer der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn SGSo bald ruhiger werden. Doch der 66-Jährige tritt in den nächsten Wochen im fliessenden Übergang in den Ruhestand und überlässt das Feld und auch die Geschäftsstelle an der Biberisterstrasse seiner Nachfolgerin Caroline Spillmann. Fünf Jahre hat er geamtet – als Anlaufstelle für Gewerblersorgen, als Sekretär, als Mittelbeschaffer für SGSo-Aktivitäten, als Repräsentant, Problemlöser, Werber und Webmaster. Ein nicht zu unterschätzender Teil bestand ausserdem aus der Bewirtschaftung der Reithalle im Auftrag der Rythalle AG.

Blitzableiter und Vermittler

Bis 1990 als Oberstufenlehrer tätig, arbeitete Reinmann anschliessend während zehn Jahren auf dem Amt für Kultur und Sport in der Abteilung Sport, war danach bis 2004 als Geschäftsführer von Lenk-Simmental Tourismus tätig, bevor er Stellvertreter-Einsätze als Lehrer übernahm. 2009 schliesslich folgte die Übernahme der Geschäftsstelle der neu fusionierten Stadt- und Gewerbevereinigung im Mandatsverhältnis. Zuvor war er rund zwei Jahre lang ehrenamtlich für den Gewerbeverein tätig gewesen. Ursprünglich vorgesehen war ein Pensum von 60 Prozent, bis Reinmann von sich aus eine Reduktion auf 50 Prozent vorschlug. Mittlerweile ist aber der Arbeitsaufwand wieder grösser geworden, weil die Bewirtschaftung der Reithalle zum Aufgabenbereich hinzukam. Und selbst wenn die Geschäftsstelle keine eigentlichen Öffnungszeiten hat: «Ich bin auf dem Handy für die Anliegen der Gewerbetreibenden rund um die Uhr erreichbar.» Sei es als Infostelle, als Blitzableiter oder als Vermittler.

Apropos Vermittler: Einen Leitspruch könnte Reinmann nach fünf Jahren in einen goldenen Rahmen fassen: «Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.» Ein Thema, das ihn in dieser Zeit mehr beschäftigte, als ihm lieb war, war die Harmonisierung der Ladenöffnungszeiten. Sein Wunschziel: rund 80 Prozent deckungsgleiche Öffnungszeiten. Oder als marketingwirksame Vision: «Einkaufen im Barockstil». Die Altstadt als Analogie zum Einkaufscenter, dessen Pforten zu einem festgelegten Zeitpunkt aufgehen und dessen Öffnungszeiten für alle Mitstreiter verbindlich sind. Zur Debatte standen jeweils der Montagmorgen und die Mittagszeit. Weiter wurden oft eine zusätzliche Einkaufsstunde am 24. und 31. Dezember sowie Sonntagsverkäufe thematisiert, an denen der gesamte Gewerbefächer teilnimmt – oder eben: teilnehmen sollte. Erfolge verbucht Reinmann bei jenen rund zehn Geschäften, die nun neu auch Montagmorgen geöffnet sind, oder an jenen, die auch am Mittag offenstehen. Dennoch lautet nach fünf Jahren und erreichten 45 Prozent Deckungsgleichheit sein Fazit: «Es wird nie ganz hinhauen.» Zu unterschiedlich seien die jeweiligen Branchenbedürfnisse, zu unterschiedlich die Bedingungen in der Altstadt und in der Vorstadt. Kommen die verschiedenen Ladenphilosophien und auch die Solothurner Mentalität des «Es isch immer eso gsy» hinzu.

Was aus seiner Sicht hilfreich wäre: «Wenn sich im Sinne des Service public auch die öffentliche Verwaltung und die Banken Gedanken über eine Anpassung ihrer Öffnungszeiten machen würden ...»

Knacknuss für den Chef

Ebenfalls beschäftigt hatten Reinmann die Gutscheine der ehemaligen Stadtvereinigung. So wurde auf dem Hintergrund des Beispiels Luzern angenommen, dass rund drei Prozent dieser «So-Gutscheine», mit denen in Stadtgeschäften eingekauft werden kann, nicht eingelöst würden. Ein Betrag, mit dem der Verwaltungs- und Druckkostenaufwand für die Gutscheine hätte bestritten werden sollen. Die budgetierte Summe war aber, wie man 2009 feststellen musste, zu hoch eingeschätzt worden. Auch, weil man sich beim Ablaufdatum oftmals kulant zeigte. Mit einer Aufwertung der Rythalle-Aktien, in deren Mehrheitsbesitz die SGSo ist, konnte die Bilanz unterdessen aber wieder ausgeglichen werden.

Auch bei anderen herausfordernden Episoden seiner Amtszeit fanden sich Lösungen. So brachte die SGSo Marktfahrer und die Stadt an einen Tisch, damit für den Markt Stromkästen seitens Stadt zur Verfügung gestellt wurden. Oder als die Vereinigung mithalf, die Nutzungsgebühren für den Friedhofplatz während des Märet-Feschts zu vereinheitlichen und so mehr Gleichbehandlung zu schaffen.

Gleichbehandlung – das ist denn auch sonst ein grosses Credo, das er beherzigte und das er ebenso seiner Nachfolgerin wünscht. «Es ist wichtig, keine Söihäfeli-Söideckeli-Taktik zu betreiben oder Freundschaftsdienste zu leisten und doch draussen bei den Leuten präsent zu sein.» Und das Wichtigste: «Der Job verlangt viel Flexibilität», sagts und nimmt das Handy ab, das auf der Bürotheke brummt. Doch trotz reich befrachteter Tätigkeit als Bewirtschafter der SGSo wird er auch ausserhalb der Geschäftsstelle nicht in ein «(Funk)loch» fallen. «Ich werde mich weiterhin gerne in der Stadt aufhalten und für eventuelle Anliegen offen sein.» Und so, wie er auch alle Widrigkeiten als Geschäftsführer sportlich nahm, wird ihn die Sportlichkeit weiterhin begleiten. Als Skilehrer oder bei Ausflügen auf dem Velo oder in den Wanderschuhen.