Solothurn
Geringes Interesse am Budemäret gibt Veranstaltern zu denken

Budemäret Wetterunsicherheiten, neue Freizeitgewohnheiten und veränderte Traditionenbestimmen den Schausteller-Alltag auch im Falle des Budemärets. Dennoch gibt man sich nicht kampflos geschlagen.

Andreas Kaufmann
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Das Wetter als Unsicherheitsfaktor beim Budemäret. ul/archiv

Das Wetter als Unsicherheitsfaktor beim Budemäret. ul/archiv

Solothurner Zeitung

Ein fast schon eisiger Herbstwind weht den Schaustellern um die Ohren. Dies mag man wortwörtlich am Wetter festmachen, das während des vergangenen Budemärets geherrscht hat. Sinnbildlich steht es aber auch für ein Freizeitvergnügen, das vor Jahrzehnten noch einen anderen Stellenwert besass: «Dreht man das Rad 30 bis 40 Jahre zurück, so strömte damals alles an den Budemäret», erinnert sich Willi Marti, Betreiber der beiden Anlässe im Frühling und herbst. Er hat den langjährig rückläufigen Trend erkannt und weiss, was früher anders war: «Es bräuchte wieder ein Rahmenangebot rund um den Budemäret: Festzelte, musikalische Unterhaltung und mehr.»

Festhalten am Standort Dornacherplatz

Dazu hat er sich schon mehrfach mit diversen Institutionen in Verbindung gesetzt. Auch könnte er sich ein Zusammenspannen mit der HESO oder mit dem Märetfest vorstellen. Und obwohl man seitens Organisatoren bislang nicht auf seine Idee aufgesprungen ist, will es Marti erneut mit einer Anfrage versuchen. Allerdings ist er sich der Schwierigkeit bewusst: «Gerade im Falle des Märetfests müsste man den Betrieb auf die südliche Aareseite ausdehnen.» Denn am Standort Dornacherplatz will er festhalten.

Dass dieser nämlich grundsätzlich ungeeignet sei für den Budemäret, glaubt er nicht: «Die Infrastruktur ist, gerade auch für Wasser- und Stromanschluss, ideal. Zudem sind die ausgebauten Gewerbsangebote ein Vorteil und eine Bereicherung auch für den Budemäret.» Zudem sei der Anlass wegen Bauarbeiten bereits einmal während zweier Jahre aufs Gelände der Herbstmesse verlegt worden: «Dort waren die Besucherzahlen nicht unbedingt besser als hier auf dem Dornacherplatz.»

Natürlich seien dies lediglich Ideen, die ihm vorschwebten, sagt Marti. Auf alle Fälle kann er verkünden, dass es mit der Tradition des Budemärets im Frühling und Herbst des nächsten Jahres weitergehe.

Mehr Familien als Jugendliche

Ebenso kämpferisch gibt sich Yvonne Parente, die im Herbst im Auftrag von Willi Marti für den Budemäret verantwortlich zeichnet: Dennoch hat auch sie den eingangs erwähnten Herbstwind zu spüren bekommen – wortwörtlich: «Das Wetter hat nicht so mitgespielt, gerade das erste Budemäret-Wochenende war ziemlich verregnet.» Ausserdem mache sich für sie auch die Ferienzeit bemerkbar. Nicht zuletzt deshalb erscheint es naheliegend, dass vor allem Familien, weniger aber Jugendliche an den Budemäret strömten. Der Mittwoch als Aktionstag mit verbilligten Eintrittspreisen erwies sich aber als ein erfreulicher Höhepunkt des Budemärets, der mit Autoscooter, Karussell, zwei Rundanlagen, einer Schiessbude, einem Büchsenwagen sowie einem Confiserie- und Marroniangebot auffuhr.

Wenn es um die langfristige Perspektive geht, erkennt allerdings auch Parente nach 45 Jahren im Schaustellergeschäft und nach 30 Jahren in Solothurn: «Das ist der Lauf der Zeit.» So spricht sie ebenfalls vom Herbstmarkt, der damals noch andere Dimensionen hatte, und von Musik, die im Restaurant Lüdi während des Fests erklang. Doch trotz Wehmut an frühere Zeiten hält sie fest: «Ich gebe nicht kampflos auf und werde es nächstes Jahr abermals versuchen.» Dass Parentes bereits in vierter Generation als Familienbetrieb tätig sind, scheint Grund genug, um für ihr Schaustellergeschäft weiter zu kämpfen.

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