Solothurn

Geringe Dioxin-Spuren im Stadtmist: Überprüfung auch auf Radiokativität

Was sickert aus dem Stadtmist in den Brühlgraben? Die Messstelle links gibt Aufschluss.

Was sickert aus dem Stadtmist in den Brühlgraben? Die Messstelle links gibt Aufschluss.

Seit einem halben Jahr wird der Solothurner Stadtmist, eine der grössten Hauskehrichtdeponien der Schweiz, zum wiederholten Mal untersucht – diesmal aber besonders gründlich und vertieft.

Kanton, Bund und Gemeinde wollen nochmals abgeklärt haben, ob eine Total- oder eine Teilsanierung nötig ist und was die Varianten kosten. Seit diesem Frühling wurden auf 150000 Quadratmetern Dutzende Grundwasser- und Sickerwasser-Messstellen eingerichtet, die bis heute zweimal beprobt wurden. Bis Frühling 2013 sind nochmals zwei Tage eingeplant, an denen aus allen Messstellen je eine Probe entnommen und danach im Labor analysiert wird.

«Die ersten Messresultate bestätigen, dass die drei Teildeponien Spittelfeld, Oberer Einschlag und Unterhof saniert werden müssen», erklärt Martin Brehmer, Leiter der Abteilung Boden im kantonalen Amt für Umwelt (AfU). «Der Fächer der möglichen Massnahmen ist aber weiterhin offen.»

Das heisst: Es ist nach wie vor offen, ob der vor sich hin rottende Abfall total ausgehoben wird (und an dessen Stelle die «Wasserstadt» gebaut werden kann), ob nur Teile der Deponie entsorgt werden oder ob andere Sanierungsmassnahmen wie zum Beispiel eine Oberflächenabdichtung gewählt werden. «Es könnte auch sein, dass nicht bei allen drei Teildeponien die gleichen Massnahmen angeordnet werden», sagt Brehmer. Vor den Sommerferien 2013 soll der Untersuchungsbericht der Firma CSD vorliegen. «Diesen wird das Amt für Umwelt dann beurteilen», sagt Brehmer.

Auch radioaktives Material?

Die ersten zwei Messungen haben viel Bekanntes bestätigt, aber auch einige wenige neue Erkenntnisse gebracht. Die Gifte, die aus dem Stadtmist ins Grundwasser und die beiden Bäche im Brunn- und Brühlgraben fliessen, überschreiten die Grenzwerte teils um das 1000-Fache. Vor allem die krebserregenden chlorierten Kohlenwasserstoffe und das Nervengift Blei sind ein Problem. «Das war bereits bekannt», sagt Brehmer. «Neu ist, dass wir die Deponien auch auf Dioxin und Radioaktivität untersucht haben.»

Das beim Verbrennen von Plastik entstehende Dioxin «haben wir aber lediglich in so geringen Mengen gefunden, dass es kaum nachweisbar ist». Das heisst: Das Nervengift tritt in nicht gesundheitsgefährdenden Mengen aus der Deponie aus. Ob der Stadtmist auch radioaktives Material aus Spital- und Uhrenindustrieabfällen enthält, ist noch offen. «Wir haben hier noch keine Testergebnisse erhalten», sagt Brehmer vom AfU.

Ein «Hotspot» im Spittelfeld

Im Rahmen der neuen Messungen konnte ausserdem auf dem nördlichen Teil des Spittelfelds ein «Hot- spot», ein besonders stark verseuchter Bereich, ausfindig gemacht werden. In jenem Gebiet treten speziell viele chlorierte Kohlenwasserstoffe aus. «Sie gelangen dort direkt ins Grundwasser. Deshalb müssen wir eventuell für dieses Gebiet nochmals zusätzliche Untersuchungen vornehmen.» Dafür kann Martin Brehmer für die vierte Teildeponie auf dem Unterfeld definitiv Entwarnung geben: «Dort wurde nur Bauschutt abgelagert.»

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