Museum Blumenstein
«Geprägter Stolz»: Wie Solothurn früher für sein «Münz» sorgte

2000 Jahre gibt es die Stadt Solothurn. Zu Römerzeiten waren auch hier Münzen aus dem ganzen Imperium verbreitet. Doch erst im Hochmittelalter begann Solothurn eigene Münzen zu prägen. Dieses Kapitel beleuchtet eine Ausstellung im Museum Blumenstein.

Wolfgang Wagmann
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Diesen Samstag startet im Museum Blumenstein die Ausstellung «Geprägter Stolz - Solothurner Münzen aus 7 Jahrhunderten.

Diesen Samstag startet im Museum Blumenstein die Ausstellung «Geprägter Stolz - Solothurner Münzen aus 7 Jahrhunderten.

Oliver Menge (bearbeitet)

Diesen Samstag startet im Museum Blumenstein die Ausstellung «Geprägter Stolz - Solothurner Münzen aus 7 Jahrhunderten. Die bloss zweiwöchige Ausstellung ist das Resultat einer Zusammenarbeit des Museums Blumensteins mit dem Auktionshaus Lugdunum GmbH in Solothurn. «Dessen Leiter Jonas Emmanuel Flueck, wird bald eine grosse und sehr bedeutende Privatsammlung von Solothurner Münzen unter den Hammer bringen. Bevor diese Sammlung nach der Auktion in alle Winde verstreut wird, ist sie nun noch ein letztes Mal als Gesamtheit im Blumenstein zu sehen sein», erklärt Konservator Erich Weber.

Die hochkarätige Sammlung umfasse die ganze Periode der Münzprägung in Solothurn und enthält neben den Kursmünzen für den Alltag auch viele ganz seltene Münzen in Silber und Gold sowie auch Medaillen. «Die Ausstellung ist Teil der 2000-Jahre-Feierlichkeiten und wird begleitet von öffentlichen Führungen und Vorträgen, in denen der Numismatik-Profi Flueck Einblick in spannende Details der Solothurner Münzgeschichte gibt», verspricht Weber weiter.

Die Münze als Machtsymbol einer Stadt

Jonas Emmanuel Flueck sieht in seiner Sammlung einen Schatz, der geheim und nur Eingeweihten zugänglich sei. «Es handelt sich um die Solothurner Numismatik, also um die Münzen und Medaillen, welche die Stadt Solothurn im Laufe ihrer langen Geschichte herausgegeben hat. Diese bilden den Kern unserer Ausstellung.»

Anders als heute, wo Geld virtuell geworden sei oder durch Metallplättchen ohne Eigenwert repräsentiert werde, «war das Geld jahrhundertelang ein Objekt der Kommunikation, der wirtschaftlichen und kommerziellen Entwicklung und ein Objekt der Macht. Als Gebrauchsgegenstand, der die materiellen Bedürfnisse für die alltäglichen Transaktionen befriedigt, war Geld auch ein Symbol für den Ehrgeiz seiner Emissionsmacht», so Flueck.

Erstmals biete eine Ausstellung in Solothurn die Möglichkeit, mehr als sieben Jahrhunderte Solothurner Numismatik zu entdecken, die durch mehrere Dutzend Münzen und Medaillen repräsentiert werde. «Von den einfachen Batzen, der Alltagswährung, bis hin zu den prestigeträchtigsten und seltensten Goldmünzen und Medaillen» gibt es laut Flueck «den geprägten Stolz der Ambassadorenstadt zu entdecken».

Ein Silberpfennig um 1270-1300 mit dem Kopf des heiligen Ursus und Kreuz.
6 Bilder
Dieser Silbertaler, geprägt um 1550/70, zeigt den stehenden «Martir Sanctus Ursus».
Silbermünze im Wert von 20 Kreuzern aus dem Jahr 1785 mit dem gekrönten Standewappen.
Goldene Doppeldublone von 1787 mit dem stehenden, geharnischten St. Ursus.
«Schweizer Eidgenoss» auf einer 16-Franken-Goldmünze des «Cantons Solothurn» von 1813.
Silberne Schützenmedaille mit Niklaus Wengi zum kantonalen Schützenfest 1890.

Ein Silberpfennig um 1270-1300 mit dem Kopf des heiligen Ursus und Kreuz.

zVg

Eine Goldmünze für 200'000 Franken

Zu sehen ist im Museum Blumenstein in der ausgestellten Sammlung auch eine Gold-Dublone im Wert von damals 16 Franken, geprägt 1813 vom französisch beherrschten «Canton Solothurn». Konservator Erich Weber weiss genau, was es damit für eine Bewandtnis hat, birgt doch sein Haus auch eine grössere Sammlung von 460 Münzen mitsamt Prägestempeln und hunderten von Medaillen. «Wir sind am Aufarbeiten der Sammlung und werden sie in den nächsten Jahren auch einmal ausstellen», verspricht er.

Denn das Museum kann ausgerechnet unter der Prägeserie von 1813 mit einer absoluten Rarität aufwarten. „Neben den häufigeren 8- und 16-Franken-Goldmünzen gab es damals auch eine kleine Serie von Solothurner 32-Franken-Stücken oder Doppel-Dublonen. Doch existieren nur noch drei bekannte Exemplare davon, und eines davon ist bei uns.» Ein kleiner Schatz, denn in Numismatik-Kreisen gilt der «32-Fränkler» rund 200 000 Franken.

An sich drohte Solothurns Münzmeistern der Galgen

Auch zu einem anderen «Goldstückli» Solothurner Prägung, das ab dem 1. Februar zu bestaunen ist, weiss Weber Interessantes: «Bei der Münze von 1787 ist klar erkennbar, dass sie umgeprägt worden ist.» Denn bei der Prägung gelang es nicht ganz, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Münze weg zu schlagen. So sind mehr oder weniger deutliche Reste einer vorherigen Schrift neben dem Wimpel zu erkennen, den St. Urs in der Hand hält. Die Erklärung Webers zu dem originellen Stück aus den letzten Jahren des patrizischen Regimes: «Solothurn besass damals kein eigenes Gold, aber im Staatschatz gab's sehr viele französische Goldmünzen. Speziell ist, dass in Frankreich das Umprägen bei Todesstrafe verboten war. Denn wer das Gesicht des Königs zerstörte, kam an den Galgen.»

Pikanterie der Geschichte: Das Münz im Solothurner Staatsschatz wurde nach dem Franzosen-Einfall am 2. März 1798 sofort abtransportiert. Nach Frankreich, um Napoleons Kriegszüge zu finanzieren.

Anlässe im Blumenstein
Samstag, 1. Februar, 15.15 Uhr: Vernissage mit öffentlicher Führung, Donnerstag, 6. Februar, 19.15 Uhr: Vortrag zur Münzgeschichte Solothurns, Sonntag 9. Februar, 10.15 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung, Mittwoch, 12. Februar, 19.15 Uhr: Vortrag zu Details der Münzgeschichte Solothurns.