Takto

George Gruntz zeigte, was das «Scheibenorchester» draufhat

George Gruntz hatte in der Reithalle alle Hände voll zu tun.

George Gruntz hatte in der Reithalle alle Hände voll zu tun.

Mit den bekannten Namen der NDR Big Band und George Gruntz am Dirigentenpult endete das diesjährige Musikfestival «Takto» fulminant. Und die Neuauflage 2013 ist bereits ein Thema.

Den Abschluss der drei Tage toller Musik unter dem Titel Takto – was lediglich die Abkürzung von Takt und Ton bedeutet – markierte eine Big Band. Aber nicht irgendeine Big Band, sondern die NDR Big Band, also eine der weltbesten Big Bands überhaupt. Am Pult stand George Gruntz – offensichtlich glücklich, eine solche Band vor sich zu haben.

Seit Jahren arbeitet er mit ihr. Zu Beginn, vor 46 Jahren sei es allerdings noch ein «Scheibenorchester» gewesen verrät er ins Mikrofon. Mit ihr hat Gruntz Konzerttouren gemacht, immer mit der Musik die ihn beschäftigte und in die er sich vertiefte. Gute Beispiele dazu sind die Reihen mit Thelonius Monk, dem Charles Mingus folgte, der von John Coltrane abgelöst wurde. Nun zu seinem runden Geburtstag blickt er nochmals auf die bedeutendsten Kompositionen der drei grossen Jazzer zurück. Er lässt sie erstmals gemeinsam im gleichen Konzert erscheinen, das deshalb den Titel «Die Monk-Mingus-Coltrane Trilogie» erhielt.

Seine wahre Leidenschaft

George Gruntz (1932) ist in Basel aufgewachsen. Seine klassische Klavierausbildung richtete er schon jung zum Jazz und spielte zunächst in kleinen Formationen. Erstmals international bekannt mit «Newport International Band» am Newport Jazz Festival 1958 wo er Louis Armstrong begleitete. Er spielte als Jazzer mit Grössen wie den Trompetern und Flügelhornisten Chet Baker und Art Farmer, oder dem Tenor- und wohl bekanntesten Bariton-Saxofonisten Gerry Mulligan. 1968/69 war Gruntz mit «Phil Woods European Rythm Machine» auf Europatour. Rund 20 Jahre war er Leiter des Berliner Jazz Festivals.

Ein Höhepunkt in seiner Karriere war der Auftrag 1973 der Pariser Oper eine Jazz-Oper zu schrieben. Die wurde 1982 als «World Jazz Opera» in New York uraufgeführt. Er war über 30 Jahre lang der Kopf der George Gruntz Concert Jazz Band. Natürlich ist er ein angefressener Jazzer. Aber in erster Linie ist er ein exzellenter Big-Band-Arrangeur und das ist seine wahre Leidenschaft. Mit der NDR Big Band hat er auch sein Werkzeug gefunden. Eine solche Band, die eigentlich aus lauter hervorragenden Solisten besteht, ist für Gruntz ein Traum.

Ein Traum wurde das Konzert auch für das Publikum. Da wurden ihm die tollsten Jazz-Nummern geboten von «Monks Mood», «O.P.» von Mingus oder «Impressions» und Lazy Bird» von John Coltrane. Und vor allem natürlich Coltranes wunderschön arrangiertes «Blue Train» mit seinem Klarinetten-Beginn.

Der arme Tom Rainey

George Gruntz setzte sein Herzstück «My Favorite Things» als sein Ding an den Schluss des Konzerts. Als Zugabe brachte er mit «After the Rain» eine der schönsten Kompositionen von John Coltrane eingeleitet mit einem duftigen Tuba-Posaunen-Rhythmus. Das anschliessende Flügelhorn-Solo von Claus Stötter wurde einer der Höhepunkte. Als zweite Zugabe forderte Gruntz mit seiner eigenen Komposition «Capricci Cavallereschi» den armen Tom Rainey noch mit einem unglaublichen Drumset-Solo.

Auch die Künstler traten gerne auf

Das Takto erfuhr seine zweite Auflage. Da ist es angebracht, dem jungen Organisator Felix Heri aus Deitingen kurz auf den Zahn zu fühlen. Er und seine Crew sind zufrieden. Der Anlass habe sich entwickelt. Sie hätten ein gutes Gefühl sowohl was die Qualität des Gebotenen betreffe wie das Besucherinteresse. So war das Mnozil-Konzert am Samstag ausverkauft. Sehr zufrieden hätten sich auch die Künstler gezeigt, die gerne in Solothurn auftreten würden.

Jedenfalls ist Heri schon wieder voll in den Vorbereitungen für die dritte Auflage von «Takto» 2013. Sie soll von Donnerstag bis Sonntag, vom 23. bis 26. Mai 2013 dauern.

Meistgesehen

Artboard 1