Solothurn
Genussfest in der Vorstadt: Kühe und Käse sind Kult geworden

Was vor vier Jahren ganz bescheiden mit einem Beizli und einigen Käseständen um den Rossmarktplatz begann, hat sich zu einem Fest für die ganze Vorstadt entwickelt: der Chästag. Heuer wurde auch die Altstadt einbezogen.

Wolfgang Wagmann
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Es ist Chästag am Rossmarktplatz
18 Bilder
Kathrin Reichmuth verkauft ihre Spezialitäten aus dem Jura
Gluschtigi Versucherli
Zu Chäs gehört auch Brot
Pro Vorstadt sei Dank
Lustige Kuh der Klasse 2 b aus Lohn-Ammannsegg
Bunte Kühe aus Lüsslingen-Nennigkofen
So, auch diese Kuh wäre bewertet
Kuhgesicht I
Kuhgesicht II
Kuhgesicht III
Wo eine Kuh ist, ist auch ein Fladen
Chästag 2014 in Solothurn
Die Freude am Genuss und am Produkt
Die Auswahl ist riesig
Auch von ihr gibts Käse
Bei ihnen schmeckt der Käse sicher
Bahnanschluss für den Rossmarktplatz

Es ist Chästag am Rossmarktplatz

Wolfgang Wagmann

In den Gässlein rund um den Rossmarktplatz, aber auch auf diesem selbst herrscht bereits reges Treiben. Hans Neeracher, OK-Präsident des Bucheggberger Märets, der hier seinen Anfang nahm, beobachtet das Gewoge ringsum zufrieden. «Der vom Reckenkien hat mir erzählt, er habe schon mehr Käse abgesetzt als vor einem Jahr den ganzen Tag.» Dabei ist der Chästag erst einige wenige Stunden alt.

Vorne auf der Strasse, wo sonst die Busse durchbrausen, hat sich ein öV-Unternehmen der ganz anderen Art breitgemacht: Das Tunnel-Bähnli tuckert mit begeisterten Kindergruppen zwischen den Märetständen hin und her. Allein 13 von ihnen bieten Käsespezialitäten aus allen Regionen der Schweiz an, erklärt Neeracher.

Was er dagegen noch nicht weiss, ist, wo der Bucheggberger Märet künftig abgehalten wird, nachdem am Donerstagabend Stadtpräsident Kurt Fluri mit dem offiziellen Festakt den letzten Bsetzistein beim Dornacherbrunnen gesetzt hat. «Der Rossmarktplatz hat mehr Charme», meint der OK-Präsident zum dank monatelangen Umgestaltungsarbeiten aufgewerteten Vorstadt-Bijou. «Aber vorne am Kreuzackerplatz haben die Bucheggberger Märetfahrer 20 Prozent mehr Umsatz gemacht.»

«Miss Leberberg» und «Miss Euter»

Am Dornacherplatz, zwischen den durch 30 Schulklassen kreativ gestalteten Kartonkühen, gibts die echten. 34 an der Zahl, aus dem ganzen Leberberg. Eine Zweier-Jury nimmt Augenmass am Vieh, und bewertet es nach vier Kriterien. Der spätere Sieger, Werner Walter vom Gutsbetrieb des Wallierhofs, erklärt, worauf es bei seiner selbst gezüchteten «Nina» ankommt, dass sie den Titel «Miss Leberberg» erhalten hat.

Erstens komme es auf eine gute Seite an, damit sie viel Raufutter zu sich nehmen könne. «Das Becken muss breit sein und abfallen, damit die Kuh gut kalben kann.» Zweites Kriterium ist das Bein mit den Klauen, die für den Gang wichtig sind. Drittens sollte das Euter das sogenannte «Zentralband» und viele Adern aufweisen, «das ist gut für die Durchblutung und damit die Milchleistung.» Viertens geht es dann um die Zitzen, die lang und gut verteilt sein sollten, damit die Kuh gut gemolken werden kann.

Für jede Kategorie gibts einen bis fünf Punkte, die dann zur Totalnote führen. Ebenfalls ausgezeichnet wurde von der Jury die «Miss Euter». Sichtlich gerührt nahm Michel Affolter aus Bellach die Prämierung seiner «Marina» entgegen.

Das Land kommt in die Stadt

Ziel des Chästags sei es auch, das Land der Stadtbevölkerung näher zu bringen, so Werner Walter. «Die Kinder sollen wieder wissen, wo Milch und Fleisch herkommen. Aber auch, dass wir die Tiere nicht nur aus Freude an ihnen halten, sondern damit auch etwas verdienen wollen.»

Nun, zu verdienen gab es etwas vor allem am Abend in den vielen Beizli vom Oberen Winkel bis zur grossen Festwirtschaft auf dem Dornacherplatz. Die Mümliswiler Treichler sorgten für eine urchige Ambiance, musikalische Unterhaltung mit Michelle Ryser und andern liessen in der ganzen Vorstadt Chilbistimmung aufkommen. Auch das Wetter stimmte einmal mehr – trotzdem fand auch das «Regenprogramm», die Besichtigung der Spitalkirche mit Filmen von Ernst Brun, Anklang.