Solothurn
Geniessen, wo einst Drehbänke standen

Sylvia Steiner hat ihr neues Restaurant Genussfabrik an der Weissensteinstrasse mit 44 Plätzen eröffnet. Wir haben uns umgesehen.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Genussfabrik Solothurn
11 Bilder
Im Garten hinter der Genussfabrik.
Die Genussfabrik.
Der geschmackvoll eingerichtete Garten.
Die Bar.
Lauschige Gartenstimmung.
Sylvia Steiner freut sich über ihr neues Reich.
Kunstobjekte lockern den Garten auf.
Das Restaurant weist 44 Plätze auf.
Blick aufs Restaurant von der Bar aus.
Nische für vier.

Genussfabrik Solothurn

Wolfgang Wagmann

Irgendwann wurde es ihr langweilig im grossen Haus in Attiswil. Ihr Mann David hatte sich wieder in seiner Firma Schlüssel Steiner engagiert, die Rückkehr in die Region Solothurn war plötzlich Tatsache.

Und Sylvia Steiner wollte ihren Traum wieder leben: Gastgeberin im eigenen Restaurant sein. «Eigentlich suchte ich nur etwas Kleines. Ein Bergbeizli vielleicht. Aber das erwies sich als schwierig.» Bis sie auf die Fabrik stiess. Auch sie nicht sehr gross, aber eben ein richtiges «Fabrikli» an der Weissensteinstrasse 105. «Sie stand schon eine Zeit lang leer, trotzdem wollte sie die Besitzerin erst gar nicht verkaufen.»

Doch das Ehepaar Steiner blieb dran – auch beim Umbau, der zwei Jahre dauern sollte. «Zuerst dachten wir an fünf Hotelzimmer im Obergeschoss. Dann beschlossen wir, künftig im Dachgeschoss zu wohnen.» Viele Auflagen in Sachen Brandschutz oder Energetik waren zu erfüllen, und «zum Glück gabs keine Altlasten». Herausgekommen ist ein geschmackvoll eingerichtetes Bijou, das 44 Plätze innen wie draussen im bekiesten, lauschigen Garten anbietet.

Ein erfahrener Küchenchef

Nach langem Werweissen hatten sich Sylvia und David Steiner – er besorgt im Betrieb die Buchhaltung – für den Namen «Genussfabrik» entschieden. «Vorerst öffnen wir an drei Abenden regelmässig ab 17 Uhr. Am Donnerstag, Freitag und Samstag. Gesellschaften können auch an anderen Abenden buchen.» Die übersichtliche Karte wird alle drei Monate gewechselt, und «wir kochen alles frisch.»

Neben Spezialitäten mit regionalem Touch wie dem Cordon bleu vom Luzerner Bierschwein mit Solothurner Herrenkäse findet sich auch ein Fischgericht sowie ein Fächer an Vegi-Gerichten. «Ohne sie geht es nicht mehr, man kann diesen Gästen nicht nur einen Salat anbieten», verweist Sylvia Steiner beispielsweise auf Kichererbsenküchlein mit grilliertem Gemüse und Kräuterquark oder Massmann-Thai-Curry zu Basmati-Reis.

Selbstverständlich gibts für Gesellschaften ab zehn Personen auch ein Menü, denn in der «Genussfabrik» kocht kein Unbekannter: Küchenchef Peter Riner hat sein Handwerk bei Urban Schiess gelernt, wirkte viele Jahre in der «Krone» und im «Aaregarten» Solothurn sowie zuletzt im Altersheim Leuengarten Bellach. Unterstützt wird er von einem weiteren gelernten Koch; Sylvia Steiner dagegen kann im Service auf die Hilfe von gastro-erfahrenen Kolleginnen zählen.

Gastronomin aus Leidenschaft

«Schon als zwölfjähriges Meitschi half ich in der ‹Krone› unter Direktor Bussmann mit. Und später arbeitete ich während meiner Freizeit in der damaligen Brauerei Ueli der Pächter in Niederbipp» , schildert Sylvia Steiner, wie sie schon früh vom Gastronomie-Virus gepackt worden war.

Ein eigenes Cafè im Luzernischen war ein weiterer Schritt in diese Richtung, ehe sie zusammen mit ihrem Mann in Solothurn einen Wurf lancierte: Steiners erwarben am Stalden das damalige Bucheggberger Stübli – im Volksmund nur «Buechi» genannt – und eröffneten nach einem gelungenen Umbau im November 2004 das bald sehr beliebte Restaurant à Point. Nach 19 Monaten war im Sommer 2006 dieses Kapitel schon wieder beendet.

«Eigentlich wollten wir das ‹à Point› während unserer längst geplanten Weltreise nur vermieten.» Doch die Wirtsleute des «Amphorea», das damals an der Hauptgasse weichen musste, suchten dringend ein neues Lokal und fanden es eigentlich am Stalden vorne. «Sie wollten es aber unbedingt kaufen, um ihre Zukunft zu sichern.» Der «Griech» befindet sich heute immer noch in Sylvia Steiners damaligem Traum-Restaurant, dem sie noch lange nachgetrauert hatte.

Jahre später, nun bald Mitte Fünfzig, stellte sie sich aber die Frage: «Soll ich wirklich nochmals bei Null anfangen?» Mit dem Kauf der kleinen Fabrik an der Fabrikstrasse war sie beantwortet. Denn «mein Mann unterstützte mich dabei voll und ganz».

Bereut hat die Gastronomin aus Leidenschaft ihren Schritt noch keineswegs: «Die Resonanz nach der Eröffnung war grossartig. Auch viele ehemalige Gäste des ‹à Point› konnten wir schon in der ‹Genussfabrik› begrüssen.»