Die 52. Solothurner Filmtage sind Geschichte und es gibt ein Stichwort, welches einem beim Erinnern einfällt: «Generationenwechsel». Dieses Stichwort zieht sich durch mehrere Bereiche des Festivals.

Generationenwechsel beim Publikum

Die Filmtageleitung spricht davon, dass man nach ersten Hochrechnungen die Eintrittszahl von 65 000 erreicht habe. Dies entspricht in etwa der Zahl der Ausgabe 2016, heisst also – keine Steigerung, eher eine Stagnation. Betrachtete man das Leben in der Stadt in den vergangenen Tagen, ist man gar geneigt zu prognostizieren, dass die tatsächlichen Eintrittszahlen eher noch tiefer ausfallen werden. Es war in dieser Woche zu beobachten, dass weniger Leute als andere Jahre während der Filmtage in der Stadt unterwegs waren, und in den Beizen rund ums Landhaus fand man doch immer freie Plätze.

Die arktische Kälte mag ein Grund sein, warum draussen eher wenig Publikum zu sehen war, doch auch das neue Ticketsystem, welches bis zum Samstag wegen seiner Serverprobleme die Leute verärgerte, wird Teil dieses Phänomens sein. Sicher haben insbesondere ältere Festivalbesucher die Ticketbestellung via App oder PC auch gescheut und daher auf ihren Besuch verzichtet.

Seraina Rohrer begründete in ihrem Schlusswort am Donnerstagabend im Landhaus in Solothurn die Einführung dieses Ticketsystems. Man müsse sich den neuen digitalen Möglichkeiten anschliessen, die Solothurner Filmtage müssten in der Schweizer Festivallandschaft modern und dynamisch auftreten. Zudem ginge es beim neuen Ticketsystem darum, die Eintritte ganz exakt zu erfassen, damit man Argumente für die Schweizerische Filmförderung habe, endlich die Festivaleintritte bei einem Film – und nicht nur die Kinoeintritte – mitzählen zu können. Denn nach der eigentlichen Eintrittszahl in einen Film richtet sich schliesslich die Ausschüttung der Fördergelder.

Doch für die Filmtagebesucher, von denen viele jahrzehntelang schon nach Solothurn kommen, bedeutet dieses Online-Ticket-System mehr als einfach ein neuer Kauf-Vorgang mit Anfangsschwierigkeiten. Es tangiert die Art und Weise, wie man als Besucher die Solothurner Filmtage erlebt. Während es bis anhin immer auch möglich war, einfach nach dem Lustprinzip gleich vor Ort die Filmauswahl zu treffen, muss man sich ab Ausgabe 2017 am besten einen Tag im Voraus seine ganz bestimmten Filme auswählen.

Spontanes Sich-treiben-Lassen an den Solothurner Filmtagen und damit unerwartetes Entdecken von Unbekanntem gehört der Vergangenheit an. Sicher auch ein Qualitätsverlust des Erlebnisses Filmtage in Solothurn.

Generationenwechsel bei den Filmemachern:

Selten hat man ein Filmprogramm in Solothurn entdecken können, das eine solche hohe Qualität aufwies, und zwar in allen Sparten: Spielfilm, Dok-Film, Kurzfilm. Sehr erfreulich, dass die Regisseure heute Filme tatsächlich fürs Publikum drehen und nicht bloss für ihre Cineasten-Kollegen. Denn dieses Attribut hatte insbesondere der Schweizer Spielfilm lange Jahre.

Belege für die gute Qualität kommen auch von aussen, denn der Filmjahrgang 2016 kann bekanntlich mit Oscar-Nominierungen aufwarten. Schön wäre, wenn es ein Grossteil dieser guten Filme nach Solothurn auch in die grossen Schweizer Kinosäle schaffen würde, denn es kann doch nicht sein, dass nur das Solothurner Filmpublikum gute Schweizer Filme zu schätzen weiss. Eines fehlt aber seit einigen Jahren im breiten Themenkatalog des Schweizer Spielfilms: ein gut gemachter, spannender Film zu einem Thema aus der Wirtschaft. Nach «Grounding» gab es das bis heute nicht mehr.

(Generationen?-)Wechsel bei der Filmtage-Organisation:

Bekanntlich hört Christine Beerli als Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage nach 12 Jahren im Amt auf. Für die frühere Politikerin Beerli war dies ein erstmaliges Engagement in einer Branche, welche sie zunächst nur von aussen kannte. Doch sie stellte sich auf die Vereinsstrukturen und Protagonisten gut ein, vollzog einen erfolgreichen Direktoren-Wechsel, und die Publikumszahlen stiegen während ihrer Amtszeit um satte 20 Prozent.

Doch eines hat sie nicht geschafft: Einen zweiten (oder gar wieder dritten) Hauptsponsor für die Filmtage an Land zu ziehen, nachdem Die Post im vergangenen Jahr und die 1to1 Energie noch vorher ihre Sponsorengagements aufgaben. Noch ist Swiss Life als Hauptsponsor dabei. Auf längere Sicht müssen die Filmtage aber mindestens einen weiteren Hauptsponsor finden, damit die Organisation wieder einen finanziellen Spielraum bekommt.

So wird es an der neuen Präsidentin, dem neuen Präsidenten sein, dieses Problem mit neuer Kraft und neuem Beziehungsnetz anzugehen, um hoffentlich zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Denn der Schweizer Film, so wie er sich heute präsentiert, hätte es verdient, dass man sich als Sponsor um ihn reisst.