Schule
«Gemeinsam Lösungen für Probleme finden»

Wir gehen sorgfältig und rücksichtsvoll miteinander um. Wir sind tolerant und respektvoll. Wir sind freundlich zueinander. Wir sind ehrlich und gerecht. Wir nehmen einander ernst.

Katharina Arni-Howald
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Solothurner Zeitung

Diese fünf für ein gelungenes Zusammenleben wichtigen Leitsätze werden die 260 Schülerinnen und Schüler der Schule Brühl für den Rest des Schuljahres begleiten. Sie wurden von der ganzen Schülerschaft und vom Fairnesskomitee erarbeitet und diese Woche an der Vollversammlung in der Aula des Schulhauses genehmigt. «Wir haben festgestellt, dass der verbale Umgang der Schüler in letzter Zeit wieder rauer geworden ist», verweist Schulleiterin Katharina Stebler auf das Jahresthema «Zusammenleben», das mit dem Auffliegen von zwölf weissen Tauben auf dem so genannten Friedensplatz einen Höhepunkt erreichte.

Dem Konzept treu geblieben

Ein Zusammenleben, das alle Beteiligten froh macht, hat viel damit zu tun, wie man miteinander umgeht und ob man seine Wünsche dazu anbringen kann. Das weiss man in der Schule Brühl, wo viele junge Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammentreffen. «Jeder Schüler muss Gelegenheit haben, auszusprechen, was er braucht, damit er sich wohlfühlt», so Stebler.

Die Schule Brühl wurde 1998 für die Förderung des Schüler-Mitspracherechts mit dem Pestalozzipreis ausgezeichnet. Durch die gelebte Schülerpartizipation und das Engagement für eine Partnerschule im Kongo wurde sie 2004 in den Kreis der Unesco-assoziierten Schulen aufgenommen. «Wir sind unserem damals erarbeiteten Konzept treu geblieben und ziehen unsere Schüler und Schülerinnen regelmässig in den Meinungsbildungsprozess mit ein», sagt Katharina Stebler nicht ohne Stolz.

Wenn etwas schiefzulaufen beginnt, befassen sich deshalb nicht nur die Lehrpersonen, sondern auch der mit Schülern besetzte Klassen- und Schülerrat, das Fairnesskomitee und die Vollversammlung mit dem Thema. In den altersgemischten Gruppen haben die Kinder die Möglichkeit, sich mit Schulhausthemen auseinanderzusetzen und sie zu bearbeiten. Lösungen werden gemeinsam gesucht und gefällte Entscheide im Schulalltag umgesetzt.

Die Tabuzone bei Streitereien

Alle fünf Jahre wird zudem der sich vor dem Schulhaus befindende Friedensplatz neu eingeweiht. Damit wird erreicht, dass auch die neu hinzugekommenen Schüler wissen, um was es bei diesem mit einer Taube gekennzeichneten Ort geht. «Auf dem Friedensplatz darf man nicht streiten und muss in Ruhe gelassen werden», sagt die Schulleiterin. Konfliktsituationen können später mit den Klassenhäuptlingen besprochen werden. «Das Ziel ist, gemeinsam Lösungen für das Problem zu finden.»

Die Klassenhäuptlinge waren es schliesslich auch, die die von Taubenvater Otto Marrer aus dem nahe gelegenen Taubenschlag hergebrachten Friedenstauben fliegen lassen durften. Ein grosser Augenblick für die vielen Kinder, die damit den Willen besiegelten, die zuvor erarbeiteten Thesen im Laufe des Schuljahres durchzusetzen und Frieden in die Schule zu bringen. Auf das Thema Zusammenleben und Umgangsformen wird im März in einer Themenwoche noch tiefer eingegangen.