Gemeinderatswahlen
Was tun, wenn die besten Lieferanten von Stimmen abspringen

Der Blick auf die Kandidaturlisten in der Stadt Solothurn zeigt, vor allem die FDP muss bei den kommenden Erneuerungswahlen des Gemeinderats gleich auf einige bewährte Kräfte verzichten.

Fabio Vonarburg
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Die FDP der Stadt Solothurn steht vor einer Herausforderung. Wichtige Stimmenlieferanten treten nicht mehr zur Wiederwahl in den Gemeinderat an. Kurt Fluri und Beat Käch (v.l.), hier bei einer Sitzbank-Einweihung. (20. Oktober 2020)

Die FDP der Stadt Solothurn steht vor einer Herausforderung. Wichtige Stimmenlieferanten treten nicht mehr zur Wiederwahl in den Gemeinderat an. Kurt Fluri und Beat Käch (v.l.), hier bei einer Sitzbank-Einweihung. (20. Oktober 2020)

Hanspeter Bärtschi

Die Aufgabe für die FDP der Stadt Solothurn ist nicht ohne: Müssen sie bei den kommenden Erneuerungswahlen des Gemeinderats gleich drei ihrer besten fünf Stimmenlieferanten ersetzen. Die Sprache ist von Kurt Fluri (Bester Stimmenlieferant 2017), Marco Lupi (am drittmeisten Stimmen) sowie Beat Käch (auf Platz 5). In Zahlen ausgedrückt: Es gilt, 6028 Stimmen auszugleichen. So viele Stimmen waren es zumindest 2017, die die drei, die allesamt nicht erneut für den Gemeinderat kandidieren, geholt haben. Was sagt der Ortsparteipräsident zu dieser Herkulesaufgabe?

Charlie Schmid: «Ist sicher nicht eine einfache Aufgabe, die seit dem letzten Wochenende nicht einfacher geworden ist.» Damit meint Schmid die Kantonsratswahlen, die nicht so verlaufen sind, wie es sich die Freisinnigen vorgestellt haben. Dennoch blickt Schmid mit grossem Optimismus zu den Wahlen. «Ich habe das Gefühl, bei Gemeinderatswahlen zählt viel mehr der Bekanntheitsgrad und, wie gut die Kandidierenden vernetzt sind.» Und da sei man gut aufgestellt. «Wir haben super Newcomer», sagt Schmid, der aber darauf verzichtet, jemanden hervorzuheben. «Ob es wirklich reicht, alles wegzumachen, werden wir sehen. Wir können nichts anderes machen, als es versuchen», sagt Schmid, der ein Ziel vor Augen hat: Die FDP soll die wähleranteilstärkste Partei bleiben.

Kleiner Bekanntheitsbonus

Man sei nicht einfach froh, dass Beat Käch, Kurt Fluri und Marco Lupi von der FDP nicht mehr antreten, heisst es von Seiten der SP Stadt Solothurn. «Es sind gestandene Politiker, mit denen man gut zusammenarbeiten konnte», fährt Pierric Gärtner, Vize-Co-Präsident der Partei fort. Für die SP präsentiert sich eine ganz andere Ausgangslage. Acht ihrer neun bisherigen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sind wieder am Start.

Einzig Anna Rüefli tritt nicht mehr an, die jedoch 2017 am zweitmeisten Stimmen für die SP holte. Gärtner spricht von einem kleinen Bekanntheitsbonus, die bisherige Gemeinderätinnen und Gemeinderäte hätten. «Meiner Meinung ist es jedoch viel zentraler, dass die Personen, die antreten, engagiert und motiviert sind.» Man habe derzeit eine engagierte Fraktion, sagt Gärtner, der sich auch zu den Kantonsratswahlen äussert: «In der Stadt waren wir beinahe gleich auf mit der FDP.» Doch auch für die SP war es kein erfolgreicher Sonntag.

Auf der 21 Namen schweren Liste der Grünen finden sich alle fünf bisherigen Gemeinderätinnen und -räte. Auch die CVP tritt mit vielen Bisherigen an. Einzig Jean-Pierre Barras fehlt. Bei der SVP tritt Gemeinderätin Marianne Wyss noch einmal an, ihr derzeitiger Kollege im Rat, René Käppeli, jedoch nicht mehr. Die EVP ist derzeit nicht im Gemeinderat vertreten.

Die GLP jedoch schon, wenn auch nur mit einem Vertreter. Mit Claudio Hug, der im Gemeinderat bleiben möchte. Neben ihm kandidieren 13 weitere GLP-Mitglieder, relativ viel für eine Partei, die derzeit ein Mitglied stellt. Ist das eine Kampfansage? Wahlkampfleiter Claude Pahud, der selber kandidiert, will nicht von einer solchen sprechen. «Vor vier Jahren haben wir einen zweiten Sitz knapp verpasst. Dieses Mal wollen wir diesen holen, vielleicht etwas mehr.» Im Gegensatz zu anderen kommt die GLP guten Mutes aus den Kantonsratswahlen.