Gemeinderat Solothurn
Wie weiter mit den Wasserläufen, die durch den Stadtmist führen?

Lediglich eine Interpellation, eingereicht aus der Fraktion der SP, war an der Solothurner Gemeinderatssitzung traktandiert. Diese erkundigte sich nach den Plänen für die Bäche, die durch die frühere Mülldeponie fliessen.

Judith Frei
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Stadtmist Spitelfeld: Im Brühlgraben sind Rohre eingelassen, aus denen Wasser sickern sollte

Stadtmist Spitelfeld: Im Brühlgraben sind Rohre eingelassen, aus denen Wasser sickern sollte

Hanspeter Bärtschi

Drei Wasserläufe fliessen in der Weststadt von Norden Richtung Süden, wo sie in die Aare münden. Zwei dieser Wasserläufe, der Brunngraben und der Brühlgraben, fliessen durch die ehemalige Deponie «Stadtmist». Der Wildbach bildet die Grenze zu Bellach und befindet sich nicht mehr im Sanierungsperimeter. Trotzdem hat er mit den anderen Gewässern etwas gemein: Er wurde begradigt und fliesst künstlich in einer geraden Linie Richtung Aare.

Nächstes Jahr beginnt die Sanierung der ehemaligen Mülldeponie. Dies hat die SP-Fraktion Anfang Jahr veranlasst, die Interpellation «Renaturierung der Bäche im Gebiet der ehemaligen Deponie» im Gemeinderat einzureichen. Die Fraktion wollte wissen, wie die Pläne der Stadt aussehen, damit bei den begradigten Bäche mehr Platz für Biodiversität entsteht.

Das ökologische Potenzial wurde erkannt

Das Stadtpräsidium weist in ihrer Antwort darauf hin, dass der Brühl- und Brunnengraben lediglich künstliche Entwässerungsgräben seien. Diese befinden sich im Eigentum der «Brühlland-Genossenschaft Solothurn», der Wildbach ist ein öffentliches Gewässer und unterliegt der Hoheit des Kantons.

Solothurner Stadtmist wird totalsaniert. Hier der Überblick auf der Karte.

Solothurner Stadtmist wird totalsaniert. Hier der Überblick auf der Karte.

zvg

Das Stadtbauamt sei sich dem ökologischen Potenzial der beiden Entwässerungsgräben bewusst und sei daran, ein Unterhalts- und Aufwertungskonzept zu erarbeiten, das noch dieses Jahr fertiggestellt werden soll. Gewisse Aspekte werden schon jetzt umgesetzt: «Die jährlichen Mäharbeiten werden bereits nach ökologischen Vorgaben und in Absprache mit dem Kanton ausgeführt», schreibt das Stadtpräsidium. Aber: «Bauliche Eingriffe, wie beispielsweise das Entfernen der Betonelemente im Sohlen- und Böschungsbereich, können erst nach Auflösung der ‹Brühlland-Genossenschaft Solothurn› umgesetzt werden.»

Beim Wildbach sind dieses Jahr 50'000 Franken für die Erarbeitung eines Konzeptes budgetiert. Dabei soll die technische Machbarkeit, wie beispielsweise hinsichtlich Hochwasserschutz, eruiert werden.

Es soll eine Flutmulde entstehen

Neben den drei Wasserläufen soll nach der Sanierung im Teilgebiet «Oberer Einschlag» eine grosszügig dimensionierte Flutmulde entstehen. Der Standort sei ideal, da er sich in der Schutzzone Witi befinde und die Bodenbeschaffenheit mit Gleyböden gut sei. Geplant ist, mit der Mulde neue Lebensräume für Kreuzkröten, Laubfrösche, rastende Limikole, Weissstörche und eventuell auch Kiebitze zu schaffen. Jeweils im Frühling soll die Mulde mit Wasser, das aus dem Brunnengraben gepumpt wird, geflutet werden. Ende Sommer würde sie wieder trockengelegt und als Extensivwiese oder -weide landwirtschaftlich genutzt.

Der Erstunterzeichner der Interpellation, SP-Gemeinderat Konrad Kocher, zeigte sich begeistert von den Massnahmen. Die Pläne auf der Deponie «Oberer Einschlag» übertreffen gar seine Erwartungen. Er hoffe, dass der Kanton auch beim Wildbach mitziehen wird.

Sein Ratskollege, Heinz Flück (Grüne), wies an der Sitzung darauf hin, dass der Brühlgraben Abwasserüberlauf abführen muss, wenn die Kanalisation an ihre Kapazitätsgrenze stösst. Er hofft nun, dass die Aufwertung der Gräben auch das Problem des Schmutzwassers löst. Auch die Grünen seien erfreut über die Entwicklung in diesem Gebiet, hielt er fest.

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