Kofmehl-Areal
Gegner des neuen Coop-Centers wehrte sich 2002 schon gegen das Kofmehl

Der lange Leidensweg zu einem neuen Coop-Center auf dem Kofmehl-Areal dürfte sich noch über Jahre hinziehen. Ein Anwohner wehrt sich gegen das Projekt und seine Beschwerde muss zuerst abgehandelt werden. Das Baugesuch soll nun erst Ende 2016 folgen.

Wolfgang Wagmann
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Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn 1981 war der Schrottplatz der Otto Kofmehl AG noch in Betrieb
11 Bilder
Das Kofmehl-Areal 1981
Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn
Das alte Kofmehl und der Bürorakt von Hansruedi Bader vor dem Abbruch 2004
Die Kofmehl-Leute verabschiden sich im Frühling 2004 von ihrer alten Kulturfabrik
Das Areal 2006 nach dem Abbruch der Gebäude
Im Juni 2008 ist der geplante Coop-Center profiliert
Das Areal im Januar 2009
Im Juni 2012 erweckte eine Baubaracke den Eindruck, das hier wohl bald etwas passiere
Ringsum geht es vorwärts, doch auf dem Kofmehl-Areal scheint die Zeit still zu stehen
Sogar der Himmel scheint heute auf dem Areal Trübsal zu blasen

Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn 1981 war der Schrottplatz der Otto Kofmehl AG noch in Betrieb

Alois Winiger

Es liegt perfekt, das alte Kofmehl-Areal: zwischen den beiden Bahnlinien der BLS und SBB, direkt an der Westumfahrung. «2002 haben wir angefangen», erinnert sich Heinrich Ackermann.

Damals, als die Westumfahrung in einer Urnenabstimmung beschlossene Sache war. Und sich das Areal der ehemaligen Metallhandlung Otto Kofmehl AG plötzlich strategisch an günstigster Lage befand. Für die Marti AG als Grundeigentümerin die Chance, das Land neu zu nutzen.

Das Mandat dazu hatte schon damals Heinrich Ackermann von seiner Firma erhalten, jetzt ist der Mittsiebziger zwar längst pensioniert, aber immer noch in die Geschichte involviert. Sie lässt ihn nicht los, auch wenn er nicht mehr in der Hauptrolle aktiv ist.

Doch an der Ausgangslage hat sich seit 2002 nichts geändert: Noch immer ist die Marti AG Landeigentümerin, und Coop plant ein neues Einkaufscenter. «Wenn es dann einmal zustande kommt, wird Coop das Areal übernehmen.»

Und Ackermann hätte damit seinen damaligen Auftrag zu Ende geführt. Doch dagegen steht eine unerbittliche Anwohnerfront, die sich bisher erfolgreich gegen alle Baupläne gewehrt hat.

Ende 2016 das Baugesuch?

Letztmals offiziell ein Thema war das Coop-Projekt im August des letzten Jahres, als der Gemeinderat fast einstimmig sechs Einsprachen von Anwohnern abgewiesen hatte. Seither ist es ruhig geblieben, denn einer der sechs Opponenten legte dagegen Beschwerde beim Regierungsrat ein.

Und dieser hat sich dazu noch nicht vernehmen lassen. Was nicht nur Heinrich Ackermann nervt, sondern auch den Rechtsvertreter der Bauherrschaft, Theo Strausak: «Wir erhoffen uns jetzt einen Entscheid vom Regierungsrat bis zum 1. Dezember.»

Dies sei Voraussetzung, dass der gerade mit Coop abgesteckte Terminplan eingehalten werden könne. Der da lautet: bis Sommer 2016 müsste das Verwaltungsgericht, bis Ende 2016 das Bundesgericht entscheiden, wenn der Einsprecher weiterzieht.

«Und dann reichen wir das Baugesuch ein», bestätigt Strausak damit den Willen der Marti AG und von Coop, das einmal initiierte Projekt durchzuziehen. Dass der Rechtsweg um Bauhöhe, Verkehrserschliessung, Begrünung und andere Punkte weiter beschritten wird, dafür gibt es klare Indizien.

Denn 2012 waren die Konfliktparteien zusammengesessen und hatten einen gemeinsamen Nenner gesucht. Coop wäre sogar bereit gewesen, das Einkaufscenter zu redimensionieren.

Was wiederum von den städtischen Baubehörden nicht goutiert wurde: Coop solle so gross bauen, wie es die Zone erlaube – an dieser optimal erschlossenen Lage wolle man keine kleinere Baute.

Was allerdings für den absehbaren Weg durch die Instanzen belanglos geblieben wäre: Der noch verbliebene Einsprecher kündete schon damals an, er werde so oder so jedes Projekt weiterbekämpfen.

Zusatzschlaufe nach Blitzstart

Immerhin hatte der notorische Einzelkämpfer gegen Projekte aller Art, darunter auch eine Natelantenne in der Weststadt, 2010 einen speziellen Triumph über Coop errungen: Das Bundesgericht hiess seine Einsprache gegen das Projekt wegen eines Formfehlers gut – der Kanton habe es versäumt, das geplante Einkaufscenter in den kantonalen Richtplan aufzunehmen.

Für Theo Strausak ein «klarer Fehlentscheid», habe doch das geplante Coop-Center mit einer Verkaufsfläche von 6500 sowie weiteren 1480 Quadratmetern für eine Mall und den Gastrobereich die für die Richtplanfestsetzung erforderlichen 10 000 Quadratmeter eindeutig unterschritten.

«So gesehen müsste ja sogar der Cherzejeger im Richtplan aufgeführt werden, weil auch er auswärtige Kundschaft anzieht.»

Wie dem auch sei: Das ganze Planungsverfahren begann wieder auf Feld eins. Dabei hatte Heinrich Ackermann 2004 Nägel mit Köpfen gemacht: Die alte Kulturfabrik Kofmehl musste damals nach der Kündigung des Mietvertrags wie der benachbarte Bürobau dem Bagger weichen.

Aus heutiger Sicht hätte das alte «Köfu» also noch zehn Jahre stehen bleiben können. So aber wurde schon im April 2005 die neue Kulturfabrik Kofmehl nach dem rasant durchgezogenen Realisierungsprozess eröffnet.

Ironie der Geschichte: Zuvor hatte der Verhinderer der Coop-Pläne einen erbitterten Kleinkrieg gegen den seit den Neunzigerjahren etablierten Kulturbetrieb in der alten Kofmehlhalle geführt. Seit dem Mai 2004 hat der Anwohner nun seine Ruhe – und das wohl noch auf Jahre hinaus.

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