Solothurn
Gefährdeter Glögglifrosch erhält mehr Platz - und darf bald ins Paradies im alten Steinbruch

Der stark gefährdete Glögglifrosch bekommt mehr Lebensraum im alten Steinbruch der Zettergrube. Alleine wird er in dem noch unbewohnten Teich jedoch nicht sein.

Judith Frei
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Alain Imoberdorfer, Sergio Winiger und Jonas Lüthy (von links) am neuen Weiher in der Zettergrube.

Alain Imoberdorfer, Sergio Winiger und Jonas Lüthy (von links) am neuen Weiher in der Zettergrube.

CH Media

«Soeben habe ich einen Glögglifrosch aus den Fängen einer Ringelnatter gerettet», sagt Jonas Lüthy vom Kantonalen Amt für Raumplanung augenzwinkernd. Er steht in der alten Steingrube in der Nähe der Verenaschlucht, in der sogenannten Zettergrube in St.Niklaus. Die kleine Schlange habe den jungen Frosch schon beinahe verspeist, als sie durch den Besucher erschreckt wurde.

Der kleine Frosch sitzt geduldig auf Lüthys Hand, der ihn wieder in den kleinen Weiher in der alten Steingrube entlässt. Von diesen stark gefährdeten Fröschen findet man hier viele. «Dieses Jahr hat es wieder viele Frösche und Kaulquappen hier», erklärt Alain Imoberdorfer, Forstbetriebsleiter ad interim der Bürgergemeinde, zufrieden.

Der junge Glögglifrosch ist dem Tod vom Karren gesprungen.

Der junge Glögglifrosch ist dem Tod vom Karren gesprungen.

Hanspeter Bärtschi

Die Steingrube soll aber nicht nur ein Zuhause für den Geburtshelferkröte, oder auch Glögglifrosch genannt, sein, sondern auch für Feuersalamander, hungrige Ringelnattern und andere Tiere. Die Bedingungen in der stillgelegten Steingrube seien immer besonders gut für Amphibien, da sie sich gern zwischen den Steinen verstecken.

Ein Gewässer sei für den Glögglifrosch wichtig, aber genau so wichtig sei der «Landlebensraum», da diese Froschart die Eier an Land ausbrütet. Denn das Männchen bindet sich die Eier um die Beine und verkriecht sich zum Brüten unter einen Stein. «Wir haben hier mal einen Stein angehoben und darunter ein gutes Dutzend Geburtshelferfrösche gefunden», erklärt Lüthy.

Ein Amphibienlaichgebiet mit nationaler Bedeutung

Nicht nur der Kanton weiss, dass dieses Gebiet besonders günstig für die Artenvielfalt ist. Das Bundesamt für Umwelt hat es in sein Inventar der Amphibiengebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Dort sind die wichtigsten Fortpflanzungsgebiete für Amphibien der Schweiz aufgelistet. In der Schweiz gibt es insgesamt 929 solcher Gebiete.

Der Bund beauftragt die Kantone, für deren Schutz und Unterhalt zu sorgen. Der Kanton Solothurn arbeitet eng mit der Besitzerin dieses Naturreservats, der Bürgergemeinde Solothurn, zusammen. Das Ziel ist es, den Lebensraum für gefährdete Tierarten zu vergrössern. Dafür wurde in der Steingrube ein weiterer Weiher erstellt. Die ungefähr 15'000 Franken für dieses Projekt hat der kantonale Natur- und Heimatschutzfonds bezahlt, umgesetzt hat es dann die Bürgergemeinde.

Ein kleiner Tümpel und lose Steine sind das Paradis

Der Laie sieht ein kleines Wasserloch, rundherum liegen lose Steine, einige sind wie eine Mauer aufeinandergelegt. «Viel mehr will ein Glögglifrosch gar nicht», erklärt Lüthy. Er braucht die Steine zum Brüten und dann dass «Larvengewässer», wo die Kaulquappen schlüpfen.

Der Weiher ist erst zur Hälfte gefüllt. «Das ist alles nur Regenwasser», erklärt Imoberdorfer. Wenn bis zum Winter der Pegel nicht noch ein wenig steigt, wird die Bürgergemeinde ihn noch künstlich auffüllen. Der Teich soll im Winter nie ganz gefrieren und im Sommer darf er nie austrocknen. «Wenn er ein Meter tief ist, dann ist es gut», so Imoberdorfer. Dass der Teich nicht gefriert, ist wichtig, da der gefährdete Frosch im Wasser überwintert.

Ein Gebiet für die Natur, der Mensch wird aber geduldet

Heute ist der Weiher noch unbewohnt. Nächsten Frühling sollen dann die ersten Bewohner kommen: zuerst der Grasfrosch und dann hoffentlich auch der Glögglifrosch. «Der kommt ganz bestimmt», meint Lüthy. Die Erfahrung habe ihm gezeigt, sobald die Bedingungen stimmen, dann käme der gewünschte Frosch immer.

Das Gebiet ist als Lebensraum für die gefährdeten Tiere gedacht. So erinnert ein Schild am Eingang des Steinbruchs, dass man hier kein Feuer machen soll, Fahrradfahren und auch sonst keine Eingriffe in die Umgebung machen darf. «Natürlich sind alle Leute willkommen, die hier Frösche und Ringelnattern beobachten wollen, doch man muss hier auf die Umwelt besonders Acht geben», meint Imoberdorfer.