Freitagsgalerie Solothurn

Gefässe sind seine «Lebenslinien»

Roland Adatte zeigt in der Freitagsgalerie seinen neuesten Zyklus mit Gefässen. Hansjörg Sahli

Roland Adatte zeigt in der Freitagsgalerie seinen neuesten Zyklus mit Gefässen. Hansjörg Sahli

Roland Adatte zeigt seit langem wieder neue Arbeiten in der Freitagsgalerie Solothurn.

Ja, die Gefässe – sie beherrschen konsequent und ungebrochen Roland Adattes Bildsprache. Sie sind das Markenzeichen, das einzige Motiv und so einfach in der Form wie Archetypen. Konsequent wie komplex in der Malerei als treibende, antreibende Kraftquelle.

Das Leben ist ein Krug, der Kopf ein Gefäss, das Herz zeigt seine Lebenslinien. Die scheinbare Eindeutigkeit der Inhalte ist so eindeutig nicht, sie befinden sich in ständiger Metamorphose. Es sind Metaphern für das Geheimnisvolle des Lebens, für Roland Adattes Leben. Die Farbgebung, der malerische Duktus, das formale Wesen, sanft, transparent, heftig, sich vernetzend, geballt oder fliessend, stehen für sich und für eine Geschichte. Sie sind Ausdruck und Projektionsfläche des Ringens mit den Farben, der endgültigen Form, der malerischen Befreiung – mit sich, dem Leben als sich immer neu formendes und den Bildträger füllendes Gefäss.

Wandlungsfähigkeit der Form

Roland Adatte wurde 1951 in Olten geboren und wuchs in Balsthal und Solothurn auf. Er begann erst 30-jährig autodidaktisch mit dem Malen, ist unter anderem geprägt von Rolf Spinnler, mit Martin Disler verband ihn eine Seelenverwandtschaft. Auch wenn man über Jahre mit seinem Werk vertraut ist, so wird man als Betrachter immer wieder berührt durch die Wandlungsfähigkeit, mit der die Urform Gefäss Lebensmomente beschreiben und die Betrachtenden mit einbeziehen.

Schicksalhaft scheinen diese Gefässe nun, feinhäutig und verletzlich. Zerbrechlicher, metaphysisch, aber auch präsent oder widerständisch. Markante Konturen formen in blutrote Farbenmelange getauchte skelettartige Körper; der heftig gesprenkelte Hintergrund lässt an Lebensadern denken, wie überhaupt die «Herzblätter» an schicksalhafte Farbklangkörper mahnen. Es sind Gestalt annehmende Lebenserfahrungen – wehrhaft verflochten, kompakt im verschlossenen Dinglichen, denen allein die Öffnung ein Blick ins Innere zulässt.

Ein existenzieller Akt

Die «Illusion» eröffnet an der Längsfront der Galerie ein Orchester malerischer Intensität, die Gefässe sind dicht, schwer, mit dezent sich auflösenden Konturen und doch irgendwie schwebend, ahnungsvoll vor dem lichten Hintergrund. Jeder Bildentstehungsprozess ist für einen Künstler wie Roland Adatte ein existenzieller Akt. Jedes Bild Adattes, wann immer man es sieht, zeigt das Malen als expressive Bewusstseinsäusserung, als Gefäss gewordene Lebenslinien.

Besonders eindrücklich ist, wenn sich die Gefässe aus spitzen, schwarzen Strichen körperhaft verdichten oder sich wie in «Grand Montana» Dornenkronen stacheldrahtartig vernetzen. Zügig wie heftig auf das Papier gesetzte, korbartig geflochtene Gebilde aus martialisch anmutenden «Lebenslinien», die sich auch wieder in einer zart nuancierten Körperlichkeit offenbaren.

Bis 8. April. Geöffnet: Freitag, 16–20 Uhr od. n. tel. Vereinbarung, 032 622 64 34 (Galerie).

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