Solothurn
Gäste sind unzufrieden mit der Küche im Kongresszentrum Landhaus

Das Kongresszentrum der Stadt Solothurn leidet unter der schwankenden Qualität der Küche im Palais Besenval. Die Anlassbuchungen gehen zurück. Ein direkter Ansprechpartner fehlt.

Wolfgang Wagmann
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Das Landhaus und das Palais Besenval sind betrieblich eine Einheit, was nicht immer reibungslos funktioniert.

Das Landhaus und das Palais Besenval sind betrieblich eine Einheit, was nicht immer reibungslos funktioniert.

Wolfgang Wagmann

Nicht erfreut über diesen «massiven Blechschaden» in der Besenvalküche zeigte sich Samuel Hofer, Ober der Narrenzunft Honolulu, in einem Brief an die Hilari-Gäste in der Säulenhalle. Offenbar war der Dreigänger völlig missraten, und der Servicechef entschuldigte sich mit einen Preisnachlass von 61 auf noch 45 Franken.

Ob damit der Fasnachtsanlass, den vor allem ehemalige «Krone»-Gäste wegen des Umbaus im Landhaus besuchen, weiterhin dort durchgeführt wird, ist mehr als fraglich. Hofers Brief schliesst vielsagend: «Wir entschuldigen uns dafür und hoffen, weiterhin auf Ihre Treue zählen zu können ... ...in welcher Lokalität das 2018 auch immer sein wird.»

Rückläufige Anlässe

Nun, neu sind solche Reklamationen nicht. Aber jetzt wird es offenbar der Stadt als Landhaus-Besitzerin und -Vermieterin zu bunt. Stadtpräsident Kurt Fluri kanzelte am Torismusforum vom Montagabend die Hotelkette Ramada – mit der Besenval-Küche auch fürs Landhaus zuständig – regelrecht ab.

Ein komplexes Konstrukt mit einer Schwachstelle

Als die Seminarmeile Ende 2006 nach dem Neubau des Seminarhotels Ramada, dem Umbau des Palais Besenval und des Landhauses den Betrieb aufnahm, hatten drei Partner einen komplexen Werdegang abgeschlossen. Die Stadt hatte als Eigentümerin das Landhaus in die «Ehe» eingebracht, der Kanton das Palais Besenval und dieses im Baurecht an die Credit Suisse Asset Management abgegeben.

Die Immobiliengesellschaft wiederum hatte das neue Hotel gebaut und die Hotelkette Ramada als Betreiberin des gesamten Konstrukts verpflichten können. Das Landhaus wurde von der Stadt an Ramada verpachtet und man verzichtete dort fortan auf eine eigene Küche und begnügte sich mit einer Fertigungsküche. Die eigentliche Küche wurde im Palais Besenval eingerichtet, das auch als öffentliches Restaurant geführt werden sollte und über einen Anlieferungstunnel mit dem Landhaus verbunden wurde.

In der Folge zeigte sich aber zunehmend, dass das Palais Besenval als Restaurant mehr schlecht als recht funktionierte. Zuletzt wurde es im Winter gar für Individualgäste geschlossen und zwischenzeitlich ein allerdings wieder beendeter Partybetrieb zugelassen. Ein Versuch von Ramada, den Restaurationsbetrieb im Besenval auszulagern, scheiterte schon bald, weil der Pächter Konkurs ging.

Die Situation wurde nicht besser, als Ende 2015 der langjährige Direktor Daniel Siegenthaler das Ramada Solothurn verliess und sein Nachfolger Thorsten Brand im Oktober des letzten Jahres aus familiären Gründen Solothurn auch bereits wieder Ade sagte. (ww)

Der Hintergrund ist nicht nur der abverheite Hilari-Abend. «Ja, wir haben einen Rückgang an Anlässen im Landhaus», bestätigt der dafür zuständige Stadtschreiber Hansjörg Boll. So sanken die Belegungstage im Landhaus ohne das Haus am Land (Jugi) von 568 Tagen 2015 auf noch 503 im letzten Jahr.

Der grosse Saal war noch an 146 statt 160 Tagen gebucht, in der Säulenhalle sank die Zahl von fast 200 auf noch 165 Tage. «Es ist nicht immer das Essen. Auch die Zufahrt zum Landhaus spielt eine Rolle, vor allem, dass es am Samstagnachmittag eine Spezialbewilligung braucht. Zudem ist das Seminargeschäft härter geworden», beobachtet Boll allerdings im andern städtischen Veranstaltungsraum, dem Konzertsaal keinen Rückgang der Anlässe.

Der wohl grösste Wegzug aus dem Landhaus war derjenige der AEK, wobei auch hier der Stadtschreiber nicht nur die Qualität des Essens als Ursache sieht. «Ich nehme an, die Firma wollte auch vermehrt ihre Partnergemeinden berücksichtigen.»

Keinen Ansprechpartner

Hansjörg Boll zeigt auf einen Ordner Umfrageblätter von Landhausgästen. Sie bewerten die Kriterien Reservation und Information – zuständig dafür ist Region Solothurn Tourismus –, dann die Gastronomie sowie die technische Infrastruktur. «Es gab schon immer Reklamationen. Aber seit Direktor Daniel Siegenthaler weg ist, sind sie häufiger geworden», stellt der Stadtschreiber fest.

Als man zuletzt zu einer Sitzung mit den Ramada-Betreibern zusammenkam, wurde lediglich bekannt gegeben, dass Siegenthalers Nachfolger, Thorsten Brand, Solothurn schon wieder verlasse. «Und so fehlt uns ein direkter Ansprechpartner», verweist Boll auf nur sporadische Besuche des Ramada-Direktors von Basel und Zürich oder dessen Vorgesetzten aus Deutschland, die wir am Dienstag um eine Stellungnahme zu Solothurn gebeten haben – bisher ergebnislos.

So verlange Stadtpräsident Kurt Fluri eine neuerliche Sitzung mit den Ramada-Verantwortlichen, auch wenn diese versichert hatten, Ramada wolle am Palais Besenval festhalten. Allenfalls müsse auch der Vertragspartner Credit Suisse, dessen Immobilienfonds die Seminarmeile erst ermöglicht hat, einbezogen werden. Das sei bisher nicht der Fall gewesen, meint der Stadtschreiber.

Druckmittel hat die Stadt kaum, den komplexen Vertrag aufzulösen, werde laut Boll «sehr schwierig». Und so steht für ihn auch im Raum, ob die beiden Häuser, was die Küche anbelangt, wieder getrennte Wege gehen oder gar das Modell Konzertsaal zum Tragen käme: Jeder Anlassveranstalter kann den ihm zusagenden Caterer ordern.

Den Kommentar zum Thema gibts hier.

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