Stadt Solothurn

Garten des Kunstmuseums wird zum Gemüse-Feld für die breite Bevölkerung

Bald ein Pflanzplätz: das Vorgelände des Kunstmuseums mutiert zum Gartenprojekt.

Bald ein Pflanzplätz: das Vorgelände des Kunstmuseums mutiert zum Gartenprojekt.

Nächstes Jahr wird in Solothurn eine spezielle Kunstaktion durchgeführt: Vor dem Kunstmuseum wird Gemüse angebaut und ein Hühnerhof platziert. Die Bevölkerung ist eingeladen beim Projekt mitzuwirken. Ein Koch-Fest wird die ganze Aktion abschliessen.

Dass im Museumspark und im Schanzengraben Kartoffeln wachsen, gab es letztmals im Zweiten Weltkrieg: Als Strategie zum Lebensmittelanbau – auch «Anbauschlacht» genannt – wurden die dortigen Grünflächen kurzerhand zu Ackerland umfunktioniert. Dies war eine Idee, die der damalige Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen ersonnen hatte.

Ein ähnliches Bild wird sich im Museumspark nördlich der Altstadt ab kommenden März bieten, aber aus anderem Beweggrund: Hinter dieser modernen Anbauschlacht steht keine Not, die sich aus der Sorge vor Nahrungsmittelenpässen gibt. Vielmehr handelt es sich um ein Kunstprojekt, das von Max Bottini unter dem Namen «erntema(h)l» erdacht wurde. Es ist dies ein Aussenprojekt des Kunstvereins Solothurn, wie es im Drei- bis Vierjahresturnus stattfindet.

«Damit wollen wir etwas für den Kunstverein und für die breite Bevölkerung bieten», sagt Anna Bürkli, Vizepräsidentin des Vereins. «Wie oft fokussieren wir uns dabei nicht auf einen heimischen Künstler, sondern auf einen auswärtigen Kunstschaffenden.» Der Thurgauer Künstler und Koch Bottini, der sich seit den frühen Neunzigerjahren mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Kochen befasst, kam beim Aussenprojekt als Projektorganisator in die Kränze.

Hühner werden geschlachtet

Ab Oktober werden südwestseitig des Kunstmuseums die 36 Beete angelegt, während südostseitig ein Hühnerhof mit Freilaufgehege installiert werden soll. Nächsten Mai wird dann angepflanzt.

Die ganze Installation mündet in einem Museumsfest, das am Samstag, 10. September 2016 als Kochaktion über die Bühne geht. Dabei werden die geerntete sowie weitere mitgebrachte Speisen auf zwölf Kochstationen zubereitet. Auch die aufgezogenen Hühner werden als Teil des Kunstprojekts fachkundig geschlachtet.

Bottini sei ausserdem bekannt dafür, bei seinen initiierten Projekten eine breite Masse an Menschen als mitwirkendes Netzwerk einzubeziehen. So ist die Bevölkerung eingeladen beim Einrichten, bei der Pflege und bei der Ernte der Erträge mitzuwirken. Angefragt werden sollen auch Schulen und Altersheime. Durch die Zugänglichkeit des Themas sollen auch Menschen mit wenig Berührungsfläche zur Kunst angezogen werden.

Die Gemeinschaftlichkeit ist ein wichtiger Teil von Bottinis künstlerischer Gesamtaussage – dies nicht zuletzt als Kontrast zum Urban Gardening, mit dem heute eher Individualität zelebriert wird. Damit folgt Bottini der Vorstellung der «sozialen Plastik», die hier auf der derzeitigen Grünfläche im Sinne einer Performance- und Aktionskunst entstehen wird.

Darunter mischen sich andere Themen, denen sich Bottini wiederkehrend widmet: Es geht um kritische Assoziationen zur Lebensmittelproduktion, zur Nahrungssouveränität, zu Spekulationsgeschäften auf Lebensmitteln, zur Biodiversität, sowie zur Gemüse- und Fleischproduktion als Spannungsfeld eines mehr denn je aktuellen Diskurses. Ferner geht es um den Prozess von der Produktion bis zum Konsum. Gestalterisch nimmt Bottini die Thematik der Gartenbauästhetik auf und kokettiert so auch mit der Grenze zwischen Zier- und Nutzfläche.

2017 wieder ein Museumspark

Finanziert wird das Projekt durch den Kunstverein Solothurn, den Kanton Solothurn und den Kanton Thurgau. Darüber hinaus ist das Fundraising zum Projekt derzeit in vollem Gange. Bei «Erntema(h)l» handelt sich um eine flüchtige, nicht kommerzielle Umnutzung des Museumsparks, die von den Behörden genehmigt wurde. «Ein Problem entstünde erst dann, wenn wir eine permanente Umgestaltung des Museums-Parkes in einen Garten erwirken wollten», sagt Bürkli. Der Rückbau zum alten Museumspark ist auf den Zeitpunkt nach der Ernte im September 2016 geplant.

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