Stadtbummel Solothurn

Ganze Reihe von guten Tagen

Hilari Morgen in Solothurn mit der vereinigten Narrenschar aller Zünfte.

Hilari Morgen in Solothurn

Hilari Morgen in Solothurn mit der vereinigten Narrenschar aller Zünfte.

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen. Da hat er recht, der alte Goethe, dem dieses Sprichwort zugeschrieben ist. Wo aber hört eine solche Reihe auf, wo fängt die nächste an? Dazu hat sich der Dichterfürst allerdings nicht geäussert. Eine berühmte solche Reihe haben wir über die Festtage hinter uns gebracht. Das war allenthalben auch auf Strassen und Trottoirs zu sehen, denn nicht jeder hat nach Hause getragen, was er verzehrt hat.

Ganze Reihen guter Tage sind schon wieder ausgebrochen. Öppe so wie jedes Jahr hat’s an Hilari (13. Jänner) angefangen: Der fasnächtliche Urschrei «Plaagedddee» erschallte tags zuvor. Männiglich freute sich, ausser jenen, welche die Plakette für ein Abzeichen und das Gebrüll für überflüssig halten. Und für viele jener, die finden, in unserem Städtchen sei nichts los. Das Befestigungssystem der silbernen Auszeichnung mittels der beiden Pin (Kegelstecker, nicht Personalidentifikationsnummer) stösst auch noch immer nicht bei allen auf Gegenliebe, insbesondere nicht, wenn sie dafür ungeeignete Stoffe tragen. Doch hilft sich manch einer, indem er die Plakette wie einen Orden am Band um den Nacken hängt.

Der Hilari war an diesem Sonntag noch besser zu vernehmen, als wenn er auf einen Werktag fällt. An diesem 13.1. treten im Appenzellerland die Silvesterkläuse auf, früher ein Zeichen des Widerstandes, dass man sich wegen des Gregorianischen Kalenders nicht aus Rom die Feiertage diktieren lassen wolle. Widerstand auch bei uns? Ja. Gegen schlechte Laune – auch wenn es kaum etwas Ernsthafteres gibt als Fasnacht.

Die nächste Reihe guter Tage vereinigt Freundinnen und Freunde der Celluloidzunft (auch wenn das meiste heutzutage digital daherkommt) zu den Filmtagen. Mit leicht entrücktem Blick werden sie durch die Gassen von Spielort zu Spielort eilen - vermutlich auch wieder einheitlich individuell gekleidet. Der Bummler hofft für sie auf viel Interessantes und Neues, Spannendes – und auf gute Gespräche mit ihnen in etwas
Musse.

Radikaler Szenenwechsel: Es werden – im Verborgenen fast – auch noch Schweizer Meisterschaften im Schiessen durchgeführt, im Brühlschulhaus. Bitte nicht staunen! So gross ist die Turnhalle denn doch nicht, dass etwa auf 50 oder gar 300 Meter geschossen würde. Es handelt sich um die von der Abteilung Leistungssport des Solothurner Schiesssportverbandes organisierten Meisterschaften auf 10 Meter Distanz. Das Schulhaus kehrt zu seinen Wurzeln zurück: Als Projekt hiess es «noidats», was hingerzi «Stadion» gelesen wird.

Der Nouvelle-Vague-Film von François Truffaut forderte «Schiessen Sie auf den Pianisten». Aber bitte nicht auf Fasnächtler, die manchmal etwas scharf schiessen.

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