Da sind sie wieder, Hanspeter Bader und Jens Wachholz, die beiden Profischauspieler, die dafür sorgen, dass im Uferbau herzhaft gelacht werden kann. Witzig, tiefsinnig und einfallsreich schlüpfen sie in die Rolle von zwei gescheiterten Schauspiel-Existenzen, die der Herbst des Lebens eingeholt hat.

Eine menschliche Tragödie, eingepackt in ein Theaterstück, in das auch das Publikum mit einbezogen wird. Denn dieses ist nicht irgendwer, sondern es sind selbst Theaterschaffende, die sich ansehen und anhören müssen, was geschieht, wenn das Scheinwerferlicht auf Menschen fällt, die mal leise, mal laut, mal energisch, mal träge gegen verpasste Chancen im Leben und das Älterwerden aufbegehren.

Der ominöse «leere Raum»

«Das kleine Welttheater», wie Hanspeter Bader, Jens Wachholz und Regisseur Pedro Haldemann ihren neusten Coup nennen, ist angelehnt an das Mysterienspiel «Das grosse Welttheater» von Pedro Calderon de la Barca, in dem jeder (Schauspieler) seine Rolle in der Welt realisiert und so reagiert, wie es seine sozialen und moralischen Lebensumstände vorgeben. Doch da ist vorerst der auf der Bühne wahrnehmbare «leere Raum», in dem sich Wachholz und Bader bewegen und den der geniale britische Theaterregisseur Peter Brook in seinem bekannten Essay «Der leere Raum» als kreativen Prozess beschreibt, in dem sich die gesamte Welt widerspiegelt.

Ein paar Gegenstände würden reichen, um im Kopf eine komplette Welt entstehen zu lassen, ist Brooks überzeugt. Nach diesem Muster agieren auch Bader und Wachholz, die am Boden ein Schnitzelchen Papier entdecken, bevor der erste Stuhl, ganz in Weiss, auf die nackte Bühne gestellt wird. Dieser Stuhl genügt, um nach und nach banale Geschichten zu erfinden, mit denen sich auch das Publikum identifizieren kann.

Wie immer haben sich die beiden Protagonisten hervorragend in ihre Rollen hinein gearbeitet – diesmal ganz nach dem Motto: Wenn ich einen leeren Raum zulasse, aushalte und ein bisschen warte, werden mir Geschichten einfallen, die mich behutsam zu mir selber führen. Diese Geschichten lassen nach und nach auch andere reinweisse Stühle und Tische zu, aber auch Worte, die im Raum nachhallen. «Am Anfang war das Wort», beginnt Hanspeter Bader diesen anderen Teil des kleinen Welttheaters und liefert gleich nach, wozu Worte taugen, welche nötig und welche überflüssig sind und welche gar aussterben. Zu Wort kommen auch Wortgewaltige wie Lessing, Goethe und Shakespeare, um nur einige zu nennen.

Aus der Karrieretraum

Doch eigentlich sind das Spiel mit grossen Worten und die verschiedenen Aufheiterungen nur eine Ablenkung vom schleichenden Alterungsprozess, der sich nebst Worten auch in Gestik, Mimik und Stimmungsschwankungen bemerkbar macht. Hervorragend, und immer mit dem Ziel, das Publikum zum Lachen zu bringen, laufen die verschiedenen Szenen ab, die, wären da nicht die zahlreichen Belustigungen, einer Tragödie gleichkommen. Alles Schreien, Säuseln, Aufblasen und Sich-überlegen-fühlen täuscht nicht darüber hinweg, dass sich der grösste Teil der Geschichte auf der eigenen Lebensbühne im Alter nicht mehr ändern lässt und akzeptiert werden muss. Für die beiden Protagonisten auf der Bühne im «Uferbau» heisst das auch: Aus der Traum von einer grossen Karriere. Oder mit den Worten von Hanspeter Bader selbst: «Die einen haben einen Stern im Telefonbuch, die anderen einen in Hollywood.»

Das jüngste Theaterstück «Das kleine Welttheater» von Hanspeter Bader und Jens Wachholz unter der Regie von Pedro Haldemann ist den vorangegangenen, überaus erfolgreichen Eigenproduktionen ebenbürtig. Es ist ein Aufsteller und lebt von unzähligen Gags und Bezügen zur Region. Den lang anhaltenden Applaus hatten die erfahrenen und sattelfesten Schauspieler mehr als verdient.