Solothurn

«Fussballer sind Mimosen»: Wenn sich Schwingerkönig und Kulttrainer freundschaftlich aufs Maul geben

Unterhaltendes Trio (v. l.): Alex Miescher, Hanspeter Latour und Matthias Glarner.

Unterhaltendes Trio (v. l.): Alex Miescher, Hanspeter Latour und Matthias Glarner.

Welcher Sport ist besser, Fussball oder Schwingen? Kulttrainer Hanspeter Latour und Schwingerkönig Matthias Glarner lieferten sich in der Regiobank ein Streitgespräch unter Sportfreunden. Eingeladen hatte der Rotary-Club Solothurn-Land.

«Das Schwingen wird überbewertet. Beim FC Solothurn trainieren die Fussballer in der 1. Liga intensiver als die meisten Kranzschwinger.» So lautete Hanspeter Latours These. Dazu Matthias Glarners Antithese: «Fussballer werden verhätschelt. Das einzige, worum sie sich neben dem Training kümmern müssen, ist die Frisur.» Mitten drin Alex Miescher, der dritte wortgewandte Sportler, der als Schwimmer begann und nun Generalsekretär des Schweizer Fussballverbandes ist.

«Das beste beim Schwingen ist, dass immer ein Schweizer gewinnt», begann der Bergdoktor – so nannte man Latour liebevoll beim 1. FC Köln – seinen ironischen Rundumschlag gegen Ihre Majestät, den einzigen König der Schweiz. «Fussballer sind Mimosen», entgegnete der ebenfalls nicht mundfaule Schwinger Matthias Glarner. «Und ich muss es schliesslich wissen, ich habe einen Bruder und eine Schwester, die dem Ball nachrennen.» Zur Erinnerung: Sein Bruder Stefan Glarner ist Profi beim FC Thun. Aber dann verschwamm die rhetorische Grenzlinie zwischen den beiden Sportidolen rasch. Kultfigur Latour ist heute Mentaltrainer seines Freundes Thomas Sempach, der vor einem Monat den Brünig-Schwinget gewann. «Ich schaue mir sehr gerne Fussballspiele meines Bruders an, gerade weil es eine ganz andere Welt ist», gab Glarner zu.

Kein Verständnis für Pyros

Einig war man sich auch in Punkto Respekt und Fairplay: «Es ist schlimm, wenn ich von einem Vater höre, dass er sich wegen der Chaoten mit seinem Sohn nicht mehr ins Stadion traut», sagte Latour. «Die Leute, die Pyros zünden, kann ich nicht verstehen», stimmte Glarner bei. «Bei den Schwingern würden die Zuschauer das Problem selber lösen. Die wissen noch, wie man einen brunnentröglet», meinte Latour. Glarner relativierte sofort. «Auch beim Eidgenössischen in Estavayer wurden Pyros gezündet. Nur gehen die Medien ganz anders damit um. Niemand hat damals über diese Pyros berichtet.» Da warf Moderator Alex Miescher eine provokative Frage in die Arena: «Wäre das auch so, wenn ein Schwinger aus dem Balkan im Schlussgang gestanden hätte?»

So wogte das muntere Streitgespäch hin und her und sowohl Hanspeter Latour, der seine Trainerlaufbahn einst beim FC Solothurn begonnen hatte, als auch Matthias Glarner, der kürzlich bei einem Fotoshooting aus einer Gondelbahn gefallen ist, zeigten sich am Ende einig: «Um Erfolg zu haben, braucht es Talent, Fleiss und etwas Glück. Und das Glück muss man sich mit noch mehr Fleiss verdienen.»

Bevor es zum Apéro riche überging, präsentierte Latour sein zweites Buch mit dem Titel: «Das isch doch e Schwalbe!» Darin geht es aber nicht um Fussball, wie beim ersten Buch «Das isch doch e Gränni!» Seit er sich zur Ruhe gesetzt hat, ist Latour Tierfotograf und beschreibt seine Naturbeobachtungen.

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