Solothurn

Fussball-WM und Märetfescht - das passt einfach nicht zusammen

Bisher gabs am grossen Stadtfest jedes Mal Pleiten, Pech und Pannen.

Märetfescht und Fussball? Geht nicht. Obwohl es immer wieder versucht wird. Doch die Festhütte Solothurn hat noch nie funktioniert, wenn es nur um das eine ging: den Sieg an einer Fussball-WM oder -EM.

Brasilien haben wir erfolgreich hinter uns, doch am Freitag tut sich eine echte Stolperfalle auf: Eine Niederlage gegen Serbien wäre wohl das Aus. Nicht daran zu denken. Doch – es ist Märetfescht. Und da jagte bisher ein Desaster das andere. Wir blicken zurück, auf all die Festabende, die im Katzenjammer endeten.

Das kommt uns spanisch vor

Samstagabend, 2. Juli 1994. Die Hauptgasse ist proppenvoll. Auch die Spiessli-Beiz der Narrenzunft Honolulu. Diese hat vorsorglich einen Fernseher unter die Beizbedachung gehängt. Doch im Service gibt es kaum etwas zu tun. Der WM-Achtelfinal gegen Spanien zieht alle in den Bann. Die Zeichen auf ein Weiterkommen in den USA stehen allerdings nicht gut.

Goalgetter Alain Sutter hat die Zehe gebrochen und fällt aus. Und so kommt es, wie es kommen muss: Schon in der 15. Minute schiesst Hierro die Spanier in Front. Ein Doppelpack nach der Pause bringt das Out – die Schweizer Nati unter Roy Hodgson muss nach Hause fahren.

Das Festpublikum in Solothurn ist noch schneller - um Mitternacht wirkt die Stadt fast menschenleer. Der wohl umsatzschwächste Märetfescht-Abend überhaupt wird für die Narrenzunft Honolulu Tatsache.

Das Glück des frühen Aus

Erst 2004 sind wir wieder dabei, an der EM in Portugal. Die Nati übersteht die Vorrunde nicht. Am Märetfescht-Samstag fiebern Griechen und Portugiesen auf das Finale tags darauf. Die Rehhagel-Truppe schafft die Sensation. Und 2006 geht am 26. Juni das Sommermärchen in Deutschland ebenfalls im Achtelfinale, fünf Tage vor dem Märetfescht zu Ende. Das Penaltyschiessen gegen die Ukraine in Köln war kein Zungenschnalzer – trotz Marco Streller.

Auch 2008 wird das grosse Altstadtfest nicht getrübt; die Schweiz ist schon in der Vorrunde ihrer Heim-EM gescheitert. Die 4500 Fans fassende UBS-Arena vor dem Baseltor hätte den Festbesuch wohl arg geschmälert, wäre die Nati noch im Rennen um den EM-Titel gewesen.

Gekicke bei der Suteria-Bar

Ganz anders 2010. Die Rotweissen haben unter Ottmar Hitzfeld sensationell Spanien, den späteren Weltmeister, zum Auftakt 1.0 geschlagen. Zwar ist man dann mit demselben Resultat gegen Chile als Verlierer vom Platz gegangen, aber nun, am Märetfescht-Freitagabend sollte es doch gegen das biedere Honduras zum notwendigen Sieg reichen.

Auch an diesem 25. Juni ist es trocken und warm, und vor der Suteria-Bar hat sich eine Fan-Traube gebildet, die den Match auf dem Bildschirm hinter dem Tresen verfolgt. Schon damals dabei: der blutjunge Xherdan Shaqiri. Doch auch seine Einwechslung bringt keine Impulse ins Schweizer Gekicke. 0:0 gegen den Fussballzwerg, aus der Traum! Erneut ist die Feststimmung in der Altstadt total gekippt.

Und noch zwei Dämpfer

Sorglos kann Solothurn 2012 das Märetfescht feiern – die Hitzfeld-Truppe hat die Qualifikation für die EM in Polen und in der Ukraine verpasst. 2014 dagegen ist man an der WM in Brasilien dabei. Und wieder steht ein kapitales Spiel an: Am Freitag, 20. Juni, ist die Erwartungshaltung am Märetfescht allerdings nicht riesig. Gegen Frankreich gibts eine harte Nuss zu knacken. Und prompt geht die Hitzfeld-Truppe trotz zwei späten Treffern von Dzemaili und Xhaka 5.2 ein.

Diesmal hält sich die Trauer in Grenzen – noch kann man das Weiterkommen aus eigener Kraft schaffen. Was prompt gelingt: Diesmal wird Honduras mit 3:0 nach Hause geschickt. Allerdings, das dramatische Achtelfinale danach mit der 1:0 Niederlage in der Verlängerung gegen Messis Argentinien hätte bestens zum Märetfescht gepasst…

Doch keine Sorge: Bereits 2016 ist die Bühne frei für den nächsten Märetfescht-Tiefschlag. Samstag, 25. Juni. Rotweiss tobt zwischen den Eiffeltürmen hinter der Reithalle. Kraftwürfel Shaqiri hat in der Luft liegend fliegend das herrlichste Tor der EM zum 1:1 gegen Polen erzielt. Das muss das Viertelfinale sein!

Doch es bleibt beim Märetfescht-Fluch. Xhaka verschiesst seinen Penalty. Solothurn wäre bereit gewesen, für die grosse EM-Party. Denn es ist noch früh am Abend, doch die meisten haben ihre Nati-Trikots in den Festbeizli schon wieder ausgezogen.

Und nun gegen Serbien. Schon wieder geht es um die Wurst. Freitag, 22. Juni, 20 Uhr. Immerhin: An diesem Tag schlugen die Eidgenossen 1476 Karl den Kühnen bei Murten. Ein gutes Omen. Dann gibts ja noch den dämlichen Kalauer «Serben bringen Glück».

Und wenn es wieder schiefgeht: 2022 in Katar werden wir am Märetfescht garantiert nicht trauern. Hat doch dieses noch nie im Advent stattgefunden. Die Fussball-WM auch nicht. Aber dann tschutten sie tatsächlich, wenns bei uns schneit. Vielleicht bleiben wir auch zu Hause. Könnte ja sein, dass wir ein entscheidendes Barrage-Spiel verloren haben. Im Juni 2022 – am Märetfescht.

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