Verkehrsplanung
Fuss- und Veloverkehr in Solothurn: Wo drückt das Pedal oder der Schuh?

Solothurn per Velo oder zu Fuss: Graue Panther diskutieren mit Verkehrsplaner das Langsamverkehrskonzept. Wo sind die Verkehrssituationen unbefriedigend oder sogar gefährlich? Und welche Verbesserungsvorschläge haben die Berater dafür parat?

Gundi Klemm
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Trotz der Bevorzugung des Veloverkehrs scheint die Werkhofkreuzung wegen der kurzen Grünphasen nicht nur für Autos Problemzone zu sein.

Trotz der Bevorzugung des Veloverkehrs scheint die Werkhofkreuzung wegen der kurzen Grünphasen nicht nur für Autos Problemzone zu sein.

Wolfgang Wagmann

Klaus Dörnenburg, Planer bei Sigmaplan Bern, stellte in seinem Impulsreferat die Zuständigkeiten der von ihm präsidierten stadtsolothurnischen Fach-Arbeitsgruppe (AG) «Fuss- und Veloverkehr» vor.

Das nicht politisch zusammengesetzte Gremium besteht aus Mitarbeitenden der Polizei, der Verwaltung und von Interessenvertretungen. Mit Susy Wanner sind auch die Grauen Panther an den Beratungen beteiligt, die jeweils nur zu Empfehlungen führen.

Doch laut Dörnenburg, der seit 30 Jahren in Solothurn lebt, konsultiert das Stadtbauamt die Erkenntnisse der Gruppe und setzt die Anregungen, wenn möglich, in Massnahmen zur Verbesserung des 2003 entwickelten Langsamverkehrskonzeptes um.

Drei Varianten fürs «Bipperlisi»

Konkret besteht die Aufgabe der Fachkommission, die auch auf der Homepage der Stadt zu finden ist, in der Beurteilung von Planungsvorhaben aus der jeweiligen Sicht von Fussgänger und Velofahrer sowie im Beobachten unbefriedigender Verkehrssituationen.

Eingeflossen ist die Arbeit der Gruppe bereits in etliche Projekte wie beispielweise in die Begleitung der Westumfahrung mit flankierenden Massnahmen für den Fuss- und Zweiradverkehr. Ein wichtiges Thema bildete in den letzten Jahren die Übergangsführung von Velostreifen.

Interessant bleibt weiterhin der künftige Umbau der Baselstrasse, für die in Berücksichtigung des Bipperlisi bereits drei Varianten vorliegen, die schwache Verkehrsteilnehmer schützen sollen.

«Wir in der AG sind Kontaktstelle für Bürgerwünsche im Strassenverkehr», fasste der Referent zusammen. Deshalb begrüsste er den gut besuchten Vortragsnachmittag der Grauen Panther, weil er aus diesem Teilnehmerfeld besondere Hinweise erwarten konnte.

Kleine Liste von Schwachstellen

«Wieso passieren Velofahrer die Innenstadt trotz Sperrzeiten?», lautete eine Feststellung. «Eigentlich geben Tafeln darüber Auskunft, wann eine Durchfahrt erlaubt ist und wann die Signalisierung zwingend auf den Abzweiger Judengasse/Schaalgasse hinweist, um das Zentrum mit innerstädtischem «Ypsilon» für Fussgänger frei zu halten», zählte Dörnenburg weitere Bedingungen der auf eine Geschwindigkeit von 20 km/h begrenzten «Begegnungszone» in der Alt- und Vorstadt Mitsamt der Hauptbahnhofstrasse auf.

Überall haben Fussgänger dort Vortritt und das Parken von Autos – ausgenommen die kurzzeitige Warenanlieferung – ist untersagt. Fragen aus dem Publikum betrafen die Tempo-30-Zonen. Ob dort nun grundsätzlich auf Fussgängerstreifen verzichtet werde? «Vor Schulen, Heimen und bei besucherintensiven Einrichtungen sind sie durchaus möglich», lautete die klare Antwort.

Die Trottoir-Kantsteine interessierten, weil sie für Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen eine deutliche Hürde darstellen. « Ich bevorzuge eine Abschrägung, die an vielen Stellen bereits realisiert ist», antwortete Dörnenburg. Für Sehbehinderte müsste aber weiterhin eine leichte seitliche Begrenzung mit ihrem Stock ertastbar bleiben.

Angemahnt aus den Reihen der Grauen Panther wurde auch, dass Velofahrer gegenüber Fussgängern mehr Rücksicht üben sollten. Eine Ankündigung mit der Veloklingel sei immer von Vorteil, befand der Referent, der indes betonte, dass das Zusammenspiel beider Verkehrsteilnehmergruppen zumeist gut klappe.

Mitleid mit Velofahrern

Als gefährlich wurde der Stadtausgang beim «Söitörli» bezeichnet, weil sich der Fussgängerstreifen am falschen Ort befinde. Neben der Korrektur könne eine Verkehrsinsel die Lage dort deutlich entspannen.

Mitleid hatten die Anwesenden mit Velofahrern an der Werkhofkreuzung. Wegen der Kürze der Ampelphase schaffen sie hinter mehreren PKW kaum die Weiterfahrt.

Zum «Juflen» führe auch die Ampeleinstellung am Bahnhofsplatz, befanden Votantinnen. Die intelligenten Systeme, welche die Verkehrsdichte bei Fahrzeugen messen, könnten zumindest in Nebenzeiten die Wartedauer durchaus verkürzen, meinte Dörnenburg.

Denn manche Fussgänger würden ungeduldig und leichtfertig ihre Sicherheit gefährden. Grundsätzlich seien aber Ampelphasen für Gehbehinderte zu kurz, hiess es aus dem Plenum.

Ganz zum Schluss wurde noch die «freudlose» Gestaltung des Amtshausplatzes zum Thema. «Ob wir da noch eine Änderung erleben?», wurde gefragt.

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