Solothurner Fasnacht
Für die Hudibras-Chutze heisst es Wägeli basteln statt einen Wagen bauen

Mangels einer Halle müssen die Hudibras-Chutze auf einen grossen Wagen am Umzug verzichten. Für die Solothurner Stammzunft ist aber klar: 2017 ist eine Ausnahme.

Pius Rüegger
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Schon an früheren Umzügen führten die Hudibras-Chutze zahlreiche Begleitfahrzeuge zum grossen Wagen mit.

Schon an früheren Umzügen führten die Hudibras-Chutze zahlreiche Begleitfahrzeuge zum grossen Wagen mit.

Oliver Menge

«Ohni Halle, ohni Chaare, löh mir alli Hoffnig fahre», heisst ein Zweizeiler in der Umzugsverordnung der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO). Dieser lässt aufhorchen, zumal er von den an zwölfter Stelle eingeteilten Hudibras-Chutzen stammt. Mangels Wagenbauhalle müssen sie auf Lastwagen und Anhänger verzichten.

Umso härter ist dieser «worst case», weil er eine der fünf von sechs UNO-Stammzünften betrifft, die einen Wagen bauen. Dies heisst jedoch nicht, dass die «Hudis» auf eine Umzugsteilnahme verzichten. Mit ihrem Anspruch werden sie mit kleineren Bauten und Wägelchen zweifellos erst recht die beiden Umgänge fantasievoll zu bereichern wissen. Ihr Sujet lässt es erahnen.

Miete ist nicht tragbar

Nach der Fasnacht 2010 mussten die Hudibras-Chutzen nach mehr als zwei Jahrzehnten «ihre» Halle in der Steingrube der Zellulose-Fabrik Attisholz räumen. Seither müssen sie improvisieren. Die letzten zwei Jahre gewährte ihnen ein Landwirt im Bleichenberg Gastrecht. Da dieser diesen Platz wieder selbst benötigt, begann die Suche erneut. «Klar gibt es leer stehende Hallen, und wir haben alles in Bewegung gesetzt, eine Lösung zu finden, aber das Mindestangebot mit einer Monatsmiete von 6000 Franken bei einer ganzjährigen Mietdauer ist für eine Zunft nicht tragbar», muss Hudi-Ober Christoph «Schugi» Michel ernüchtert feststellen.

Daran vermochte auch der vor sieben Jahren gegründete Unterstützungsverein «Casa Hudibras» nichts ändern. Gemäss Präsident und Vize-Zunftober Reto Affolter ist es deren Hauptziel, zu «geeigneten Räumlichkeiten für den Wagenbau und zur Lagerung der dafür erforderlichen Fahrzeuge, Materialien und Werkzeuge» zu verhelfen. Doch dieses finanzielle Fundament genügte ebenso wenig, wie die viel gerühmte Vernetzung bisher wirkungslos geblieben ist.

Nun halt mit dem «Plan B»

Nachdem alle Bemühungen nichts fruchteten und die Zeit immer mehr schwand, traf der Zunft-Vorstand an seiner Sitzung im Dezember 2016 den folgenschweren Entscheid, Plan B in Kraft zu setzen. «Wir wollen an die Fasnacht gehen, wenn auch nur im kleinen Rahmen», so Ober Michel.

Bei der Firma Schaffner in Luterbach fanden die Hudibras-Chutzen Unterschlupf, um Wägelchen und Bauten zu konstruieren. Dazu Ober Michel zerknirscht: «Spitz formuliert, sieht es aus wie eine Kindergarten-Zunft.» «Es herrscht keine Weltuntergangsstimmung, aber eine Unzufriedenheit ist da», beschreiben Michel und Affolter die atmosphärische Befindlichkeit. Es ist nicht das Gleiche, statt Abend für Abend an einem grossen Wagen zu bauen nur noch an Samstagen kleine Utensilien zu basteln.

Der vorläufig letzte grosse Umzugswagen 2016.
11 Bilder
2015 feierten die Hudis ihr 50-Jahr-Jubiläum im Nebel.
Höhenflug 2014.
Die Könige von Solothurn 2013.
Recycling 2012.
Mc Hudi 2011.
2007 wurde gar die Strasse für die Hudbras Chutzen gesperrt.
Der Umzugswagen 2007.
Rentenklau 2004.
2003 nahmen die Hudibrassen den Hanfkonsum aufs Korn.
Legendär ist das Moorhuhn-Schiessen von 2001.

Der vorläufig letzte grosse Umzugswagen 2016.

Oliver Menge

2017 soll Ausnahme bleiben

Der Anspruch der Hudibras-Chutzen, wieder mit einem grossen Wagen aufwarten zu können, bleibt ungebrochen. «Wir wollen unser Renommee behalten, 2017 soll eine Ausnahme bleiben», sagt Michel klar. Gerade weil dieser Super-GAU sie als Stammzunft betrifft, erhoffen sich die Hudis mit den anderen Stammzünften entsprechend Druck für eine dauerhafte Lösung aufbauen zu können. «Diese Lösung wird wohl nicht in der Stadt liegen», sinniert Affolter. «Die Wagen gehören zur Solothurner Fasnacht, denn diese müssen als Kulturgut erhalten bleiben», fordert der Casa-Präsident, «dass nicht nur aufs Geld geschaut wird».

Auch seitens der Behörden erwartet er mehr Unterstützung.Ideal wäre eine eigene Halle. «Wir müssen nur den Boden haben, die Halle kann mit Eigenleistungen erstellt werden», erklärt Affolter. Dafür wird eine minimale Nutzungsfläche von 300 Quadratmetern benötigt. Die Halle soll fünf Meter hoch sein und ein Tor von vier auf vier Metern aufweisen – wegen der Bieltor-Tauglichkeit. «Wir haben eine bis zwei Optionen, aber spruchreif ist noch nichts», gibt sich Michel zuversichtlich. «Wir sind nur am Prüfen», sekundiert ihn Affolter.

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