Solothurn
Für den Stadtpräsidenten und die Jugend ticken die Uhren weiterhin anders

Um 2 Uhr ist Schluss mit Ausgang - gegen ein solches Szenario hatte die Solothurner Jugend vor zwei Wochen mit einem Solidaritätsmarsch mobil gemacht. An der HESO stellte sich Stadtpräsident Kurt Fluri nun Marsch-Organisator Dennis Drews.

Wolfgang Wagmann
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Kurt Fluri und Dennis Drews bereiten sich auf das Gespräch vor
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Podiumsgespräch zur Schliessungszeit 2 Uhr zwischen Kurt Fluri und Dennis Drews
Dennis Drews Der Maturant war Mitinitiant des Solidaritätsmarsches gegen die Schliessungszeit 2 Uhr von Anfang September
Kurt Fluri, Stadtpräsident von Solothurn
Podiumsgespräch an der Heso
Die Zuschauer hören dem Gespräch gespannt zu
Fetzen flogen beim Gespräch jedoch nicht

Kurt Fluri und Dennis Drews bereiten sich auf das Gespräch vor

Lea Durrer

«Meine persönliche Ansicht ist nicht massgebend», verwies der Stadtpräsident erwartungsgemäss an jene Instanzen, welche den 2-Uhr-Entscheid in Sachen Kulturfabrik Kofmehl gefällt hatten - zuerst die städtische Baukommission, dann das Bau- und Justizdepartement, und jetzt liege der Ball bekanntlich beim Verwaltungsgericht. Doch über die generellen Öffnungszeiten in Solothurn «wird der Gemeinderat entscheiden», betonte Fluri.

Wo Fluri früher und später sieht

Diese Nutzungszonen, die verbindlich festlegen, wo beispielweise bis 4 oder nur bis 2 Uhr ein Nachtleben stattfindet, waren ein Diskussionspunkt, bei dem sowohl Moderator Kevin Gander wie auch Dennis Drews mehrfach insistierten und präzisere Vorstellungen vom Stadtpräsidenten einforderten. «2 Uhr in der ganzen Innenstadt?» meinte Drews beispielweise etwas entsetzt, als Kurt Fluri die Altstadt genauer für eine solche «Zeitzone» - «doch da geht es um ein Lokal. wo kaum die Jugend verkehrt», verwies Fluri auf die Piano-Bar am Friedhofplatz, die (noch) bis 4 Uhr geöffnet ist.

Ansonsten definierte Fluri die zuvor nur als «Industriezone» zuletzt als das Gebiet um die Öufi-Brauerei an der Fabrikstrasse. Was die rund drei Dutzend Jugendlichen im Schanzengraben mit einem eher höhnischen Gelächter quittierten - dort befinden sich bekanntlich die «Elderly-People»-Partylokale Eleven und Hidden.

Und das Kofmehl?

Moderator Kevin Gander war sichtlich bemüht, keine «Kofmehl-Diskussion» aufkommen zu lassen, und Dennis Drews sieht sich auch nicht als Sprecher der Kulturfabrik. Dennoch musste der 19-jährige Kantonsschüler auf den aktuellen und für viele Jugendliche unhaltbaren Ist-Zustand der 2-Uhr-Schliessung pochen. «Um 2 Uhr geht niemand nach Hause. Das führt zu Home- oder sogar illegalen Parties. Im Kofmehl sind die Jugendlichen ‹versorgt› gewesen, doch jetzt stehen alle plötzlich auf der Strasse. Und dann gute Nacht!»

Damit hatte Drews, der aber auch zum konstruktiven Dialog aufforderte, Szenenapplaus gebucht. Doch Kurt Fluri verwies auf das Rechtsverfahren, dass ein Anwohner sowie die Hausverwaltung des Aareparks angestrengt hatten - verbunden mit der Forderung nach Schadenersatz von Mietzinsausfällen. Es gelte da einen Ausgleich der Interessen zu finden, betonte der Stadtpräsident wiederholt.

Testversuch bis 5 Uhr ab 2013?

Womit man endgültig beim Strohhalm des Testversuchs bis 5 Uhr offen angekommen war. «Anfangs 2013 könnte es soweit sein», meinte Fluri zum Zeitplan, bis solche Versuche gesetzlich möglich seien. Auch beanspruchte der Stadtpräsident, vor zwei Jahren die «5-Uhr-Idee» gehabt zu haben, der Versuch setze allerdings die Zustimmung zumindest eines Teils der Anwohnerschaft voraus.