Solothurner Fasnacht
Für Aktive gibt es an der Fasnacht keinen Ruhetag

«Drumm-Gugu-Lala-Pfiff» heisst seit 1978 das Losungswort für den Fasnachtsmontag. Jedenfalls für die Aktiven in Zünften, Guggenmusigen und Schnitzelbankgruppen. Sogar der Stadtpräsident wirft sich dabei in Schale.

Pius Rüegger
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Drumm-Gugu-Lala-Pfiff im Kofmehl

Hansjörg Sahli

Im offiziellen honolulesischen «Kaländarium» bleibt seit jeher der Fasnachtsmontag blank - ohne Eintrag. Ein Ruhetag oder Ruheabend? Mitnichten - jedenfalls nicht für die Aktiven in Zünften, Guggenmusigen, Schnitzelbankgruppen und Gruppen. «Drumm-Gugu-Lala-Pfiff» heisst für sie seit 1978 das Losungswort an diesem Abend. So war auch gestern wieder das Kofmehl dessen Schauplatz.

Auslöser für das «Drumm-Gugu-Lala-Pfiff» war die Änderung der Umzugsroute mit der Eliminierung des Kontermarsches in der Vorstadt. Durch die neue Route sahen und hörten sich die am Umzug Teilnehmenden gegenseitig nicht mehr. Diese Situation löste Gespräche aus. «Die Gugaaggeri-Musig-Soledurn und die Frauen-Schnitzelbankgruppe Ribise pflegten einen engen Kontakt. Diskussionen mit der leider verstorbenen Marisa Hirsig und mir führten zur Idee, gemeinsam etwas zu machen für die Guggen und Schnitzelbänke und dazu die Zünftler einzuladen», weiss Mitinitiator Reto Hartmann zu erzählen. Die Ribise lösten sich übrigens 1980 nach elf Fasnachten auf, und die Gugaaggeri sagten 2006 «Adiöö schers amis!».

Schnell wachsendes Pflänzchen

Die Premiere 1978 fand im Landhaussaal statt. Verantwortlich zeichneten Hirsig und Hartmann. «Dieser Abend kam sehr gut an, und weil immer mehr Leute kommen wollten, wechselten wir 1984 in den Konzertsaal», sagt Hartmann. Die Ansage übernahmen Marisa Hirsig und Reto Hartmann anfangs im Wechselspiel. 1980 ging die Organisation an die zwischenzeitlich gegründete GUSO, die Vereinigung der Solothurner Guggenmusigen, über - mit Reto Hartmann als erstem Musignarr. Seither moderiert jeweils der jeweilige Musignarr diesen Abend. Weil nach der Restaurierung des Konzertsaals die Platzzahl behördlich beschränkt wurde, musste zum zweiten Mal aus dem gleichen Grund die Location gewechselt werden.

Im Kofmehl fand der Anlass 2005 eine neue Heimstätte. «Heute haben wir mehr Zünftler und mehr Platz», stellt der GUSO-Musignarr Thomas Nyffenegger fest. Als positive Veränderung nimmt er - als Weihere-Schränzer am «Drumm-Gugu-Lala-Pfiff» seit 25 Jahren dabei - eine grössere Beweglichkeit wahr: «Es sind mehr Gespräche und eine bessere Zirkulation möglich, wobei diejenigen, die sitzen wollen, oben auf den Bänken Platz nehmen können und dort letztes Jahr als Verbesserung erstmals eine zusätzliche Bar eingerichtet wurde».Der Ablauf ist seit jeher gleich. Eröffnet wird der Abend wie die Umzüge durch den Tambourenverein der Stadt Solothurn mit immer wieder überraschenden Einlagen. Seit 1992 bestreitet die Nachwuchsgugge «11i-Schränzer» den Auftakt nach der Pause. Die Schnitzelbänke gehen mit einer Zeitvorgabe von zwölf und die Guggen von sechs Minuten auf die Bühne. Immer Platz hat es für Überraschungen und Improvisationen.

Auch der Stapi wirft sich in Schale

Eine Überraschung ist es, wenn Special Guest Stadtpräsident Kurt Fluri nicht in seinem zivilen grauen Outfit erscheint, sondern wie letztes Jahr als Beduine seine Aufwartung macht. «Ich war als einziger verkleidet als Zivilist, aber das wurde nicht akzeptiert», sagt Fluri mit einem Augenzwinkern. «Sie haben immer gestürmt, also machen wir das. Jedoch sehe ich mich in einer speziellen Funktion, denn ich bin hier das Objekt und nicht das Subjekt», sagt das Stadtoberhaupt weiter. Die Auswahl seines Narrengewandes nimmt übrigens seine Gattin Denise vor.
Seit Markus Flurys Ober-Oberschaft (2003-2005) ist auch eine Grenchner Delegation dabei. Die UNO und GUSO dürfen seither im Gegenrecht den Grenchner Plausch besuchen.