Die Solothurner Partyszene darbt gerade: Das «Solheure» muss bis auf weiteres um 2 Uhr schliessen. So hat es die Stadt gestützt auf die Baubewilligung verfügt. Und auch in der Rothus-Halle ist jetzt – vorläufig Schluss mit Partys: «Sorry Partypeople! Alle Parties bis auf weiteres abgesagt», teilten die Verantwortlichen rund um den Solothurner Party-Veranstalter Olcay Sahin mit.

Letzterer war über Jahre für das Eleven mitverantwortlich. «Leider wurde uns durch die Behörden (Stadt Solothurn) für die wunderschöne Rothushalle keine Anlassbewilligung erteilt…! Wir sind traurig, dass man in Solothurn nirgendswo mehr feiern kann», heisst es im Internet.

Gegen das Ende der Partys in Solothurn regt sich nun Widerstand. Am Freitag wurde auf Facebook die Gruppe «Pro nightlife Solothurn» gegründet. Innerhalb von drei Tagen hat die Facebook-Seite mit dem Slogan «Wir wollen das Nachtleben in Solothurn zurück» nun schon rund 1000 «Gefällt-mir»-Angaben gesammelt. «Immer mehr werden Partys in Solothurn abgesagt, weil keine Bewilligungen von der Behörde ausgestellt werden. Wir sind dagegen!», ist das Motto der Gruppe.

Warum verweigert die Stadt die Bewilligung? Das Versäumnis liegt offenbar nicht bei den Behörden:  Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes, hält fest, dass die Rothus-Halle 2010 zur Galerie umgenutzt worden sei. Erlaubt seien laut Baugesuch von 2010 «die Nutzung als Kunst-Supermarkt, Ausstellungen, private Familienfeste und Firmenanlässe wie Seminare und Kundenanlässe».

Lenggenhager hält fest: «Die Nutzung für Partys, Disco, Konzerte und dergleichen wurde bisher nicht baubewilligt.» Peter-Lukas Meier, Besitzer des Rothus-Verlags und der Halle, könne jedoch ein entsprechendes Baugesuch einreichen. «Wird mit einem Lärmgutachten die Einhaltung der Lärmgrenzwerte belegt und werden die übrigen baupolizeilichen Vorschriften eingehalten, kann eine Baubewilligung über 00.30 Uhr hinaus bis zu 04.00 Uhr bewilligt werden», so Lenggenhager.

Rothus-Besitzer Peter-Lukas Meier bestätigt den Sachverhalt zwar, ist aber dennoch etwas überrascht über das Vorgehen der Stadt. "In den letzten 6 Jahren gab es mit allen Konzerten und Parties nie Probleme, Anzeigen oder sonstige nachhaltige Reklamationen." Dass er für Partys keine Bewilligung gehabt habe, habe nie eine Rolle gespielt, als noch der Kanton zuständig gewesen sei. "Jetzt hängt uns die Stadt aber genau an diesem "unvollständigen" Baugesuch auf." Meier hat einen Juristen eingeschaltet.

Ist die Stadt strenger und geht sie gezielt gegen Lokale vor, die länger als 2 Uhr geöffnet haben? Dass nun mit dem Solheure und der Rothus-Halle gleich zwei Lokale auf ihre Baubewilligungen überprüft worden seien, sei keine geplante Aktion des Stadtbauamtes, hält Andrea Langenhagen fest. Man reagiere erst, wenn man Meldungen von Dritten oder von der Polizei erhalte.

Und auch unter der Woche ist es in Solothurn ruhiger geworden. Von Montag bis Donnerstag müssen die Lokale laut dem neuen kantonalen Wirtschaftsgesetz um 0.30 Uhr schliessen. Frühere Ausnahmebewilligungen bis 3 Uhr, wie sie die Piano-Bar hatte, gibt es nicht mehr. Doch während es in Solothurn Facebook-Aufrufe gibt, hat in Olten Daniel Kissling bereits gehandelt. Der Betreiber des «Coq d`Or» übt zivilen Ungehorsam und hält sein Lokal auch am Donnerstag bis 2 Uhr geöffnet.

In der Stadt Solothurn wird nun die Politik möglicherweise aktiv. SP-Gemeinderätin Franziska Roth hat am Wochenende in dieser Zeitung eine Auslegeordnung des Solothurner Nachtlebens gefordert. Die Ausgehwilligen sollen mehr Spielraum erhalten.

Solheure: Warum es keine Partys mehr gibt

Jahrelang gab es im «Solheure» Partys bis spätnachts. Doch seit April ist zum Ärger vieler Nachtschwärmer um 2 Uhr Schluss. «Liebe Party-Freunde, leider müssen wir euch mitteilen, dass die Party vom 22. April kurzfristig abgesagt werden muss. Gemäss neuen gesetzlichen Regelungen sind Öffnungszeiten bis 4 Uhr morgens nur noch mit einem Lärmgutachten möglich», teilte das Lokal im April mit.

Grund dafür ist nicht zuletzt das neue Wirtschafts- und Arbeitsgesetz. Zuvor konnten Gastbetriebe pro Jahr mehrere Freinächte beantragen. Diese gibt es für Gastlokale in der alten Form aber nicht mehr. Zwar dürfen Lokale laut dem kantonalen Gesetz neu grundsätzlich freitags und samstags Öffnungszeiten bis 4 Uhr offen sein. Das Problem ist: Oft schränkt das Baugesetz dies ein. Denn gerade in der Stadt Solothurn sind Baubewilligungen früher meist nur bis 2 Uhr ausgestellt worden. Diese Bars können heute keine Freinächte mehr beantragen. Wer länger geöffnet haben will, muss nun ein neues Baugesuch mit Lärmgutachten bis 4 Uhr eingeben.