Solothurner Fasnacht

Für Rollstühle gibts in Honolulu extra Plätze – nur sind nicht alle Angebote bekannt

Im Gegensatz zum regnerischen Sonntag soll Petrus’ Wohlwollen für die Umzugsreprise vom Dienstag um einiges grösser sein.

Im Gegensatz zum regnerischen Sonntag soll Petrus’ Wohlwollen für die Umzugsreprise vom Dienstag um einiges grösser sein.

Auch behinderte Menschen sollen die Narrenzeit geniessen können. Der garstige Fasnachtssonntag hat aber auch einigen von ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Es regnet in Strömen, während die Umzugsbesucher auf der Tribüne in der Vorstadt ihren Platz einnehmen. Ganz vorne sitzt Franz Gehringer mit seiner Partnerin Myrta. Die ältere Frau sitzt im Rollstuhl. Beide sind eingehüllt in durchsichtige Pelerinen. Trotz des Regenschutzes verirren sich einzelne Tropfen auf ihre Gesichter. Die beiden Berner besuchen zum ersten Mal die Solothurner Fasnacht und haben sich während den närrischen Tagen in einem Hotel eingemietet. «Wir wollten einmal die Solothurner Fasnacht erleben», sagt Franz Gehringer. «In Bern ist es ganz anders.»

Nicht weit davon entfernt hat sich Christine Baschung auf ihrem Rollator niedergelassen. Die gebürtige Kriegstetterin lebt seit vielen Jahren in Norddeutschland und ist mit ihrer ursprünglichen Heimat noch immer stark verbunden. Beim Erscheinen der Umzugsvorhut zückt sie ihr Handy. «Die Deutschen sagen immer, die Schweizer hätten keinen Humor. Jetzt will ich ihnen zeigen, dass dem nicht so ist.»

Tribüne nicht gefüllt

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als am Fasnachtssonntag 40 behinderte Menschen den Umzug in bester Lage kostenlos geniessen konnten, bleiben dieses Jahr die Plätze für Rollstuhlfahrende und einige auf der Tribüne leer. Ein bisschen enttäuscht sind die Initianten der Vorstadtzunft schon, obwohl die Tribüne eigentlich ausverkauft wäre. «Viele sind wohl wegen des schlechten Wetters zu Hause geblieben», sagt Mitinitiant Reto Huber.

Wäre es für solche Fälle nicht besser, die Tribüne zu überdachen, wollen wir wissen. «Dazu fehlen uns das Geld und die Sponsoren und teilweise auch die Unterstützung», bedauert Reto Huber. «Viele sind immer noch der Meinung, wir wollten uns bereichern, aber dem ist nicht so.» Oberstes Ziel sei es, die Vorstadt zu beleben und zu bereichern. Nun hoffen die Vorstadtzünftler, dass das neue Angebot vor allem bei älteren Menschen, die nicht mehr lange stehen können, und bei Behinderten heute rege genutzt wird.

Es gibt auch andere Plätze

Allerdings ist die Vorstadttribüne nicht der einzige Ort, wo Rollstuhlfahrende den Umzug in bester Lage mitverfolgen können. Seit vielen Jahren spart die Stadtpolizei von Solothurn auf dem Kloster- und dem Kronenplatz Raum für Rollstuhlfahrende aus. Wie Quartierpolizist Beat Zürcher betont, ist die Polizei allerdings froh, wenn sich die Betroffenen und ihre Begleitpersonen zuvor anmelden.

Wer schon lange von diesem Angebot profitiert, sind das Wohnheim Kontiki und das Discherheim. «Wir sind jeden Fasnachtsdienstag auf dem Klosterplatz und das klappt tipptopp», äussert sich dazu Philipp Jobin vom Kontiki. Der Platz sei ideal, weil man gut mit dem Auto zu- und wegfahren könne. «Vom Angebot in der Vorstadt haben wir nichts gewusst», sagt Patrick Mattes vom Discherheim. Quasi abonniert sind diese Wohngruppen jedoch auf dem Kronenplatz. «Wer von den Bewohnern an die Fasnacht will, möchte mittendrin sein», so Jobin.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1