Berntor

Für einige Stunden zurück ins 13. Jahrhundert

Die Mauern des 1877 abgerissenen mittelalterlichen Bauwerks kommen nach langer Zeit wieder ans Tageslicht. Bei Leitungsarbeiten stiess man auf Mauerreste des mittelalterlichen Berntors.

Man könnte fast von Goldgräberstimmung sprechen, die in den vergangenen zwei Tagen in der Vorstadt aufkam. Am unteren Ende der Berntorstrasse war man bei Leitungsarbeiten auf Mauerreste des mittelalterlichen Berntors gestossen. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Die Arbeiter informierten die Kantonsarchäologie über die allenfalls historisch bedeutsamen Funde.

Und als Ylva Backman, dortige wissenschaftliche Mitarbeiterin, den Schauplatz näher unter die Lupe nahm, entdeckte sie bald die ostseitige Fassade des 1877 abgerissenen Bauwerks. «Ein absoluter Glücksfall», wie sie selbst sagt, da man beim verhältnismässig engen Gasleitungsgraben nicht einfach damit rechnen könne, auf solches Mauerwerk zu stossen - uraltes Mauerwerk, notabene.

Denn die Vorstadtbefestigung wird erstmals 1296 urkundlich erwähnt. Folglich datiert Backmann auch das Alter des Berntors - auch «äusseres Wassertor» genannt - auf das 13. Jahrhundert. Für die unteren Geschosse bestätigen dies auch historische Quellen. Später dann wurde das Berntor aufgestockt.

Blöcke bis zu einem Meter Länge

Bis der Graben wieder zugeschüttet wird, sind auf einer Länge von acht Metern die behauenen Mauersteine bis zu einem Meter Länge zu sehen, so genannte Bossenquader; diese kennzeichnen sich durch eine Ausbuchtung, die für die damalige Bauepoche typisch war: «Die Behauungstechnik ist dem Mittelalter zuzuordnen», weiss Backman. Wie tief das Sichtmauerwerk übrigens reicht, bevor das Fundament anfängt, lässt sich auch nach dieser Untersuchung nicht sagen - auf alle Fälle tiefer.

Vermessen, fotografiert, dokumentiert und gezeichnet

Allerdings blieb Backmann und dem archäologischen Ausgräber Carmelo Porto nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden, um die archäologisch interessante Fundstelle zu begutachten. Nach der Freilegung des Mauerwerks, dessen Ausdehnung man ja zu Beginn noch nicht kennt, wird vermessen, fotografiert, dokumentiert und gezeichnet. In diesem Fall wurde die Mauer gar «steingerecht» abgebildet, will heissen, dass jeder gefundene Stein separat skizziert wurde: «Bei einem für die Stadtgeschichte so wichtigen Fund lohnt sich der Aufwand», so Backman.

Was kommt noch hervor?

Allenfalls könnten noch mehr Schätze der Stadtgeschichte folgen: Die zurzeit laufenden Leitungsarbeiten dienen der Baufeldbereinigung. Dabei werden zur Vorbereitung der im Sommer folgenden Fernwärmeleitung vorhandene Gas- und Wasserleitungen umverlegt. Bei der erneuten Strassenöffnung im Sommer könnte weiteres Mauerwerk des Berntors zum Vorschein kommen. Eigentlich hatte man auch den aktuellen Fund erst dann erwartet. Insbesondere hofft Ylva Backman nun aber auf Teile der Nord- und Südfassade, sowie des eigentlichen Torbogens.

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