Solothurn

Für diesen Künstler ist die Leere ein essentieller Bestandteil seines Schaffens

Atsuo Hukuda nutzt den freien Raum bewusst für die Wirkung seines Werkes.

Atsuo Hukuda nutzt den freien Raum bewusst für die Wirkung seines Werkes.

Eine eigenwillige Ausstellung zeigt das Haus der Kunst St. Josef mit dem japanischen Künstler Atsuo Hukuda.

Im Haus der Kunst St. Josef ist man ja immer wieder Überraschungen gewohnt bei den ausstellenden Kunstschaffenden und den jeweils oftmals speziellen, inhaltlichen und formalen bis medialen Mitteln und Wegen. Jetzt also gibt der 1958 geborene und in der Nähe Tokios lebende japanische Künstler Atsuo Hukuda unter dem Titel «Colour and/or Monochrome» Einblick in sein künstlerisches Schaffen zwischen japanischer Tradition und modernem konzeptuellen Minimalismus. Der Hauptraum ist leer, die Wände weiss, nichts lenkt den Blick ab von der imposanten, in einer diskreten Kontemplation ruhenden, wandfüllenden Installation im Altarraum. Silbrig glänzende, mit einem schmalen braunen Rand umfasste Blätter, die gleichmässig gereiht und im unteren Teil gerollt an die Wand genagelt sind, entwickeln in dieser schlichten Monochromie einen fragilen Rhythmus, der eben diese Leere und Stille braucht für die Interaktion mit den Betrachtenden. Denn für Atsuo Hukuda ist der freie Raum ein wesentlicher Anspruch für die Wirkung und Wahrnehmung seiner Arbeiten, für die drei Elemente wesentlich sind: Raum – Werk – Betrachtende im Raum als Synthese von Architektur, räumlicher Atmosphäre, Kunstwerk und Betrachtende im Spiel von Licht und Zeit. Sehr bewusst gibt Atsuo Hukuda der Leere des Raumes die gleiche Präsenz wie dem Kunstwerk selbst, so dass die Anwesenden sich auf das Kunstwerk, auf die Spannung der transparenten, lichten Erscheinung konzentrieren können.

Vater und Sohn in der Ausstellung

Atsuo Hukuda ist ursprünglich ausgebildeter Bildhauer und hat sich intensiv mit traditionellen japanischen Maltechniken und Materialien beschäftigt, die er in seinem Schaffen aufgreift. Wie für ihn überhaupt alte und neue Kunst, japanische Tradition und zeitgenössische Moderne den gleichen Wert haben, nur dass er sie in seinem Werk neu interpretiert. Und wie ein Bildhauer formt er aus den Papierbogen mit präzisen Handgriffen diese ästhetisch anmutige Wandinstallation: Malerisch schlichte Blätter, die der Künstler jedoch in aufwendigen Schritten aufgebaut, indem er Baumwachs auf das empfindliche Japanpapier schichtet, anschliessend feine Silberfolie-Schichten aufträgt. Jedes Blatt wird hier an den oberen Ecken flach an die Wand fixiert, die unteren Ecken sind nach hinten gewölbt ebenfalls an der Wand befestigt, so dass sich die flachen Papiere in der Harmonie ihrer Regelmässigkeit zur reliefartig-architektonischen Wirkung steigern: Das Üppige der Architektur vereint sich mit dem minimalistischen Grundgedanken zu einer Harmonie der wandelbaren Eindrücke – je nach Licht, Stimmung und Position der Betrachtenden. Diese Balance aus rigoroser Leere und dezenter Üppigkeit findet im Chorraum ihren spirituellen Moment. Hier stehen jeweils drei Arbeiten in einer speziellen Goldwirkung, gleicherweise auf den beiden gegenüberliegenden Wände angebracht, im Zwiegespräch; der Raum dazwischen ist erfüllt mit einer ganz eigenen Resonanz. Dabei es ist nicht einmal Gold, sondern die Silberfolie nimmt durch das aufgetragene Jod diesen glänzenden Goldton an, der sich im Lauf der Zeit und unter den Einflüssen des Lichts die Nuancen und damit die Erscheinung ändert.

Im Büro zeigt der junge Shuhei Fuduka, der Sohn Atsuo Hukudas, einige Arbeiten, in denen er mit den sich wandelnden Erscheinungen der Silberfolie auf Japanpapier unter verschiedenen klimatischen Situationen und Altersprozessen experimentiert – gleichermassen im Kontext traditioneller Materialien und konzeptueller Moderne.

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