Ein geplatzter Blinddarm oder eine Schnittwunde: Erwachsene können bei einem Notfall rund um die Uhr in das Bürgerspital Solothurn. Einen Notfalldienst für Kinder gibt es dort nicht. Ebenso wenig eine eigene Kinderklinik. Stattdessen ist eine private Gruppenpraxis für Kinder und Jugendliche im Bürgerspital eingemietet – in einem alten Gebäude, das nach der Fertigstellung des Neubaus 2020 abgerissen wird. Wo die Praxis danach hinkommt, ist noch unklar. Auf jeden Fall aber nicht in den Neubau.

Räume im Altbau angeboten

Im Vertrag der Gruppenpraxis stehe, dass die Kinderärzte nach dem Abriss des alten Gebäudes in «gleichwertige» Räume umziehen können, sagt Kinderarzt Paul Meier auf Anfrage. «Diese Räume haben wir noch nicht gesehen», so Meier. Ende Monat können sich die Kinderärzte aber Räume in einem bestehenden Gebäude anschauen, das nebst dem Neubau weiter genutzt wird.

Oliver Schneider, Mediensprecher der Solothurner Spitäler AG (soH), bestätigt, dass die Besichtigung der Räume durch die Kinderärzte noch bevorstehe. Laut Schneider sei von Anfang an geplant gewesen, dass die Gruppenpraxis nicht in den Neubau, sondern in ein bestehendes Gebäude zieht. «Man hat den Standort gemeinsam ausgewählt, weil er für beide Seiten am geeignetsten ist», so Schneider.

Laut Kinderarzt Meier war die Gruppenpraxis bei diesem Prozess aber gar nicht dabei. Die soH habe den Kinderärzten schlicht mitgeteilt, dass es keinen Platz im Neubau gebe und ihnen dann Räume in einem bestehenden Gebäude angeboten.

Es sei zwar praktisch, mit den Spezialisten im Spital zusammenzuarbeiten, betont Meier. So könne der Kindernotfalldienst zum Beispiel von Röntgengeräten oder den Parkplätzen Gebrauch machen. Ebenso funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Bürgerspital sehr gut. Aber: «Wir sind eine private Gruppenpraxis. Wir sind nicht zwingend auf das Spital angewiesen.» Die Gruppenpraxis müsse nicht unter allen Umständen im Bürgerspital bleiben. Im «Extremfall» könne sich die Gruppenpraxis auch anderswo einmieten, so Meier.

Die Solothurner Spitäler AG ist aber entschlossen, die Gruppenpraxis zu behalten. Mediensprecher Oliver Schneider sagt, die Gruppenpraxis werde auf dem Gelände des Bürgerspitals bleiben. «Das Bürgerspital Solothurn und die Kindergruppenpraxis nutzen ihre Synergien optimal, weshalb die Integration der Praxis auf dem Bürgerspital-Gelände aus soH-Sicht unbedingt fortgesetzt werden soll», so Schneider.

Vonseiten der soH sei man auch bereit, nach der Besichtigung der Räume über deren Umbau zu diskutieren. Sollten gar keine Räume der alten Gebäude passen, könne «unter Umständen» auch der neue Wirtschaftstrakt neben dem künftigen Bettenhaus in Betracht gezogen werden.