Schon das interkantonale Moderatorenduo liess keine Neckerei aus und heizte im nightstyle-Zelt der HESO für das grosse Wortgefecht «Olma vs. Solma» oder «SanggGallä vs. Solodorn» ein.

Mitten auf der Bühne eine Flasche Appenzeller Alpenbitter und damit die Verheissung auf den Sieg jenes Zweiergespanns, das die bessere «Schnöre» respektive «Schnure» hat. So gehört es sich für einen Poetry-Slam, der in diesem Falle auch ein Kampf der Dialekte war.

Lanciert hatte der Abend der St. Gallen-Bodensee Tourismus, der Slam-Poetry schon lange als Zugpferd fürs Vermitteln von Heimat entdeckt hat.

Für die Solothurner Ehre stiegen Kilian Ziegler und Michael Frei (eigentlich ein Thuner mit Wurzeln in Altstätten SG) in den Ring. Das Duo Renato Kaiser und Julia Kubik steckte die östliche Spielfeldhälfte ab.

Zarte bis kämpferische Worte

Mit gewohntem Wortwitz zog Kilian Ziegler alle Register. Er widmete dem mittelprächtig erfolgreichen Skispringer Eddy the Eagle mitfühlende Verse: «Er ist ein Jumper, und das gefällt ihm schampar.» Julia Kubik, die Dame in der Wortarena, sinnierte über Vor- und Nachteile monotoner Tätigkeiten: Für ein Kunstprojekt 60 000 Shiitake-Pilze mit Klarlack einzubalsamieren, habe meditativen Charakter. Dafür sorgen die giftigen Dämpfe. Während die ersten Vertreter diplomatische Verstimmungen grossräumig umfuhren, zogen Michael Frei und Renato Kaiser andere Saiten auf.

Poetry Slam

Poetry Slam

Der Erste hatte für seine Rheintaler Herkunft kein gutes Wort übrig: «In Altstätten SG glauben die Leute noch, dass ein Solothurner ein Einzelsportler ist.» Der Zweite wusste umgekehrt aus der Warte des Exil-Ostschweizers («Anonyme Ostschweizer») auch nichts Positives aus dem Westen zu erzählen: Den Berner Dialekt könne man nicht annehmen, ohne «dass nicht innen drin was Wunderschönes zerbricht».

Übrigens: Das Alpenbitter wurde zum Schluss unter den Wortathleten herumgereicht. Gesiegt hat vor allem die Freundschaft von Ost und West.