Solothurn

Für den Umzug gabs viele «Likes» aus dem Publikum

35 Formationen sorgten bei strahlendem Wetter für eine klangvolle und farbenfrohe Parade, die die Bezeichnung «ungerobsi» vollends verdient.

Der Sonntagsumzug wurde zur Krönung des Sujets «ungerobsi». Ideale Verhältnisse, Sonnenschein und angenehme Temperaturen zogen die Freunde närrischer Hochkultur in Scharen an die Strassenränder. Vielfach das Plakettenmotto integrierend, präsentierten sich die 35 Nummern kompakt, farbenprächtig in tollen Wagen, vielfältigen Guggenmusigen und ideenreichen Gruppen. «Es war ein fantastischer Umzug», stellte Umzugschef Yves Hauri zufrieden fest.

Eindrücke vom Solothurner Fasnachtsumzug 2015

Eindrücke vom Solothurner Fasnachtsumzug 2015

Super Mario hüpft in der Altstadt

Ins Märchenland wünschte mit Aladin und 1001 Nacht der Tambourenverein Honolulu. Wohl um «ihrem» Landammann Roland Heim – er trommelte in der zweithintersten Reihe in der Mite selbst mit! – zu zeigen, wie er in einem Bazar die Kantonsfinanzen ins Lot bringen kann?

Ein eigenes Bier hat jetzt auch die Vorstadt. Zumindest an den Umzügen. Die Mönche der Vorstadtzunft betrieben ihre eigene Brauerei mit Biergarten. «Super M.» heisst es bei der Mamfi-Guggenmusig. Super Mamfi? Nein, Super Mario, die älteste Nintendo-Spielfigur.

Die Altstadt-Rueche feierten die neue Gondelbahn auf den Weissenstein. Zum 25-jährigen Bestehen wühlten die Glungge-Hüpfer im Theaterfundus und kamen als Phantome der Oper. Farbig gaben sich die Guggetschi. Cupcakes und Trällerli-Törtli stillten ihre süssen Gelüste.

Die Welt auf den Kopf stellte die Narrenzunft Honolulu: Deshalb Halb-Honolulese und -Hawaiianer mit Maori-Kopf. Kreuzfahrtschiff, Muttiturm und Honolulu-Express zeigte ihr Wagen.

2015: Mit der Narrenzunft Honolulu am Fasnachtsumzug

2015: Mit der Narrenzunft Honolulu am Fasnachtsumzug

Nicht an die Klimaerwärmung glauben die Aare-Jätter. Sie heizten auf die nächste Eiszeit ein. Mit einer Hommage an Künstler H.R. Giger zu seinen mystischen und düsteren Hollywood-Film-Ausstattungen warteten eben angersch die Wüude auf. Sujet und Kostüm standen bei den Guggeschränzern in keinem Zusammenhang. «Biischtig isch verbi – ungerobsi muess e Schränzer sy» so ihr Tenor.

Der Solothurner Fasnachtsumzug im Schnelldurchlauf

Der Solothurner Fasnachtsumzug im Schnelldurchlauf

Seit 50 Jahren bereichern die Hudibras-Chutzen die Umzüge. Ihr imposantes, drehbares Logo verwies auf den ältesten und typischsten Solothurner – den Nebel. Deshalb die Nummer 11 und eine Nebelbank. Den Kampf gegen die verkehrten Jahreszeiten nahmen die Gassefäger auf. Sie widersetzten sich als Sonnen dem letztes Jahr ausgefallenen Sommer.

Bayrisch ging es bei der Glänggeler Guggemusig zu. Auch hier verkehrt: Die Männer trugen Dirndl, die Frauen Lederhosen, alle einen Bierhumpen auf dem Kopf. Ueli Maurers Gripen-Abstimmungsflop lieferte der Zuchwiler Sans-Gêne-Zunft das Motto. Sie präsentierte alternativ ihre Air. Die Trommelschule des Tambourenvereins Solothurn eröffnete den Nachwuchs-Teil in Charivari-Kostümen. Die Vorstadt-Piraten und die Besten des Nachwuchs-Umzuges, die Pistazien, zeigten sich auch bei den Grossen. «Ungerobsi Obsiunger», das Wechselspiel der 11i-Schränzer. Ihr Sujet liessen sie erst auf den Umzug aus dem Sack: Micky Mouse und Minnie Mouse. Die Spielgruppe s’Wärchstettli Solothurn und die Ch(n)opflöcher repräsentierten weiteren Nachwuchs.

Zum Thema «ungerobsi», fanden die Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker, passen ebenfalls Clowns. Inspiriert von der Eurovision-Contest-Siegerin Conchita Wurst liessen die Stedtli-Gumslen den Phönix aus der Asche steigen. Weil in einer Beiz der Service nicht klappte, kleideten sich die Ambassadonner halb als Liftboy und Servicekraft und nahmen das Heft selber in die Hand: «Ungerobsi – Wenn är’s nid bringt, mach ig’s».

Die Aaremauer und den Waikiki-Strand verbanden die Tannenweg-Zunft, ebenso Biel- und Baseltor mit der Westtangente vor dem drehbaren Globus. Trauen die Konfettistampfer den neuen Gondeln nicht? Als Bergsteiger nahmen sie ihren Weg lieber selber unter die Füsse. Weder politisch noch ernst ging es bei den Provinznarren Zuchwil zu. Heraus kam ein Blick ins belgische Partyland Tomorrowland. Weil sie sich nicht entscheiden konnten, wählten die Weihere Schränzer den gut närrischen Kompromiss. Sie kamen halb als Frau, halb als Mann.

Tausende Zuschauer an Solothurner Fastnachtsumzug

Tausende Zuschauer an Solothurner Fastnachtsumzug

«R2D2» auf Besuch

Das Filmmotto widmeten die Muttiturmbiisser diesmal dem Krieg der Sterne: «Star Wars» mit riesigen Zerstörmaschinen. Zuerst die Lieder, dann das Kostüm und zuletzt das Motto. «Chlöpfschit, mit vüu Luft verpackt und no meh drin» kam bei der Wybeeri-Gugge heraus. Auch die Kladererdätsch thematisierten das schlechte Sommerwetter. Das Kostüm war eine Schlecht-Wetter-Wolke, die Maske eine Sonne.

Dem Selfiefieber verfiel die Weschtstadt-Zunft. Ein Selfiefotograf ging dem Like-Symbol und der Faust mit dem Daumen nach oben voraus. Hashtag-Twitterei gefällt den Sümgaggophonikern. «#Herr und Frau Doppler-Effekt» sagt alles aus. Alles klar? «Atemlos» durchs Weltall düsten die Herregägger. Um ihr Fluggerät wandelten sie als blaue Ausserirdische. Die bunten Vögel der Grashüpfer verdrängten die Krähen über der St. Ursen-Kathedrale.

Einen Bubentraum erfüllten sich die Schanzennarren. Der riesige Kuhschädel, die aufblasbaren Hörner und Kakteen, das umklappbare Windrand sowie der Saloon-Wagen erinnerten unweigerlich an den Wilden Westen. Philosophisch gaben sich die Bloosophoniker als «BlooZoo». «Was isch mit de Häpply?!» ist ihre Frage ihrer Fragen – musikalisch umgesetzt. Ins Reich der Mitte, nach China, führte der Hauptgassleist mit seinem Schlussbouquet, weil die Suteria mit einem Laden in der HGL-Stammgasse bekanntlich einen ebensolchen in Fernost eröffnete.

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