300 kg Kartoffeln, 15 kg Speck, 30 kg Käse und 360 Spiegeleier wurden in der Küche des Kapuzinerklosters für das Röschti-Essen der Fachstelle Perspektive am Samstag verarbeitet. Die Geschäftsleiterin der erfolgreichen Institution, Karin Stoop, blickt auf das Stück Papier mit den Zahlen, das ihr soeben in die Hände gedrückt wurde, und freut sich: «Es sind wunderbare Momente, die wir hier erleben.» Das ehemalige Kloster gleicht an diesem Morgen einem Bienenhaus. Der Lärmpegel ist hoch, aber niemand stört sich daran. Das Servierpersonal hat die Situation im Griff und schlängelt sich gekonnt durch die engen Passagen. In den Händen prall gefüllte Teller mit dem Nationalgericht. Walliser-Röschti mit und ohne Spiegelei, Röschti mit Birnen und Speck - alles schön überzogen mit feinem Raclettekäse und dazu auf Wunsch ein Salat und ein Glas Bürgerwein. Niemand zweifelt: Auch die Küche leistet hervorragende Arbeit.

Anerkennung für die tägliche Arbeit

Tourismusdirektor Jürgen Hofer ist einer der vielen, sich in Schichten ablösenden freiwilligen Helfer, die die mit Kind und Kegel angerückten Gäste bedienen. «Die Perspektive ist eine wichtige Institution unserer Stadt. Wenn ich einmal im Jahr mithelfen kann sie zu unterstützen, tue ich das gerne.» Aus der Sicht der Gäste sehen das auch Hansueli und Madeleine Ruosch nicht anders. «Randständige gehören zu unserer Gesellschaft, und eine Institution, die sich ihrer annimmt, braucht unsere Unterstützung und Anerkennung», ist das Ehepaar überzeugt.

Karin Stoop freut sich über die Solidari-tät und Wertschätzung, die ihren Mitarbeitenden auch am diesjährigen Spendenanlass entgegengebracht wird. «Wir schätzen es, dass man unsere Arbeit wahrnimmt und anerkennt.» Jahraus jahrein betreut, begleitet und befähigt die Perspektive Region Solothurn-Grenchen Menschen, die direkt oder indirekt von einer Suchproblematik betroffen sind und sich in der Gesellschaft nicht mehr zurechtfinden.

Die zahlreichen freiwilligen Helfer, die das Röschti-Essen erst möglich machen, sind meist bekannte Persönlichkeiten aus der Stadt, die sich an diesem Tag mit Begeisterung für eine gute Sache einsetzen. Karin Stoop freut der gut geregelte Einsatz: «Jeder weiss inzwischen, was er zu tun hat und alle wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein.» Das Schöne sei, dass an der Organisation des Anlasses nichts geändert werden müsse. «Es bleibt ein Erfolg, ohne dass wir etwas dazu tun.» Genau aus diesem Grund müssten sich die Solothurner, ähnlich wie an den Film- oder Literaturtagen, das Datum des nächsten Röschti-Essens bereits jetzt vormerken.

Das tut denn auch Philipp von Büren aus Solothurn, der sich mit seiner Familie im einstigen Refektorium niedergelassen hat, umringt von zahlreichen Bekannten. «Ich habe den Anlass in meiner Agenda für das nächste Jahr bereits eingetragen. Man trifft hier immer dieselben Leute, das Essen ist gut und wird superschnell serviert.»

Nach drei Stunden entleeren sich die Klosterräumlichkeiten. Die Kuchen in der Kaffeestube sind aufgebraucht, in der Küche denkt man ans Aufräumen und in der Luft hängt ein hartnäckiger Käsegeruch. Jeder weiss: das nächste Röschti-Essen kommt bestimmt.