Herbstmesse Solothurn

Für den Erfolg der Herbstmesse braucht es «keinen Glamour»

Zum 42. Mal sind die zehn schönsten Tage im Solothurner Herbstkalender angelaufen. Bereits am Freitag strömten Gross und Klein in die HESO-Hallen. Und an der offiziellen Eröffnung stand das Thema Erfolg im Zentrum.

Sie ist die Herbst-Konstante mit vier Buchstaben. Doch selbst wenn die HESO in der turbulenten Messelandschaft Erfolge und ausgebuchte Hallen feiert: «Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen beeinflussen auch unsere Aussteller», sagte Urs Unterlerchner, OK-Präsident, an der Eröffnung vor Behörden und anderen geladenen Gästen. «Die Zeile ‹s’isch immer eso gsi› ist im Wirtschaftsleben längst nicht mehr anwendbar.» Viele Wirtschaftszweige werden durchgeschüttelt.

«Überleben konnten nur die, die sich angepasst haben.» Während man das Erfolgsmodell Schweiz beschwöre, brauche es für den Erfolg mehr: «Wenn Sie durch die HESO gehen, sehen Sie viele Aussteller, die nicht nur bewahren, sondern auch den Mut haben, die Zukunft zu gestalten.» Unterlerchner ermutigte, die Digitalisierung nicht als Bedrohung zu sehen: «Je schneller und unpersönlicher kommuniziert wird, umso wichtiger werden die persönlichen Begegnungen.»

Was das «Wasserschloss» Aare für die Industrie tat

Erfolgsrezepte über die HESO hinaus hatte schliesslich der Hauptredner zu bieten. Der Wirtschaftsexperte und Buchautor Beat Kappeler fokussierte sich auf die historische Bedeutung des Aarelaufs, der zu einer Keimzelle und zur Lebensader der Industrialisierung wurde. Und darauf, was sich für die Zukunft aus den damaligen Rahmenbedingungen lernen lässt. Auf den Aare-Emme-Kanal, der mit dem Bau des Kraftwerks Luterbach vor 125 Jahren den Gründungszeitpunkt der AEK markierte, folgten weitere Entwicklungen, beschrieb Kappeler: «Wie in einem Pflanzbeet entstanden sofort die stromverwertenden Industrien.»

Woraus er einige Schlussfolgerungen ableitete: «Heute liest man in uninformierten Schulbüchern, die Schweiz sei ein rohstoffloses Land gewesen. Dabei war die Schweiz immer rohstoffreich.» Bevor Strom, Öl und Kohle kamen, habe die Schweiz über Resourcen wie Wasser, Holz und Gefälle verfügt, «und zählte zusammen mit Österreich zu den rohstoffreichsten Ländern Europas.» Und heute? «Die Elektrizität mit den Gebirgsquellen und den Pumpspeicherkraftwerken werden auch in Zukunft wichtig sein», sprach Kappeler auf die Problematik der künftigen Stromspeicherung an.

«Solche Instanzenwege hätten wir heute auch gerne»

Weiter erklärte er, wie kurze Genehmigungswege die damalige Aare-Industrie zum Erfolg geführt hatten. In Sachen Kraftwerk Luterbach anno 1890 lagen zwischen Einreichen des Konzessionsgesuchs und der Bewilligung durch den Regierungsrat drei Wochen. «Solche Instanzenläufe hätten wir heute auch gerne», meinte Kappeler und holte zur Kritik an den heutigen Rekursmöglichkeiten aus. Weiter hatten sich die damaligen Industrien zu Clusters formiert, zu konzentrierten gleichartigen Industriebetrieben, was Vorteile mit sich gebracht habe. Als aktuelles Beispiel aus dem Biotech-Bereich nannte er Biogen. Und als politischen Seitenhieb zu heutigen Rahmenbedingungen: «Hoffentlich gewinnt auch das Solothurner Stimmvolk die Einsicht, dass günstige Steuern dazugehören.» Schliesslich appellierte Kappeler in Anlehnung an früher, den Blick auf das echt Produktive zu richten. «Am Beispiel des neuen 2,5-Mio-Franken-Schmelzofens in Gerlafingen zeigt sich, dass produktive Anlagen oft wenig kosten.» Und dies im Gegensatz zu wohlstandsvernichtenden Investitionen bei Prunkbauten oder anderen Exzessen, die kaum Produktivität schaffen.

Eröffnung der HESO 2019 mit musikalischer Umrahmung von der Stadtmusik Solothurn samt kurzem Rundgang

Eröffnung der HESO 2019 mit musikalischer Umrahmung von der Stadtmusik Solothurn samt kurzem Rundgang

Der Verzicht auf Glamour und Luxus

Nach Klängen von Heimwehsolothurnerin Christine Hasler und Stefan Schischkanov richtete auch Stadtpräsident Kurt Fluri seine Grussworte ans Publikum. Zunächst fühlte er sich zur Ehrenrettung des Kantons verpflichtet, was Rekurswege angeht: «Immerhin hat Solothurn die kürzesten Bewilligungszeiten schweizweit.» Weiter nahm er das Erfolgsphänomen HESO als Thema wieder auf und verglich sie mit der ebenso erfolgreichen Olma. «Beide verzichten auf Glamour und Luxus, sind bodenständig – und haben ein Säulirennen», so Fluri.

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